Aussenwerbung

Basel schreibt fast 4.500 Plakatflächen aus – auf einen Schlag

Diese betonierte Basler Litfasssäule der Allgemeinen Plakatgesellschaft zeigt: Die Partnerschaft zwischen Basel und APG war jahrzehntelang in Stein gemeisselt und quasi monogam. Die Stadt wünscht nun aber eine offenere, sozusagen polygame Beziehung.
Markus Knöpfli, © knö.
Diese betonierte Basler Litfasssäule der Allgemeinen Plakatgesellschaft zeigt: Die Partnerschaft zwischen Basel und APG war jahrzehntelang in Stein gemeisselt und quasi monogam. Die Stadt wünscht nun aber eine offenere, sozusagen polygame Beziehung.
Mit heutigem Datum schreibt der Kanton Basel-Stadt 4.500 Plakatflächen im öffentlichen Raum aus, 2.000 in den Formaten F4, F12, F24 und F200 sowie fast 2.500 Kleinplakate der Grösse A2. Damit läuft derzeit am Rheinknie die bisher quantitativ grösste Ausschreibung der Schweiz im Bereich Aussenwerbung an.

Die 2.000 Norm-Plakatflächen teilen sich in 1.600 traditionell geklebte Flächen der Formate F4, F12, F24 und F200 und 350 hinterleuchtete Flächen des Formats F200L. Letztere dürfen in leicht animierte digitale Flächen umgebaut werden, bei 33 von ihnen ist dies sogar ausdrücklich erwünscht. Auch neun Lichtdrehsäulen (F400L) sind künftig zugelassen, dafür ist jedoch ein städtebauliches Konzept erforderlich.

Die Plakate werden in elf Losen ausgeschrieben: Die meisten Lose enthalten Flächen verschiedener Formate, die über das ganze Kantonsgebiet verteilt sind, in den beiden Landgemeinden Riehen und Bettingen allerdings nur entlang der Kantonsstrassen. Bis zum 31. Oktober 2016 können Aussenwerbefirmen Offerten für ein oder mehrere Lose einreichen – für eine Laufzeit von zehn Jahren (2018 bis 2027).

Möglichst viel Wettbewerb, auch zugunsten der Werbekunden

Laut Niklaus Hofmann, Leiter Allmendverwaltung im Basler Bau- und Verkehrsdepartement, hat die Ausschreibung drei Gründe. Zum einen laufen die bisherigen Konzessionsverträge, die teils auf 14 Jahre angelegt waren, Ende 2017 aus und müssen erneuert werden. Die Norm-Plakatstellen im öffentlichen Raum bewirtschaftet derzeit die Aussenwerbefirma APG, die Kleinplakate teilen sich die Firmen Kulturbox GmbH und Kulturservice S.E.A. GmbH. Weiter führt Hofmann das kantonale Gesetz über die Nutzung des öffentlichen Raums (NöRG) an, dass in einem solchen Fall eine Ausschreibung verlangt. Und drittens beruft er sich auf den Eidgenössischen Preisüberwacher, der 2012 gefordert hatte, dass die Gemeinden mittels Plakatausschreibungen den Wettbewerb unter den Aussenwerbern beleben sollen.

Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass Basel-Stadt seine Plakate ausschreibt (siehe Kasten). Doch erstmals hält der Kanton in der Ausschreibung ausdrücklich fest, dass er wenn immer möglich seine Plakatflächen nicht an einen einzigen Anbieter verpachten will. "So wollen wir erreichen, dass der Wettbewerb nicht nur bei der Offerteingabe spielt, sondern auch später gegenüber den Werbekunden", sagt Hofmann. Aus diesem Grund erfolgt die Submission erstmals auch in Losen, nach dem Vorbild von Zürich und Luzern. Zudem ist es das erste Mal, dass Basel alle Plakate im öffentlichen Raum inklusive Kleinplakate vergibt. Bisher gab es dafür drei bis vier unterschiedlich terminierte Ausschreibungen. "Wir hätten gerne auch noch die Plakate in Gartenbädern, Sporteinrichtungen oder Parkhäusern einbezogen, doch das wurde juristisch zu kompliziert", sagt Hofmann. Diese Flächen würden deshalb zu einem späteren Zeitpunkt ausgeschrieben. Eine weitere wichtige Änderung: Die Kleinplakate waren bisher den Kulturveranstaltungen vorbehalten, neu darf dort auch in einem gewissen Rahmen politische Werbung stattfinden.

Es geht um Millionen

Als Abgabe fordert der Kanton in der Regel einen Fixbetrag pro Los, der unbesehen vom Vermarktungserfolg jährlich entrichtet werden muss, sowie ein prozentualer Anteil am Werbeumsatz auf den entsprechenden Plakatflächen. Wie viel der Kanton bisher eingenommen hat, will Hofmann nicht sagen. "Aber wir erwarten durch die Ausschreibung deutlich höhere Einnahmen als in den vergangenen 14 Jahren", meint er.
Herr über 4.500 Plakatflächen: Niklaus Hofmann, Leiter der Basler Allmendverwaltung.
© zvg.
Herr über 4.500 Plakatflächen: Niklaus Hofmann, Leiter der Basler Allmendverwaltung.
Klar ist jedoch: Es geht um mehrere Millionen. Das zeigt ein Blick nach Luzern und Zürich: Die Stadt Luzern, die letztes Jahr 300 Plakate auf öffentlichem Grund ausgeschrieben hatte, konnte ihre Abgabe um fast 75 Prozent auf jährlich maximal 2 Millionen Franken erhöhen. Ähnlich in Zürich: Dort hatten 2015 die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) 1.200 Leuchtplakatflächen an Haltestellen ausgeschrieben und damit neu eine jährliche Abgabe von 11 Millionen Franken erzielt, 100 Prozent mehr als zuvor. In beiden Fällen hatte Clear Channel Schweiz (CCS) die bisherige Konzessionärin APG deutlich überboten.

Seit Kurzem tauschen sich die Städte aus

Hofmann kennt die Beispiele, vor allem jenes von Luzern. Denn seit einigen Jahren tauschen sich mehrere Städte regelmässig zum Thema Plakatsubmissionen aus. Vor 14 Tagen fand denn auch ein solcher runder Tisch just in Luzern statt. Doch der Leiter der Basler Allmendverwaltung will keine überhöhten Erwartungen schüren. Im Gegenteil: "Was nützen überzahlte Offerten, wenn sie dann aus wirtschaftlichen Gründen möglicherweise nicht entrichtet werden können?", fragt er.

Dass die Basler Ausschreibung schon 16 Monate vor Ablauf der aktuellen Konzession erfolgt, zeigt aber, dass Hofmann mit Umsicht an die Sache herangeht. "Die letzte Submission liegt 14 Jahre zurück. Unser heutiges Team macht eine solche deshalb zum ersten Mal." Er wolle genug Zeit haben für eine sorgfältige Auswertung haben. Zudem weiss er: Rechtshändel sind in diesem Metier nicht ausgeschlossen.
Automatische Toiletten gegen 254 Leuchtplakate
Der sechsjährige Rechtsstreit in Basel hatte einen skurrilen Hintergrund: Der 1997 abgewählte CVP-Regierungsrat Christoph Stutz hatte ohne Submission und unter Umgehung des Grossen Rates mit der APG einen „WC-Deal“ eingefädelt: Als Gegenleistung für 254 Leuchtplakate verpflichtete er sie zur Beschaffung und zum Betrieb von vollautomatischen Toilettenhäuschen. Das zog sich aber hin, weil der Basler Heimatschutz gegen jedes der 254 Leuchtplakate Einsprache erhob. Zudem wurde nach mehreren Grossrats-Debatten die WC-Beschaffung und die Plakatkonzession wieder entkoppelt. Schliesslich zog ein Rekurs des APG-Konkurrenten Clear Channel Plakanda das Vergabeverfahren noch einmal in die Länge. Für den Kanton hatte dieses Hin und Her Mindereinnahmen zur Folge, die Rede war von rund 3 Millionen Franken pro Jahr.
Tatsächlich kann die Stadt Basel davon ein Liedlein singen. So zog sich die letzte Plakatausschreibung in Basel wegen verschiedener Rechtshändel über sechs Jahre hin – von 1998 bis 2004. Und aktuell – das weiss man in der Branche – wartet die Stadt Lausanne seit eineinhalb Jahren auf ein Urteil des Bundesgerichts: CCS war mit dem Vergabeentscheid an die APG nicht einverstanden und hat dagegen rekurriert. Hofmann hofft deshalb, dass die 16 Monate reichen. "Wir haben uns bemüht, die Konzession so zu gestalten, dass für möglichst viele Wettbewerbsteilnehmer attraktive Angebote bestehen und so das Interesse an Rechtshändeln klein bleibt", sagt er.
Ist als Medien-Berater auch im Bereich Aussenwerbung ein gefragter Mann: Andy Lehmann.
© zvg.
Ist als Medien-Berater auch im Bereich Aussenwerbung ein gefragter Mann: Andy Lehmann.
Zudem hat sich Hofmann auch externe Hilfe geholt: beim Medienexperten Andy Lehmann. Der frühere Verantwortliche für verschiedene Media-Agenturen und Verlage ist seit 2010 als unabhängiger Medien-Berater tätig und hat letztes Jahr auch die VBZ bei deren Ausschreibung unterstützt. "Herr Lehmann hat mich überzeugt, weil er in seiner beruflichen Tätigkeit beide Perspektiven kennen gelernt hat ­– jene der Medienanbieter und jene der Medienkunden", sagt Hofmann. Da in Basel die Plakatierung bekanntlich nicht unumstritten sei und die Verwaltung den Aussenwerbemarkt nicht so gut kenne, sei es ihm wichtig gewesen, die Konzeptarbeit seines Teams von Lehmann begutachten zu lassen. "Das hat sich bis jetzt bewährt", sagt Hofmann.




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