Cover Media

Kämpfer für einen faireren Radiomarkt

Das gesamte Führungsteam von Cover Media: Links die beiden Inhaber Nicole Willinger und Hans-Ueli Zürcher. Rechts die beiden Co-Geschäftsleiter Michel Zürcher (oben) und Stefan Sommerhalder.
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Das gesamte Führungsteam von Cover Media: Links die beiden Inhaber Nicole Willinger und Hans-Ueli Zürcher. Rechts die beiden Co-Geschäftsleiter Michel Zürcher (oben) und Stefan Sommerhalder.
Der kleine Radiovermarkter Cover Media behauptet sich seit 21 Jahren zäh im Markt und ist dank dem zweiten Standbein Spotproduktion weder klein zu kriegen noch ruhig zu stellen.

"Unsere USPs sind Schnelligkeit und Flexibilität: Wenn heute ein Kunde einen Spot in Auftrag gibt, hat er ihn morgen auf dem Radiosender – inklusive Produktion“, sagt Hans-Ueli Zürcher. Diesen Worten ist zweierlei zu entnehmen: der Stolz des Mitinhabers und Verwaltungsratspräsidenten. Und die beiden wichtigsten Tätigkeiten der 21-jährigen Basler Firma Cover Media: die Radiospot-Produktion in zwei eigenen Tonstudios und die Radiovermarktung. Später kam noch die Produktion von TV-Spots und Filmen für die Unternehmenskommunikation dazu. Zu den Kunden zählen sowohl nationale Auftraggeber wie die Coop-Gruppe, Valora oder der Verband Spedlogswiss als auch regionale Werbungtreibende wie Grand Casino Basel, Kantonsspital Baselland oder Baselland Transport AG.

Ausser in der Radiovermarktung ist Cover Media auch in der Produktion von Radio- und TV-Spots tätig – in zwei eigenen Tonstudios.
Ausser in der Radiovermarktung ist Cover Media auch in der Produktion von Radio- und TV-Spots tätig – in zwei eigenen Tonstudios. (© zvg)


Eine Rarität im Schweizer Markt

Cover Media zählt derzeit zehn Angestellte, die Inhaber Nicole Willinger, 47, und Hans-Ueli Zürcher, 72, eingerechnet. Seit letztem Jahr hat Zürcher sein Pensum aus Alters- und Gesundheitsgründen auf 50 Prozent reduziert. Und auch Willinger, zuständig für die Radiovermarktung, ist nicht mehr täglich im Betrieb. Mit Internet und IT-Technik sind heute Offerten und Radioplanungen schliesslich zeit- und ortsunabhängig möglich. Die beiden wollen sich nach und nach zurückziehen und Jüngeren den Vortritt lassen. Letztes Jahr, zum 20-Jahr-Jubiläum, übergaben sie deshalb die Geschäftsleitung an Zürchers Sohn Michel, 38, und an Stefan Sommerhalder, 32, der einst als Praktikant begann. Wobei Zürcher junior das ganze Unternehmen leitet, während Sommerhalder den Produktionsbereich besorgt. Dass im Folgenden dennoch ausschliesslich Hans-Ueli Zürcher zu Wort kommt, hat mit der Ferienzeit zu tun.
Die Mitarbeitenden der Cover Media. Rechts ist das "Trium-Vier-at", das Führungsteam der Firma, zu sehen.
Die Mitarbeitenden der Cover Media. Rechts ist das "Trium-Vier-at", das Führungsteam der Firma, zu sehen. (© zvg)


Der Radiovermarkter Cover Media ist eine Rarität im Schweizer Radiomarkt. Einst tummelten sich gut ein halbes Dutzend senderunabhängige Vermarkter in der Szene, von denen die Basler Firma als einzige übrig geblieben ist – neben der Goldbach Group natürlich, die mit ihrer Tochter Swiss Radio World die nationale Radiowerbung dominiert. Um das Grössenverhältnis zu erfassen, reicht ein Blick auf die Umsatzzahlen: Die Goldbach Group erzielte 2016 allein mit der Radiovermarktung einen Nettoerlös von 42,5 Millionen Franken, Cover Media kam dagegen auf brutto 8 Millionen Franken, davon generierte die Radiovermarktung nur die Hälfte, den Rest die Spotproduktion. Anders gesagt: Der Basler David kommt nicht mal auf ein Zehntel des Küsnachter Goliaths.

Michel Zürcher ist seit 2016 Geschäftsleiter der Cover Media.
Michel Zürcher ist seit 2016 Geschäftsleiter der Cover Media. (© zvg)
Weshalb aber erging es Cover Media nicht wie den andern Vermarktern, die entweder aufgaben oder nahezu bedeutungslos wurden? „Nur weil wir von Anfang an die Vermarktung mit der Spotproduktion koppelten“, sagt Zürcher. „Diese Synergie hat funktioniert: Wer bei uns produzieren lässt, nutzt oft auch unseren Vermarktungsservice – und umgekehrt.“

Stefan Sommerhalder begann einst bei Cover Media als Praktikant und ist seit einem Jahr Co-Geschäftleiter und zuständig für die Produktion.
Stefan Sommerhalder begann einst bei Cover Media als Praktikant und ist seit einem Jahr Co-Geschäftleiter und zuständig für die Produktion. (© zvg)
Wer Hans-Ueli Zürcher kennt, weiss, dass er nicht nur ein Dienstleister, sondern auch ein Kämpfer ist. Kämpfen mussten er und Willinger schon 1996, als sie Cover Media mit zwei Partnern gründeten. Schon bald verkrachten sich die vier aber, finanzielle Probleme waren die Folge. „Wir waren damals regelrecht in der Bredouille“, gesteht Zürcher. Willinger und er machten weiter, was aber nur möglich war, weil ihnen einige Radiosender die Rechnungen stundeten. Dafür sind sie ihnen noch heute dankbar. Nach vier Jahren hatte Cover Media alle ausstehenden Rechnungen bezahlt. „2003 ging es deshalb wieder so richtig los“, erinnert sich Zürcher. Manchmal mit 5 Millionen Franken Umsatz pro Jahr, in Spitzenjahren auch mal mit 13 Millionen.

Kritisch, unermüdlich, bisweilen polternd

Einen harten Kampf focht und ficht Cover Media auch mit der Goldbach Group. Zürcher wirft Goldbach seit Jahren unfaires Marktverhalten vor. Stein des Anstosses ist das fast unermessliche Inventar der rund zwei Dutzend ausländischen TV-Werbefenster im Goldbach-Portfolio: Das Küsnachter Unternehmen binde die Agenturen an sich, meint er, indem es ihnen Freespace auf den Werbefenstern anbiete – unter der Voraussetzung, dass sie ihre Radiobudgets über Goldbach buchen. „Dieses Vorgehen hat einem Vermarkter um den andern das Genick gebrochen“, sagt Zürcher. 2012 hat er deshalb Goldbach bei den Wettbewerbsbehörden eingeklagt. Es kam zu einer Voruntersuchung, die aber bald eingestellt wurde: Eine Beweisführung war nicht möglich.

Zürcher kämpft aber nicht nur für sein Unternehmen, sondern auch für die Branche. Man könnte ihn als Missionar in Sachen Radio bezeichnen. Als einer, der sich kritisch, unermüdlich, oft unverblümt und manchmal auch polternd für das Medium Radio einsetzt, das er „eigentlich für das beste Werbemittel“ hält.

Hans-Ueli Zürcher ist Mitinhaber und Verwaltungsratspräsident bei Cover Media.
Hans-Ueli Zürcher ist Mitinhaber und Verwaltungsratspräsident bei Cover Media. (© zvg)
Warum nur „eigentlich“? „Weil der Schweizer Radiomarkt kränkelt“, diagnostiziert der langjährige Radiomann, der vor der Zeit bei Cover Media zusammen mit Nicole Willinger als Verkaufsleiter bei einem Sender tätig war. Für „krank“ hält er nicht etwa die momentan rückläufigen Umsätze bei der Radiowerbung – 2016 sanken die Nettowerbeeinnahmen im Radiomarkt um 3,5 Prozent auf 147 Millionen Franken. Auch dieses Jahr sieht es nicht besser aus. Krank machend empfindet er auch nicht die zunehmende Konkurrenz durch Onlinewerbung, von der er übrigens wenig hält. Das sind allenfalls Symptome. Nach Meinung von Zürcher ist es die Branche selbst, die kränkelt, also die rund 50 Privatradios und die Mediaagenturen.

Was schiefläuft, zeigt er an einem Beispiel von Mitte August: Cover Media akquirierte für ein grösseres Radio einen Neukunden. Der Auftrag war bereits beim Sender – da annullierte die Mediaagentur ihn. Der Grund: Das Radio hatte der Agentur inzwischen einen tieferen Preis geboten, falls sie statt über Cover Media direkt beim Sender buchen würde. Was diese sofort tat. „Mir fehlen schlicht die Worte“, schrieb daraufhin Nicole Willinger an den Senderleiter. „Ich dachte, wir arbeiten auf einer partnerschaftlichen Ebene zusammen… Schade, dass das jetzt kaputtgemacht wird.“

Appelle ohne Macht

„Das ist leider kein Einzelfall“, sagt Zürcher. Weil die Einnahmen zurückgehen, würden einige Radios ihre Kundenberater provisionieren – mit der Folge, dass diese primär auf Umsatz aus sind. „Die akquirieren jetzt auch im nationalen Markt, statt primär ihre Region zu bearbeiten“, sagt er.

Mitinhaberin Nicole Williger ist bei Cover Media für die Radiovermarktung zuständig.
Mitinhaberin Nicole Williger ist bei Cover Media für die Radiovermarktung zuständig. (© zvg)
Immer wieder appelliert Zürcher deshalb in öffentlichen Aufsätzen an seine Branche. Kürzlich schlug er sieben Punkte vor, um den Markt wieder auf Vordermann zu bringen. Einer davon: „Schafft die Provisionsregelungen bei den Kundenberatern ab und konkurrenziert nicht nationale Kampagnen.“ Eine zweite Forderung: moderatere Werbepreise. „Radio ist in der Schweiz einfach zu teuer“, meint er. Weiter verlangt er von den Sendern einfachere Tarifstrukturen, ein Ende von Lockvogelangeboten sowie einen Werbepool, bei dem alle Sender modulartig dazugebucht werden können. Dieser Pool ist schon seit mindestens 20 Jahren in Diskussion – ohne Erfolg. „Jeder Sender kocht lieber sein eigenes Süppchen, so findet man keinen gemeinsamen Nenner“, weiss Zürcher.

Weitere 8 Millionen Umsatz
Vor zwei Jahren baute Cover Media seine Geschäftstätigkeit noch einmal kräftig aus: Die Firma übernahm das Anzeigenteam des Basler Wochenmagazins „TagesWoche“ – mit dem ehemaligen Publicitas-Mann Kurt Ackermann an der Spitze. Die neue Schwesterfirma erhielt den Namen Cover Adline und fokussierte zunächst auf Print- und Onlinevermarktung, mittlerweile ist sie aber auch für Aussenwerber wie APG und Clear Channel Schweiz tätig, ebenso für TeleBasel. Es kamen immer neue Kunden dazu. Mit der „TagesWoche“, der „Auto Illustrierten“ und einem SBB-Heft im Portfolio macht Cover Adline heute rund 8 Millionen Umsatz.

Anfang Jahr erfolgte dann ein Management Buyout: Ackermann erwarb 80 Prozent der Firma, 20 Prozent sind noch im Besitz von Nicole Willinger und Hans-Ueli Zürcher. Mittelfristig soll sich das aber ändern: Cover Adline soll in die Selbständigkeit entlassen werden.
Nützen solche Aufrufe eines erfahrenen Radiomannes etwas? „Nein“, sagt Zürcher, dafür sei Cover Media zu klein. Zürcher weiss, dass er sich in der Branche keine Freunde macht. Das aber kümmert ihn kaum. „Es geht uns gut, wir sind zufrieden. Auch wenn wir etwas im Gegenwind stehen“, lacht er. „Zudem kämpfe ich für das Medium Radio, das mir immer noch am Herzen liegt.“ knö

 

 

 

 

 



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