Dreikönigstagung

Ist ein Ja zu "No Billag" verantwortungslos oder einfach liberal?

Auf dem Podium zu "No Billag": Buchautor Roger Schawinski, Moderator Reto Brennwald, SVP-Nationalrat Gregor Rutz.
Markus Knöpfli, © knö.
Auf dem Podium zu "No Billag": Buchautor Roger Schawinski, Moderator Reto Brennwald, SVP-Nationalrat Gregor Rutz.
In einer kurzen Diskussion zwischen Radiopionier, SRF-Moderator und Buchautor Roger Schawinski und SVP-Nationalrat Gregor Rutz über die "No Billag"-Initiative schenkten sich die Beiden nichts.
Gestern brachte Roger Schawinski sein Buch "No Billag - die Gründe und die Folgen" heraus. Darin kritisiert er die SRG, macht Redimensionierungsvorschläge – gleichzeitig aber verteidigt er sie und wendet sich vehement eggen die "No Billag"-Initiative. Das war auch der Grund, weshalb ihn die Verleger an der Dreikönigstagung gegen No-Billag-Befürworter Gergor Rutz antreten liessen. Insgesamt war die Diskussion wenig ergiebig und vor allem seitens Schawinski enorm emotional und gehässig. Rutz sagte, was er schon andernorts von sich gab: Er habe die Initiative nicht unterschrieben, trete auch für einen Service publique ein und habe sich im Parlament für eine Gegenvorschlag (Gebühren in der Höhe von 200 Franken) eingesetzt. Da dieser aber abgelehnt worden war, bleibe jetzt bloss noch die Wahl zwischen Ja und Nein, schwarz oder weiss. "Als liberaler Mensch stimme ich deshalb Ja, denn mir ist der private Weg lieber als eine weitere Verstaatlichung", sagte er. Diese Haltung fand Schawinski "verantwortungslos", zumal sich Rutz im Grunde für einen wenn auch abgespeckten Service public ausspreche. "Mit einem Ja zerstören Sie ein System, das Sie nicht zerstören möchten", warnte Schawinski.

Der Radiopionier punktete, als er darauf hinwies, dass ausländische TV-Sender in der Deutschschweiz auf mehr als 60 Prozent Marktanteil kämen. "Fernsehmässig – um in der SVP-Terminologie zu bleiben – sind wir völlig überfremdet und kolonialisiert." Und nun wolle ausgerechnet die SVP mit "No Billag" das verbliebene inländische Programm nicht stärken, sondern runterfahren und deutschen Sendern Tür und Tor öffnen." Er sei selbst einmal im Verwaltungsrat von Sat1 gewesen und habe gesehen, "wie leicht man in der Schweiz ohne richtige Leistung Geld abziehen kann", sagte Schawinski weiter. Wenn die SRG einmal weg sei, fänden die ausländischen Werbefenster, die heute schon 300 Millionen Franken ins Ausland wegschaffen, hierzulande eine zusätzliche Goldgrube vor.

Rutz punktete weniger durch nachvollziehbare Argumentation – er wiederholte mehrmals, dass er mangels Gegenvorschlag nun für "No Billag" stimmen werde – als durch seine Gelassenheit und Ruhe. Das liess ihn neben dem gestikulierenden und ausflippenden Schawinski trotz weniger Inhalt letztlich überzeugender rüber kommen. Rutz' inhaltlich bester Beitrag war wohl die Aussage, dass es auch ihm klar sei, dass die SRG ein Voll-Programm – auch mit Unterhaltung – machen müsse. "Aber es ist nicht nötig, einen Sender wie SRF 2 zu betreiben, der den ganzen Tag nur Serien und Filme bietet."



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