Auflagen

"20 Minuten", "Basellandschaftliche Zeitung" und "Freiburger Nachrichten" legen zu

Ob im Abo oder am Kiosk – die verkaufte Auflage der Tageszeitungen sinkt.
Markus Knöpfli, © knö.
Ob im Abo oder am Kiosk – die verkaufte Auflage der Tageszeitungen sinkt.
Die von der Wemf publizierten Auflagenzahlen 2017 weisen – wenig überraschend – weitere Auflagenverluste für die 27 grössten Deutschschweizer Tages- und Sonntagszeitungen aus. Das Minus sowohl bei der verbreiteten als auch bei der verkauften Auflage bleibt zwar gegenüber Vorjahr meist im einstelligen Prozentbereich, seit 2013 machen die Einbussen aber teilweise bereits 25 Pozent aus.
Früher als in anderen Jahren hat die Wemf am Freitag, 1. September, die neubeglaubigten Auflagen von Zeitungen und Zeitschriften bekannt gegeben. Stichtag für das Auflagenbulletin 2017 war der 30. Juni 2017, die Zahlen geben aber den Auflagendurchschnitt über 12 Monate wider (1. Juli 2016 bis 30. Juni 2017).

Grosse Bezahlzeitungen erodieren am meisten

In der hier vorliegenden Auswertung fokussiert HORIZONT Swiss auf die 27 grössten Deutschschweizer Zeitungen. Und dabei lediglich auf die verbreitete und auf die verkaufte Auflage.
© Wemf / HORIZONT Swiss
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Bei der verbreiteten Auflage ist es die gesamte „Blick“-Gruppe, die den happigsten Auflagenrückgang hinnehmen muss: So weist der „SonntagsBlick“ den prozentual höchsten Verlust auf, setzt er doch derzeit 7.6 Prozent oder gut 13.000 Exemplare weniger ab als noch vor einem Jahr. Auch die gedruckte Version des „Blick am Abend“ hat sich um 6.4 Prozent oder gut 17.000 Exemplare reduziert. Und das Flaggschiff „Blick“ folgt mit -5,3 Prozent (-7500 Exemplare) nicht weit dahinter.


Schwacher Trost: Auch Tamedias Haupttitel sind einem starken Gegenwind ausgesetzt. An dritter Stelle der Grossverlierer rangiert (noch vor dem Blick) die „SonntagsZeitung“, die 5.8 Prozent oder knapp 10.000 Zeitungsexemplaren weniger ausliefern kann. Die „Berner Zeitung“ ist heute um 5.6 Prozent oder 5.500 Exemplare kleiner. Und der „Tages-Anzeiger“ gab um 5.5 Prozent nach (minus fast 9000 Exemplare). Danach folgen „Der Landbote“ (-4 Prozent) sowie die „Basler Zeitung“ und die „ZürichseeZeitung“ (je -3.9 Prozent).

Spezialfälle bz und "Nordwestschweiz"

Es gibt allerdings auch positive Entwicklungen zu vermelden: So steigerte „20 Minuten“ seine Auflage wieder um rund 8000 tägliche Exemplare oder 1.8 Prozent. Die „Basellandschaftliche Zeitung“ legte immerhin um 0.4 Prozent zu (+106 Exemplare) und die „Freiburger Nachrichten“ um 0.1 Prozent (+ 13 Exemplare) zu.

Zwei Dinge gilt es aber zur „Basellandschaftliche Zeitung“ zu sagen: Diese erscheint in zwei Splitausgaben mit den Namen „bz Basel“ (im Kanton Basel-Stadt) und als „bz Basellandschaftliche Zeitung“ für den Landkanton. Die Entwicklung ist hier keineswegs identisch. Die „bz Basel“ legte bei der verbreiteten Auflage um 4.1 Prozent zu, während der ländliche Split um 3,1 Prozent verlor. Insgesamt resultiert dennoch ein kleines Plus.

Der zweite Punkt: Die bz ist Teil der „Nordwestschweiz“ (AZ Medien), die jeweils nur noch von Montag bis Freitag erscheint. Im März dieses Jahres wurde die Samstagsausgabe durch die „Schweiz am Wochenende“ (SaW) abgelöst, die wiederum die frühere „Schweiz am Sonntag“ ersetzte. Obwohl also die bz und ihre „Nordwestschweiz“-Schwestertitel einen Tag pro Woche weniger erscheinen, sind ihre neuen Auflagen gemäss Roland Achermann, bei der Wemf zuständig für die Auflagenbeglaubigung, dennoch mit den früheren vergleichbar – und auch mit jenen anderer (Konkurrenz-)Titel. Dasselbe gilt natürlich auch für die Zeitungen des „Südostschweiz“-Verbundes, deren Samstagausgaben ebenfalls durch die SaW ersetzt wurden.
Zu den Auflagen des neuen Blocher'schen Zeitungsimperiums
Wer im Auflagenbulletin der Wemf die 25 Gratis-Wochenzeitungen sucht, die die BaZ Holding vor Kurzem von der Verlegerfamilie Zehnder übernommen hat, sucht vergebens. Kein einziger Titel lässt seine Auflage von der Wemf beglaubigen. Stattdessen setzte Zehnder bisher auf die Post, die die Zeitungen auch wöchentlich verteilt. Die Zahlen der Post seien dadurch immer aktuell und nicht wie die Wemf-Zahlen vergangenheitsorientiert, erklärte Verleger Andreas Zehnder einst der "Werbewoche": "Wieso soll ich eine Wemf-Beglaubigung vornehmen lassen, wenn jene von der Post meiner Ansicht nach viel besser ist. Die Post macht eigentlich nichts anderes, als mir zu bescheinigen, wie viele Exemplare ich bei ihr aufgegeben habe. Unter dem Strich also schneller, besser und erst noch günstiger."
Apropos SaW: Ihre Auflage wurde nur provisorisch beglaubigt, weil sie noch kein Jahr auf dem Markt ist. Und sie weist stolze 214.485 aus – in der Nordwest- und in der Südostschweiz. Dabei ist interessant, dass diese Samstagsauflage um fast 14.000 Exemplare tiefer ist als die Auflage von „Nordwestschweiz“ und „Südostschweiz zusammen. Was wohl heisst, dass ein Teil der Abonnenten der beiden Tageszeitungen den neuen Wochenend-Titel von Anfang an ablehnten. Immerhin ist die SaW-Auflage aber etwas höher als jene der „Schweiz am Sonntag“ selig (zuletzt 182.000 Exemplare).

bz mit anständigen Auflagengewinnen

Betrachtet man die Entwicklung der verbreiteten Auflage über die letzten fünf Jahre (seit 2013) sieht die Situation der grösseren Zeitungen allerdings düsterer aus. Die Hälfte weist Auflagenverluste im zweistelligen Prozentbereich aus, angeführt von der „Ostschweiz am Sonntag“ (-38.2 Prozent oder 30.000 Exemplare), „Blick“ (-24.1 Prozent oder 44.000 Exemplare) und „Basler Zeitung“ (-21.6 Prozent oder 13.000 Exemplare). Der einzige Titel, der ein Plus auszuweisen hat, ist wieder die „Basellandschaftliche Zeitung“. Sie wuchs um 5,4 Prozent oder 1.300 Exemplare, wobei der Zuwachs in der Stadt mit +19.2 Prozent sogar zweistellig ausfiel und den Verlust auf dem Land (-5.8 Prozent) deutlich überkompensieren konnte.

Fazit: Die Hoffnung von Verleger Peter Wanner, dass bei der BaZ die Abonnenten nicht nur abspringen, sondern scharenweise die bz als Alternative wählen, erfüllte sich nur in geringem Mass.
© Wemf / HORIZONT Swiss
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Das wird noch deutlicher, wenn man sich die verkaufte Auflage (Print und Replica) anschaut. Denn auf dieser Ebene und über fünf Jahre betrachtet schneidet nicht einmal mehr die bz positiv ab, sondern weist ein Minus von -2.6 Prozent aus. Wobei auch hier der Stadtsplit seit 2013 mit 7.7 Prozent eine ansehnliche Steigerung hinlegte, den Rückgang auf dem Land (-10.4 Prozent) aber nicht zu kompensieren vermochte. Anders gesagt: Wanner verbreitet heute zwar mehr bz-Exemplare als vor fünf Jahren, aber mehr zahlende Interessenten hat er dennoch nicht.

Immerhin ist die bz aber von den untersuchten Titeln der Stabilste, gefolgt von den „Freiburger Nachrichten“ (-3.2 Prozent) und der NZZ (-8.6 Prozent). Alle andern Titel weisen seit 2013 zweistellige Prozent-Verluste aus, wobei wiederum „Ostschweiz am Sonntag“(-40.9 Prozent), „Blick“ (-25.5 Prozent) und BaZ (-24.5 Prozent) an der Spitze liegen. knö
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