Cannes-Lions-Bilanz

Ein goldener und sechs bronzene Löwen für die Schweiz

iart Basel gewinnt mit Lichtfries für das Kunstmuseum Basel Gold bei den Cannes Lions
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iart Basel gewinnt mit Lichtfries für das Kunstmuseum Basel Gold bei den Cannes Lions
Mit einem goldenen und sechs bronzenen Löwen sowie 13 Shortlist-Platzierungen legen die Schweizer Agenturen und Kunden einen soliden Auftritt bei den diesjährigen Cannes Lions hin. 2016 hatten sie zwar keinen goldenen, aber 11 Löwen mit nach Hause gebracht. Der einzige goldene Löwen geht auf das Konto von iart in Basel, das die Juroren in der Kategorie Design mit der Arbeit „Lichtfries“ im Auftrag des Bau- und Verkehrsdepartements Basel überzeugen konnte.
Die Arbeit für den Neubau des Kunstmuseum Basel hat iart gemeinsam mit den Architekten Christ & Gantenbein entwickelt. Der Lichtfries soll die Backsteinfassade des Baukörpers subtil mit Schrift- und Formelementen bespielen. Er wurde zuvor bereits diverse Male mit Preisen belohnt: im April vom ADC Switzerland mit Gold, genau wie einen Monat später beim Golden Award of Montreux, dem iF Award und der One Show, um nur einige zu nennen. Insofern war es fast zu erwarten, dass sie auch in Cannes durchmarschiert.

Die sechs bronzenen Löwen verteilen sich auf die Agenturen Jung von Matt / Limmat mit zwei sowie Freundliche Grüsse und TBWA Zürich mit je einer Trophäe sowie auf den Werbeauftraggeber Shell Brands International in Baar mit zwei Löwen.

Die Kreativen von JvM/Limmat um ihren Chef und Schweizer Werber des Jahres Dennis Lück setzen sich in den Kategorien Mobile und Creative Data mit der Sound Book App für den Nord Süd Verlag durch.

Return to Sender: Mehrstufige Kampagne für Public Eye (ehemals Erklärung von Bern), um auf die Luftverschmutzung durch minderwertige Rohstoffe aufmerksam zu machen - ein Container voll schlechter Luft geht zurück in die Schweiz
Return to Sender: Mehrstufige Kampagne für Public Eye (ehemals Erklärung von Bern), um auf die Luftverschmutzung durch minderwertige Rohstoffe aufmerksam zu machen - ein Container voll schlechter Luft geht zurück in die Schweiz (© Freundliche Grüsse)
TBWA Zürich konnte mit der Plakatkampagne für die McDonald’s Mobile App in der Kategorie Outdoor punkten. Freundliche Grüsse holte sich seinen Löwen mit der Kampagne „Return to Sender“ für Public Eye in der Kategorie PR durch.
TBWA Zürich für McDonald's Mobile App
TBWA Zürich für McDonald's Mobile App (© TBWA Zürich)


Die zwei weiteren bronzenen Löwen in den Kategorien Innovation und Product Design gehen auf das Konto von Shell Brands International in Baar, das die Arbeit „Gravitylight: Turning Gravity into Light“ für die Schweiz eingereicht hat. Betreut wurde  das Project von J. Walter Thompson in London.
"Das Ergebnis ist ok, aber nicht grossartig", fasst Lück zusammen. Um die Schweizer Agenturen weiter nach vorne zu treiben, könnte er sich eine agenturübergreifende Initiative in Form eines Councils vorstellen, in dem die Top-Kreativen der Schweiz gemeinsam daran arbeiten, das kreative Produkt und Abschneiden beispielsweise in Cannes zu verbessern.

Die wichtigsten Trends

Die Schweizer Sieger-Arbeiten zeigen einen guten Querschnitt durchs Festival, das stark von Arbeiten geprägt war, die sich ein  gesellschaftliches Thema zu eigen machen . wie  „Gravitylight“. Dieser Wettbewerbsbeitrag ist zudem ein Beispiel für zahlreiche, teilweise sogar mit Grand Prix ausgezeichnete Arbeiten, für die Agenturen zu Produktdesignern geworden sind wie beispielsweise „Humanium Metal Initiative“ (GP Innovation) oder die „Payphone.Bank“ (Product Design). Gravitylight verwandelt Schwerkraft in Energie – ähnlich einer Uhr die durch Gewichte aufgezogen wird, um Kerosinlampen zu ersetzen.

Ein Trend, der  nicht allen Festivalbesuchern gefallen hat: Je erfolgreicher diese Social-Kampagnen sind, desto mehr Marken werden darauf anspringen. Für mich zeigt das, dass die Marken nicht mehr über ihre Markenwerte kommunizieren können, und sich stattdessen ein gesellschaftlich relevantes Thema zu eigen machen“, so die Meinung der Kritiker.  "Es fehlte ein bisschen der Spass aufgrund der vielen ernsten Themen", sagt zudem Cyber-Juror Timm Weber. Gerade bei Unternehmen wie Shell sprachen während des Festivals viele Besucher von Greenwashing.

Die bronzenen Löwen von JvM/Limmat und Freundliche Grüsse stehen wiederum für den allgegenwärtigen Digitalisierungstrend und die starke Präsenz von PR-Erfolgen als Argument für Löwengewinne. Nicht nur die Wettbewerbsbeiträge sondern auch die Präsenz von Dutzenden von Techfirmen und Digitaldienstleisters, die eine  komplette Parallelwelt rund um das eigentliche Kreativfestival aufgebaut haben, zeigen, wohin die kommunikative Reise geht. Auffällig war die starke Präsenz von PR-Erfolgen, die in Case-Filmen zu sehen war. Kaum ein Case-Film, der ohne die Aufzählung von xy-Millionen Klicks, Earned Media usw. ausgekommen ist.

Gender/Diversity

Ebenfalls überall zu hören und zu sehen waren die Themen Gender und Diversity: Ob bei Wettbewerbsbeiträgen und Löwen-Gewinnern - allen voran "Fearless Girl" von McCann New York für State Street Global Advisors, das nach mehreren Grand Prix am Ende auch mit dem Titanioum Grand Prix ausgezeichnet wurde -, im Festivalprogramm, das mehr als 25 Programmpunkte zu den Themengebieten aufwies und in den Juries, die nicht nur mittlerweile mit 43 Prozent weiblichen Juroren besetzt sind, sondern auch explizit angewiesen waren, auf die Beteiligung weiblicher CDs zu achten sowie die Diskussionen unter den Besuchern des Festivals - die Themen waren omnipräsent. Die Meinungen kontrovers.

2018 wieder mit Schweizer Juroren?

Alle Entscheidungen über goldene, silberne und bronzene Löwen sind diesmal ohne Schweizer Juroren gefallen, was am geänderten Procedere der Jurierung liegt. Die Cannes Lions hatten im Vorfeld des Festivals entschieden, die Zahl der Juroren, die die Wettbewerbsbeiträge vor Ort bewerten, deutlich zu reduzieren. Deshalb mussten die Juroren eine Umfangreiche Vorjurierung am heimischen Rechner durchführen und nur ein kleiner Teil von ihnen dufte an die Côte d’Azur reisen. Bis es zur Entscheidung über Gold, Silber und Bronze kam, wurde so jeweils ein Viertel der Arbeiten nur von wenigen Juroren gesehen – erst in der Finalrunde konnte die Jury vor Ort gemeinsam die Arbeiten begutachten und bewerten. Dieses Vorgehen führte dazu, dass kleinere Nationen wie die Schweiz nicht vor Ort involviert waren. Die Empörung unter Schweizer Kreativen war entsprechend gross.

Im kommenden Jahr könnte es wieder anders aussehen – das zumindest hoffen nicht nur die Schweizer Kreativen, sondern auch Festivalrepräsentant Weischer Media. Firmengründer Florian Weischer versprach an der Swiss Party, sich dafür einzusetzen und zeigte sich optimistisch, dass die Initiative, die Juries wieder besser zu mischen und auch kleineren Ländern und ihren Top-Kreativen ein Chance zu geben, auch von anderen Repräsentanten unterstützt wird.

Festivalverzicht!

International für Riesenaufregung sorgte gegen Ende der Cannes-Woche die Ankündigung von Publicis-Chef Arthur Sadoun, all seinen Agenturen die Teilnahme an Kreativwettbewerben zu untersagen. Es heisst, die Publicis-Gruppe können damit rund 20 Millionen Euro einsparen. Die sollen statt in Awards in die Entwicklung der neuen AI-Plattform Marcel gesteckt werden, benannt nach dem Firmengründer Marcel Bleustein-Blanchet. Von dem Verzicht wäre auch die Schweiz betroffen - immerhin stand auch die Schweizer Dependance von Publicis auch in diesem Jahr auf der Shortlist. Ein Löwenchamce, die im kommenden Jahr wegfallen wird.  ems

Schweizer Löwen 2017

AgenturArbeit/KundeLöwe
iart Basel / Christ & Gantenbeim, BaselLichtfries/Kunstmuseum BaselGold
Jung von Matt / Limmat, ZürichSound Book App/NordSüd VerlagBronze
Jung von Matt / Limmat, ZürichSound Book App/NordSüd VerlagBronze
TBWA\ZürichBig Mac/McDonald'sBronze
Freundliche Grüsse, ZürichReturn to Sender/Public EyeBronze
Einreichender Kunde
Shell Brands Internationaö, Baar / Gravitylight Foundation/JWT LondonGravityliightBronze
Shell Brands Internationaö, Baar / Gravitylight Foundation / JWT LondonGravityliightBronze
Quelle: Cannes Lions

 



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