Dreikönigstagung 2018

Pietro Supino fordert runden Tisch für Medienkompetenz

Verlegerpräsident Pietro Supino will, dass künftig Geld in die Förderung der Medienkompetenz gesteckt wird.
© zvg.
Verlegerpräsident Pietro Supino will, dass künftig Geld in die Förderung der Medienkompetenz gesteckt wird.
Sein Deal mit Goldbach, “No Billag”, das Joint Venture von NZZ und AZ Medien, die geplatzen Verhandlungen mit Admeira – wer erwartet hätte, dass Pietro Supino, Präsident des Verbands Schweizer Medien (VSM), an der Dreikönigstagung eines dieser Themen ansprechen würde, irrte sich. Stattdessen widmete er sich dem Thema "Medienkompetenz der Bevölkerung".

Erst im Anschluss an sein Referat kam Supino auf “No Billag” und die SRG zu reden, aber nur, weil er von Moderator Reto Brennwald darauf angesprochen worden war. Seinen Draht zu Gilles Marchand bezeichnete er weiterhin als “gut”, und er gab an, mit dem SRG-Generaldirektor spätestens innerhalb der nächsten zehn Tage wieder zusammen zu treffen.

Zu “No Billag” nahm er nicht direkt Stellung, er sagte gar: “Das ist nicht unser Thema, wir haben nichts damit zu tun.” Stattdessen umschrieb er die Position des VSM: Dieser sei für eine gebührenfinanzierte (mittelfristig aber werbefreie) SRG, “die die Verleger nicht mit gratis-angebotenen schriftlichen Inhalten im Internet konkurrenzieren soll". Weiter forderte er den Verzicht auf Onlinewerbung und Targeted Advertising. Zudem sollten Kooperationsprojekte mit Privaten allen gleichberechtigt zugänglich sein. Auf Brennwalds Frage, ob er davon ausgehe, dass die SRG in diesen Punkten entgegen komme, sagt Supino: “Wir haben Signale, dass dies der Fall sein wird, es ist nur noch eine Frage der Zeit.”

Verleger wollen Journalisten für Schueln freistellen

Zurück zu Supinos heutigem Hauptthema “Medienkompetenz”: Der VSM-Präsident rief Schulen, Politik und Medien dazu auf, “der Medienkompetenz der Bevölkerung die höchste medienpolitische Priorität einzuräumen”. Sie sei der “entscheidende medienpolitische Einflussfaktor für die Qualität der Medien der Zukunft”. Denn Medienkompetenz sei für die Demokratie und den politischen und gesellschaftlichen Diskurs unerlässlich.

Mit Medienkompetenz meine er aber nicht primär den Umgang der Jugendlichen mit Handy, Facebook und Co., sondern das Ziel sei, dass der Einzelnen eine Ahnung von den bestehenden Medienangebote habe und wisse, wie sie entstehen, welches ihre Quellen sind und wie Informationen qualitativ beurteilt werden können. In Schulen müsse man diese Themen spielerisch angehen, etwa mit Schülerzeitungen, doch sei auch ein strukturierter Unterricht von Nöten, meinte Supino. Auch der Lehrplan 21 sehe dies ja vor.

Von den Lehrerinnen und Lehrern könne man aber nicht erwarten, Medien- oder Informatikexperten zu sein fügte er an. Deshalb schlug Supino vor, dass Medienhäuser Journalistinnen und Journalisten dafür zur Verfügung stellen. Dabei verwies er auch auf das medienpolitische Manifest, dass der VSM im letzten September verabschiedet hatte und das die Medienkompetenz ebenfalls thematisert. “Unsere Türen stehen offen”, folgerte Supino. Das Thema der Medienkomepetenz sah er als eine gemeinschaftliche Aufgabe von Bildungsinstitutionen, Politik und Medien, egal ob privat oder öffentlich-rechtlich. Er foderte sie alle auf, “einen runden Tisch zu bilden, um der Medienkompetenz gemeinsam zum gebührenden Stellenwert zu verhelfen”.

Nicht sparen bei der Medienkonpetenz

Der VSM-Präsident betonte weiter, dass die Kosten für Lehrerausbildung, Lehrmittel, Unterricht und attraktive Rahmenprogarmme im Vergleich zu andern diskutieren Förderprogrammen sehr gut investiertes Geld seien. “Hier dürfen wir nicht sparen.” Im Gegenteil: “Wenn in Zukunft zusätzliche Mittel in die Medienförderung investiert werden können und sollen, dann müsste der Schwerpunkt bei der Medienkompetenz und bei der Forschung liegen und nicht bei neuen Modellen der direkten Medienförderung, die nur wenigen Auserwählten dienen und zu kontraproduktiven Marktverzerrungen führen würden.” Es handle sich schliesslich um eine langfristige Investion, die sich lohnen wird. Dasselbe gelte für die Forschung, wobei er den Lehrstuhl für Medientechnologie erwähnte, die verschiedene Medienhäuser an der ETH Zürich finanzieren. knö




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