Auflagen-Analyse

Rote Zahlen dominieren bei allen Zeitungen

Ob im Abo oder am Kiosk – die verkaufte Auflage der Tageszeitungen sinkt.
Markus Knöpfli, © knö.
Ob im Abo oder am Kiosk – die verkaufte Auflage der Tageszeitungen sinkt.
Von allen Deutschschweizer Zeitungen hat die "Ostschweiz am Sonntag" am meisten verloren: Ihre verkaufte Auflage ist heute um 39 Prozent kleiner als 2013. Dann folgen der "Blick" und die "Basler Zeitung" (je minus 20 Prozent).
Die Auflagen sind die härteste Printwährung, deshalb lohnt sich ein Blick auf die Entwicklung dieser Wemf-Zahlen – sowohl im Vergleich zu 2015 als auch weiter zurück auf 2013, als die Auflage-Beglaubigung neu aufgegleist worden war. Wichtig: Die Auflagen sind in den meisten Fällen ohne Einschränkung bis 2013 vergleichbar. Dies gilt auch für "Basler Zeitung" und "Basellandschaftlichen Zeitung", im Gegensatz zu deren Leserzahlen, die nicht so weit zurück vergleichbar sind – wir haben darüber berichtet.

Das "St. Galler Tagblatt" legt als einziger Titel leicht zu

Betrachtet man zunächst die verbreitete Auflage (Auflage inkl. Replica und Gratisexemplare), dann weist der "Blick" mit einem Minus von 9 Prozent gegenüber Vorjahr den höchsten Rückgang aus, gefolgt von der "SonntagsZeitung" mit minus 7,4 Prozent, dem "Bund" mit minus 5,8 Prozent und der "Schweiz am Sonntag", Ausgabe Südostschweiz, mit minus 5,7 Prozent. Die BaZ erscheint hier erst im Mittelfeld mit minus 4 Prozent. Die Auflage der "Basellandschaftlichen Zeitung" (bz) blieb im Gegensatz dazu aber verglichen mit dem Vorjahr fast stabil (sie weist nur 7 Exemplare weniger als 2015 aus). Zu erwähnen ist ferner, dass das "St. Galler Tagblatt" seine verbreitete Auflage gegenüber Vorjahr um 0,1 Prozent steigern konnte – als einziger Titel.

Anders sieht es im mehrjährigen Vergleich aus. Hier ist es die "Ostschweiz am Sonntag", die mit minus 36,1 Prozent den mit Abstand grössten Verlust ausweist. Auf Platz zwei ist der "Blick" mit 19.9 Prozent Verlust, dann folgt die BaZ mit einem Minus von 18.4 Prozent (10.901 Exemplare weniger). Die bz hingegen weist im mehrjährigen Vergleich ein Plus von 4,9 Prozent oder 1211 Exemplaren auf. Kurz: Die Entwicklung der Auflagenzahlen bestätigen die Angaben von HORIZONT Swiss zu den Leserzahlen von BaZ und bz, oder besser: Die Leserzahlen sind ein Spiegel der Auflagenzahlen.

Bei der verkauften Auflage verlieren alle

HORIZONT Swiss wertet auch die Zahlen zur verkauften Auflage  aus, und zwar wurden hier sowohl die verkauften Print-Exemplare als auch die verkauften Replica zusammengerechnet. Das ergibt das korrektere Bild, als wenn man bloss die verkauften Printexemplare anschaut.

Beschränkt man sich bei der verkauften Auflage zunächst auf den Vorjahresvergleich, dann schneidet diesmal die "Schweiz am Sonntag, Ausgabe Südostschweiz" mit -7,7 Prozent am schlechtesten ab, dicht gefolgt von der "SonntagsZeitung" (-7.6 Prozent), dem "Blick" (-6 Prozent), der "Ostschweiz am Sonntag" (-5.3 Prozent),"Schweiz am Sonntag GES" (-4.9 Prozent) und der BaZ (-4.6 Prozent).

Anders als bei der verbreiteten Auflage vermag bei der verkauften Auflage keine Zeitung stabil zu bleiben oder zu wachsen: Auch das "St. Galler Tagblatt" verliert, wenn auch nur 0,6 Prozent, und die bz verzeichnet hier ein Minus von 0,8 Prozent.

Besonders trist sind die Zahlen aber im Rückblick auf 2013. Demnach ist der "Ostschweiz am Sonntag" fast zwei Fünftel der Auflage weggebrochen (-39 Prozent), der "Blick" verliert 20 Prozent, und auf Platz 3 der Verlierer befindet sich bereits die BaZ mit minus 19,8 Prozent (11.410 Exemplare weniger als 2013). Die Konkurrentin bz verzeichnet dagegen bloss ein Minus von 2,1 Prozent (488 Exemplare weniger). Für bz-Verleger Peter Wanner muss dies allerdings dennoch eine Enttäuschung sein, hatte er sich doch zum Ziel gesetzt, die Abonnenten, die bei der BaZ abspringen, möglichst zur bz zu holen. Das gelingt ihm aber – wenn überhaupt – nur in sehr geringem Mass. knö
 


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