Dominik Kaiser, Chef der 3plus Group (Teil 2)

"13 Sendungen unter den 15 besten aller Privatsender – das macht uns stolz."

Dominik Kaiser:
©3Plus
Dominik Kaiser:
Der Schweizer TV-Sender 3+ feierte kürzlich sein 10jähriges Bestehen. Grund genug, mit Initiant und CEO Dominik Kaiser das vergangene Jahrzehnt revue passieren zu lassen. In zwei Teilen. Im hier vorliegenden 2. Teil spricht Kaiser über seine defizitären Eigenproduktionen und welche sich am ehesten refinanzieren, er erklärt, wie er durch einen geschickt zusammen gestellten Mix dennoch zu genug Geld kommt, was er 2017 Neues ins Programm aufnimmt und wo die 3plus Group punkto Programmatic TV steht.

Nach dem Rückblick auf die letzten zehn Jahre sollten wir uns auch mal die letzten paar Wochen genauer ansehen: Betrachtet man nur gerade den Wettbewerb der privaten TV-Sender in der ganzen Schweiz, hatte 3+ von Mai bis August 13 Ausstrahlungen von "Bachelorette" und "Bauer, ledig, sucht" in den Top 15 der meistgesehenen Sendungen bei den 15 bis 49-Jährigen. Ist das eine Verbesserung gegenüber Vorjahr? Zunächst: 13 Sendungen unter den 15 besten aller Privatsender – das macht uns stolz. Wenn man bedenkt: Da tritt ein kleiner Sender gegen die grossen Deutschen an und erreicht ein solches Resultat. Und ja, das ist eine deutliche Verbesserung gegenüber Vorjahr. "Bauer, ledig, sucht" 2016 war die mit Abstand erfolgreichste Staffel mit knapp 19 Prozent Marktanteil im Staffelschnitt bei den 15- bis 49-Jährigen, damit sind wir super happy. Und "Bachelorette" hatte 17 Prozent im Schnitt, was auch sehr gut ist. Letztes Jahr lagen die Zuschauerzahlen beider Sendungen im gleichen Zeitraum tiefer, "Bauer, ledig, sucht…" um 5 Prozentpunkte und "Die Bachelorette" um einen Prozentpunkt.

13 gut laufende Sendung in vier Monaten, das heisst, dass Sie im Durchschnitt jede Woche nur etwa ein Highlight generieren. Reicht das wirklich? Gut liefen deutlich mehr Sendungen. Aber die Stichprobe, von der wir sprechen, umfasst die Top 15 Sendungen aller privaten TV-Sender. Und von diesen Top 15 Sendungen aller privaten TV Sender stellen wir als kleine Sendegruppe 83 Prozent aller Sendungen! Grundsätzlich reicht es, jede Woche eine oder zwei sehr erfolgreiche Sendungen zu haben. Im Herbst/Winter sind es jeweils zwei. Im Rest vom Jahr ist es eine. Wenn wir noch mehr teure Schweizer Eigenproduktionen produzieren würden, wäre es umöglich ein ausgegliches Ergebnis zu erwirtschaften. Denn mit den Eigenproduktionen verlieren wir leider nach wie vor Geld.

„Für Programmatic TV sollten wir anfangs 2017 fit sein. Aber nicht, weil wir glauben, dass es schon bald einen grossen Umsatzanteil generiert, sondern damit wir unser Programm flexibler austauschen können.“
Dominik Kaiser, CEO und Gründer der 3plus Group
Es gibt keine, die selbsttragend ist? Nein.



Sie sagten einmal, "Bachelor" und "Bachelorette" würden je 2 Millionen Franken kosten.... "Bachelor" eher 2,5 Millionen, "Bachelorette" 2 Millionen. Das sind unsere teuersten Sendungen. Sie lassen sich allein nicht refinanzieren, nur im Mix aus guten Serien, Spielfilmen und grossen Eigenproduktionen. Diese Mischung ergibt dann einen guten Marktanteilsschnitt, der sich insgesamt refinanzieren lässt. Hinzu kommt: Die grossen Eigenproduktionen führen dazu, dass wir jedes Jahr etwas mehr in den Medien und auf Social Media diskutiert werden. Und dass auch unsere Kunden auf unsere Sendungen mit riesigen Reichweiten aufmerksam werden. Das ist für uns wichtig.


Welches ist die am besten refinanzierte Eigenproduktion? "Notruf" oder "Bumann, der Restaurant-Tester". Sie haben den Vorteil, dass man sie mehrmals zeigen kann. So treffen sie auch nach der Erstausstrahlung auf weitere Zuschauer, welche die Sendung noch nicht gesehen haben – und wir kommen zu zusätzlichen Einnahmen. Beim "Bachelor" hingegen sind die Produktionskosten viel höher, und nach einer Wiederholung ist die Sache gelaufen.
Die Performance der drei Kaiser-Sender und von Puls 8 – hier über 24 Stunden (nicht in der Primetime).
Die Performance der drei Kaiser-Sender und von Puls 8 – hier über 24 Stunden (nicht in der Primetime). (© Mediapulse – Marktanteile D-CH, 1. Sem. 2016 (Personen 15-49 J., inkl. Gäste, Mo-So, 24 h, all Plattforms, Overnight + 7))
Anfangs Jahr hat SevenOne in der Schweiz den Sender Puls 8 lanciert, der ähnlich ausgerichtet ist wie 4+ und teilweise auch wie 3+. Gräbt er Ihnen das Wasser ab Nein, den spüren wir zum Glück nicht. Auf Puls 8 gibt es wohl Serien, aber keine Top-Serien wie bei uns. Und Spielfilme, die wir auf 4+ zeigen, sind punkto Qualität und Jahrgang deutlich frischer, aktueller und hochwertiger. Weil ProSieben einen riesigen Programmstock hat, kann Puls 8 auch tagsüber Spielfilme zeigen, weshalb er im 24-Stunden-Schnitt leicht besser aussieht als 5+. Aber in der entscheidenden Primetime, die uns in erster Linie interessiert, kommt Puls 8 auf einen deutlich geringeren Marktanteil als unser kleinster Sender 5+.
„Wir sorgen für weitere Highlights, aber schrittweise und kalkulierbar. Weil wir jedes Jahr mehr Einnahmen haben, können wir uns einen langsamen Ausbau leisten. So wollen wir unsere Unabhägikeit sicherstellen.“
Dominik Kaiser, CEO und Gründer der 3plus Group
Machen wir noch einen Ausblick aufs 2017: Was sind Ihre Highlights? Von "Bauer, ledig, sucht", "Bachelor" und "Bachelorette" sowie von "Bumann", "Notruf" und "Bergretter" bringen wir neue und längere Staffeln mit mehr Folgen. Zusätzlich machen wir eine neue Staffel "Adieu Heimat", ein Format, das wir 2008 letztmals im Programm hatten. Seit knapp einem Jahr laufen die Wiederholungen erstaunlich gut: Eine uralte Folge von "Adieu Heimat" generierte – gleich nach der "Bachelerotte" platziert – 18 Pozent Marktanteil. Wahnsinn! Deshalb beschlossen wir, die Zuschauer ernst zu nehmen. Die neue Staffel ist schon fast fertig und gerade im Schnitt. Weiter machen wir ein Format über Körper-Tattoos, ein internationaler Trend. Und schliesslich machen wir eine grössere Geschichte, zu der ich jetzt noch nichts verraten will.

Handelt es sich bei den zwei letztgenannten Neuheiten um RealityTV-Formate. Ja.
Dominik Kaiser hat mit Marktanteilen bis zu 20 Prozent bewiesen: Privates TV in der Deutschschweiz ist möglich – auch ohne Gebühren.
Dominik Kaiser hat mit Marktanteilen bis zu 20 Prozent bewiesen: Privates TV in der Deutschschweiz ist möglich – auch ohne Gebühren. (© knö.)
In welcher Richtung geht die neue Geschichte? Dazu möchte ich noch nichts sagen. Wir entwickeln immer mehr als wir dann senden. Denn der Test kann in die Hosen gehen, und dann machen wir sie nicht.

Sie sagte, dass Sie die neuen Staffeln der bestehenden Eigenproduktionen verlängern wollen. Was heisst das? "Bauer, ledig, sucht" war dieses Jahr 25 Folgen lang, das war schon ein Rekord, 2017 werden es wahrscheinlich 30 Folgen sein. Und "Bachelor" und "Bachelorette" werden je zwei Folgen länger.
„'Bachelor' und 'Bachelorette' sind unsere teuersten Sendungen. Sie lassen sich allein nicht refinanzieren, nur im Mix aus guten Serien, Spielfilmen und grossen Eigenproduktionen.“
Dominik Kaiser, CEO und Gründer der 3plus Group
Also bauen Sie aus, mit dem Ziel, immer mehr Highlights pro Woche zu haben. Ja, klar. Aber schrittweise, kalkulierbar. Weil wir jedes Jahr mehr Einnahmen haben, können wir uns einen langsamen Ausbau leisten. So wollen wir unsere Unabhägikeit sicherstellen.

Gibt es weitere Neuerungen? Wir wollen den Anteil an Schweizer Programm erhöhen. In diesem Jahr beträgt er bei 3+ im Jahresschnitt und in der Primetime etwa 30 Prozent. Ab Herbst werden wir vier Abende mit Schweizer Programmen haben, im Moment sind es zwei. Wir haben aber auch Wochen mit nur einem Abend und anfangs Jahr ein paar wenige ohne. Das wird es nächstes Jahr nicht mehr geben. Parallel dazu werden wir die Qualität der Filme auf 4+ erhöhen – mehr Blockbuster-Premieren, mehr ganz neue Filme. Wir werden also auf allen Ebenen weiter investieren.

Das Thema Programmatic TV ist in aller Munde – ist die 3plus Group dazu schon in der Lage oder sind noch Investitionen nötig? Für Por Anfangs November machen wir einen grösseren Schritt vorwärts und 2017 noch einen, dann sollten wir dafür fit sein. Wir machen das aber nicht, weil wir glauben, dass Programmatic TV schon bald einen grossen Umsatzanteil generiert, sondern damit wir unser Programm flexibler austauschen können.

Damit erhoffen Sie sich also primär intern einen Vorteil. Ja, denn jetzt ist jedes Umplatzieren von Sendungen, jedes Auswechseln von Spots, mit viel Handarbeit verbunden, die man wiederum mit grossem Aufwand kontrollieren muss. Doch sobald wir die Automatisierung haben, sind wir auch bereit für ein Marktangebot im Bereich Programmatic TV. knö

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