UKW-Abschalttest von UPC

(K)ein Bärendienst für die Radiobranche?

Versteckte Kommunikation: Wer (in Luzern) plötzlich kein UKW-Radio über das UPC-Kabel mehr hören kann, findet auch auf der UPC-Website unter "Support" keine Infos – ausser er/sie kennt den konkreten Link zur entsprechenden Unterseite.
Versteckte Kommunikation: Wer (in Luzern) plötzlich kein UKW-Radio über das UPC-Kabel mehr hören kann, findet auch auf der UPC-Website unter "Support" keine Infos – ausser er/sie kennt den konkreten Link zur entsprechenden Unterseite.
Angeblich bloss zum Test hat UPC 1000 Luzerner Haushalten die UKW-Verbreitung über Kabel gekappt und durch DAB+ ersetzt. Allerdings so, dass das DAB+-Signal nicht über handelsübliche Radiogeräte empfangen werden kann. Das sorgt für Ärger. Nicht jedoch beim Verband Schweizer Privatradios. Dort unterstützt man den Test und war auch darüber informiert.
Dass der grösste Schweizer Kabelnetzbetreiber UPC das UKW-Signal abstellen und durch DAB+ ersetzen wird, kommt an sich nicht überraschend. Schon am SwissRadioDay vom 25. August 2016 kündigte Jürg Aschwanden, Director Government Affairs von UPC, vor der versammelten Radiobranche an, das analoge Radio auf seinem Netz "mittelfristig" einzustellen und die Programme künftig sowohl im DAB+- als auch im IP-Standard zu verbreiten (HORIZONT Print vom 22.9.16 berichtete im Marktplatz Schweiz). "Für uns ist analoges Radio ein Auslaufmodell", sagte Aschwanden damals. Die Umstellung auf DAB+ erfolge primär, weil dann mehr Bandbreite frei werde. "Statt 40 bis 50 UKW-Sender können wir auf dem gleichen Platz etwa 70 DAB+-Sender samt Zusatzinfos wie Texte, Bilder oder interaktive Dienste verbreiten."

"Mittelfristig" heisst also bei UPC exakt drei Monate später. Das Abschalten von UKW erfolgt derzeit zwar nicht flächendeckend, sondern bloss als Test in 1.000 Luzerner Haushalten. "Bei rund 1.000 Haushalten wird erstmals die Verbreitung von DAB+-Signalen über das Kabelnetz von UPC getestet und gleichzeitig der Empfang der bisherigen UKW-Signale eingestellt", heisst es auf einer versteckten Website, die nur über einen direkten Link, nicht aber über die offizielle UPC-Website zu finden ist, nicht einmal, wenn man das obige Zitat oder die Stichworte UKW oder DAB+ eingibt.

Auf dieser Website behauptet nun UPC, "eine schweizweite Abschaltung von UKW-Signalen ist zurzeit nicht vorgesehen". Ja, es gebe "keine konkreten Pläne zu einer schweizweiten Umstellung von UKW auf DAB+". Dennoch müssen die Luzerner "Testpersonen" aber eine Investition tätigen, wenn sie weitern DAB+ über Kabel hören wollen: Sie müssen "ein neues DAB+ Cable-Empfangsgerät" erstehen, welches nicht im Handel, sondern lediglich bei UPC erhältlich ist.
Suchen nützt nichts: Nur mit dem korrekten Link kommt man auf der UPC-Website auf diese Seite, die über den Luzerner Test informiert.
Suchen nützt nichts: Nur mit dem korrekten Link kommt man auf der UPC-Website auf diese Seite, die über den Luzerner Test informiert.
Dass dies einigen Ärger ausgelöst und auch zu Protesten von Konsumentenorganisationen geführt hat, ist nachvollziehbar. Die Frage stellt sich, ob der UPC-Test und die sehr fragwürdige Kommunikation am Ende für die Radiobranche nicht kontraproduktiv sein könnte, ja, ein Bärendienst darstellt. Seitens UPC war darauf keine Antwort erhältlich

Anders beim Verband Schweizer Privatradios (VSP): Präsident Jürg Bachmann "denkt nicht, dass dieser Versuch eine Ablehnung auslöst". 
Ein Test sei grundsätzlich positiv, meint er. Jedenfalls sei er viel besser als zuerst DAB+ einführen und dann korrigieren. Auch war Bachmann vom UPC-Test nicht überrascht. "Wir waren vorgängig von UPC informiert", sagt er. Und weiter: "Wir sind im Gespräch mit UPC."

Eine leise Kritik am UPC-Vorgehen lässt Bachmann dann aber doch durchklingen: "Natürlich wäre es schön, wenn es rasch viele DAB+-Cable-Empfänger im freien Handel zu kaufen gäbe." knö






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