Admeira – Audienzz

(Noch) kein Austritt der NZZ beim Verleger-Verband wegen Kooperation mit Werbeallianz

Die neue Kooperation treibt wohl einen neuen Keil zwischen die Mitglieder des Verbands Schweizer Medien.
Die neue Kooperation treibt wohl einen neuen Keil zwischen die Mitglieder des Verbands Schweizer Medien.
Kein Zweifel: Dass die NZZ-Mediengruppe ihre Digital-Vermarktungstochter für eine Admeira-Beteiligung öffnet, treibt einen weiteren Keil zwischen die Verleger. Derzeit machen aber beide Seiten auf Schadensbegrenzung.
"Selbstverständlich bleibt die NZZ-Mediengruppe Mitglied im Verband Schweizer Medien (VSM)." Mit diesen Worten beantwortete NZZ-Sprecherin Myriam Käser eine entsprechende Frage von HORIZONT Swiss. Die 15-Prozent-Beteiligung an Audienzz und umgekehrt der Sitz der NZZ-Mediengruppe im Verwaltungsrat von Admeira seien kein medienpolitisches Statement. "An der medienpolitischen Einstellung der NZZ-Mediengruppe ändert sich nichts." Die NZZ habe ein Interesse an einer starken Medienbranche in der Schweiz und sei immer bestrebt gewesen, Brücken zu bauen anstatt Gräben zu vertiefen. "Das ist weiterhin unsere Haltung." Die NZZ-Mediengrupe führe keine Strategie gegen jemanden, "sondern wir suchen nach Lösungen, die uns am Markt stärker machen." Weiter betont die Sprecherin, dass man die eigenen Medien selber vermarkten wolle und nicht vor habe, Admeira beizutreten. "Im Übrigen haben wir auch keinerlei privilegierten Zugriff auf Daten von Admeira (oder umgekehrt Admeira auf Daten von Audienzz)."

Doch HORIZONT Swiss wollte es genauer wissen: Trägt die NZZ-Mediengurppe also alle Positionen des VSM uneingeschränkt mit? also: Die SRG soll bei Admeira austreten. Dort sollen zudem die Daten von Swisscom in eine von der Vermarktung getrennte Firma ausgelagert werden und allen Medienhäusern zugänglich gemacht werden. Die SRG soll ferner keine zielgerichtete TV-Werbung machen können, maximal 1 Milliarde Gebührengelder erhalten und längerfristig ganz ohne Werbung und Sponsoring auskommen.

"Medienpolitische Fragen sind zu klären"

Die Antwort von äser fällt wortreich, aber nicht eindeutig aus: "Wir sind nach wie vor Meinung, dass die geäusserten medienpolitischen Fragestellungen zur Beteiligung der SRG ihre Berechtigung haben und im Rahmen der generellen Service Public-Debatte durch die Politik zu klären sind." Wie, lässt Käser offen. Weiter schreibt sie: "In Bezug auf die Verbands-Klage haben wir uns als NZZ-Mediengruppe immer zurückhaltend geäussert und darauf hingewiesen, dass es in Bezug auf die SRG medienpolitische Fragen gibt, die zu klären sind." Die NZZ-Mediengrupe spreche in erster Linie für sich. Auch schränke die neue Kooperation mit Admeira die eigene medienpolitische Sichtweise auf die SRG "in keiner Weise ein". Die SRG verfüge durch ihre öffentliche Finanzierung über einen Marktvorteil gegenüber den Privaten. Um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden und den Medienplatz Schweiz längerfristig zu stärken, brauche es deshalb "einen zurückhaltenden Service Public". Im Wesentlichen soll sich die SRG auf audiovisuelle Angebote beschränken. Eine sinnvolle Einschränkung erfolgt am besten wie bisher über die Limitierung von Gebühren und Werbeeinnahmen, "aber nicht über deren Abschaffung wie sie die No-Billag-Initiative fordert". So lasse sich die Haltung der NZZ-Mediengruppe zusammenfassen. und diese habe man auch im Verband und gegenüber der Politik stets dargelegt. "Dieser Schritt ist kein Statement gegen eine Branchenlösung oder irgendeine politische Initiative. Wir stehen für Dialog, Wissensaustausch und eine zukunftsgerichtete Lösungen für den Werbemarkt." Womit sich die Position der NZZ-Mediengruppe aber doch ziemlich deutlich von der Haltung des VSM unterscheidet.

In diesem Zusammenhang interessiert natürlich auch, was der VSM dazu sagt. Wie kommentiert man dort die neue Kooperation? Und droht der NZZ nun der Rauswurf - wie seinerzeit Ringier? Dazu VSM-Geschäftsführer Andreas Häuptli: "Achtung: Ringier wurde nicht rausgeworfen, sie mochten die Haltung des VSM nicht mittragen und haben den Austritt beschlossen." Was wohl nichts anderes heisst, als dass die NZZ mit ihrer oben dargelegten moderateren Haltung früher oder später in eine ähnliche Situation kommen dürfte. Noch spielt Häuptli die neue Kooperation zwischen NZZ und Admeira hinunter: Sie sei "ein unternehmerischer Entscheid der NZZ-Mediengruppe": Die NZZ vermarkte sich ja weiter selber und werde auch nicht Teilhaberin von Admeira. Es sei umgekehrt: Admeira kaufe sich bei der NZZ-Tochterfirma Audienzz ein. Laut Häuptli besteht jedenfalls "weiterhin Einigkeit im Verband, inklusive der NZZ, gegenüber des - wegen der Beteiligung der SRG - problematischen Konstrukts Admeira." Der VSM fordere deshalb weiterhin eine Branchenlösung im Datenmanagement und für Kooperationen. Diese müssten offen sein für alle und die Medienvielfalt fördern. Bisher seien dazu Gespräche verweigert worden. knö
 
 



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