"Arena" zu "No Billag"

Es geht in Wirklichkeit ums Geld

Auch ihm gings ums Geld: Publikumsteilnehmer Koni Rüegg "aus dem Volk" Ist gegen die "Doppelbesteuerung" von Gewerbe und Industrie durch die Radio- und TV-Gebühren.
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Auch ihm gings ums Geld: Publikumsteilnehmer Koni Rüegg "aus dem Volk" Ist gegen die "Doppelbesteuerung" von Gewerbe und Industrie durch die Radio- und TV-Gebühren.
Dass es zur "No Billag"-Initiative kam, hätten SRG wesentlich selbst verschuldet, durch ihre Expansion, ihre Arroganz und durch die Provokation mit Admeira. Das sagen Verleger, Konkurrenten und einige Politiker. Doch die letzte Arena zeigte: Solche Argeumente hört man aus dem Volk nicht. Dort stört man sich allenfalls an der zu hoch empfundenen Gebühr.

Glaubt man den diversen Umfragen, wird es bei der "No Billag"-Abstimmung knapp. Der Grund dafür orten manche Politiker, Verleger, SRG-Konkurrenten und auch Medienjournalisten zu einem wesentlichen Teil bei der SRG, ihrer "Arroganz", ihrer Grösse und dem Projekt Admeira. Ein Prominenter, der am vergangenen Wochenende gleich mehrmals in diese Kerbe schlug, ist Roger Schawinski: Diese These ist offenbar Teil seines Buches "No Billag?", aber er äussert sich entsprechend auch in Interviews. So sagte er etwa gegenüber der "Schweiz am Wochenende": "Die SRG konnte ein journalistisches Privat-TV für die ganze Deutschschweiz verhindern. Leider! Denn genau das ist mitschuldig daran, dass die No-Billag-Initiative überhaupt entstanden ist." Entsprechend kritisierte Schawinski auch die Expansion der SRG: "Die Politiker, die privaten Medien und viele Gebührenzahler wollen sehen, dass die SRG zurückbuchstabiert." Und natürlich fehlte auch ein Seitenhieb gegen die Werballianz Admeira nicht. Damit war alles enthalten, was in letzter Zeit von Initianten, Politikern, Verlegern und SRG-Konurrenten als Hauptargumente für "No Billag" ins Feld geführt wurde. Obwohl Schawinski selbst nach eigenem Bekunden gegen die Initiative ist.


Doch stimmt das wirklich - wird die SRG "im Volk" wirklich als arrogant und als expansiver Gigant wahrgenommen – oder ist das bloss die Wahrnehmung und Propaganda der Verleger und Konkurrenten, die dank ihrem medialen Trommelfeuer in der Lage sind, immer wieder jene Aspekte zu thematisieren, die sie für die Hauptprobleme halten?

Mit dieser Fragestellung im Hinterkopf war die letzte SRF-"Arena" mit dem Titel "Jetzt redet das Volk" aufschlussreich: Ausser von Andreas Kleeb vom Kernteam "No Billag", der der SRG teils mit halbwahren Zahlen Gigantismus unterstellte, war in der ganzen Sendung nur ein Vorwurf gegen die SRG zu hören: Diskussionsteilnehmer Koni Rüegg empfand die SRG als zu links. Doch dass sie zu gross oder zu arrogant sei, war von den "No Billag-Befürwortern im Publikum nicht zu hören. Und Admeira wurde überhaupt nie erwähnt. Anders gesagt: Auch wenn das Arena-Publikum zwar ausgewogen, aber keineswegs repräsentativ zusammen gesetzt war – die Probleme, die Schawinski und andere mit der SRG haben, sind kaum die Probleme des "Volkes".

Was die Leute für die Initiative stimmen lässt, ist zum einen der Gebührenbetrag, der als zu hoch empfunden wird – das klang in der Sendung mehrmals an. Andrerseits wird nach wie vor nicht goutiert, dass neu jeder Haushalt diese Gebühr bezahlen muss, selbst wenn er das SRG-Angebot kaum oder gar nicht nutzt. Am deutlichsten machte dies Diskussionsteilnehmer Alain Kilby, der stellvertretend für viele ganz konkret die Gebührenhöhe kritisierte. Die Tatsache, dass im Parlament kein Gegenvorschlag zur Reduktion der Gebühren auf 200 Franken durchkam, habe ihn dazu gebracht, nun für "No Billag" zu votieren, sagte er. 200 Franken pro Jahr hätte er noch angemessen gefunden. Ein weiterer Punkt: der bereits erwähnte Koni Rüegg kritisierte als Geschäftsführer, dass Gewerbe und Industrie ab einer bestimmten Umsatzgrösse quasi "doppelt besteuert" werden, obwohl die Mitarbeitenden ja alle zu Hause schon Gebühren bezahöen müssen. knö



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