APG

Zufrieden und doch verärgert

Markus Ehrle: "Ich gehe davon aus, dass DOOH in drei Jahren einen Anteil von 15 bis 20 Prozent an der gesamten Aussenwerbung erreichen wird."
Markus Knöpfli, © knö.
Markus Ehrle: "Ich gehe davon aus, dass DOOH in drei Jahren einen Anteil von 15 bis 20 Prozent an der gesamten Aussenwerbung erreichen wird."
Mit dem Geschäftszahlen des vergangenen Jahres ist APG-CEO Markus Ehrle zwar zufrieden – doch es gibt dennoch etwas, was ihn ärgert: Der Verlust von Plakatkonzessionen in Zürich, Genf, Luzern und Winterthur.

"Ich bin sehr zufrieden mit dem Jahr 2017, wir haben auf hohem Niveau ein gutes Resultat abgeliefert”, sagte APG-CEO Markus Ehrle heute an der Bilanz-Medienkonferenz des Aussenwerbers. Der Rückgang im Schweizer Geschäft von -5.1 Prozent führte er auf die Konzessionsverluste bei den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ) und den Stadtverträgen Luzern und Genf zurück, was “uns natürlich ärgert”. Diese Verträge gingen zwar schon 2016 verloren, wirkten sich aber erst im 2017 voll aus. Mit 288.1 Millionen Franken fiel damit der Verkaufserlös Schweiz um 15,3 Millionen tiefer aus als im Vorjahr. “Unsere Konkurrenten bezahlen aber für die drei Konzessionen allein 18 Millionen Franken jährlich an Mindestgarantien, das relativiert unseren Umsatzrückgang”, sagte Ehrle.

In diesem Zusammenhang wies auch CFO Beat Hermann noch auf eine andere interessante Zahl hin: Der Betriebsertrag der APG reduzierte sich von 2016 auf 2017 um -3.9 Prozent, der Aufwand für Konzessionen und Kommissionen aber um 5.2 Prozent. Dass Letzteres stärker zurück ging, habe mit dem Wegfall der erwähnten drei Konzessionen zu tun. “Das zeigt, dass es teure Verträge waren”, sagte Ehrle.

Zurück zum letzten Jahr: Auch hier hat die APG einen Stadtvertrag verloren, den sie umsatzmässig nicht vollständig wird kompensieren können – jenen von Winterthur. Er ging an den Konkurrenten Neo Advertising. Umgekehrt zeigte sich Ehrle erfreut darüber, dass sich im 2017 die Situation in Lausanne geklärt hatte – das Bundesgericht entschied, dass die Konzessionsvergabe der Stadt an die APG rechtens war. Auch weitere Verträge konnte die APG letztes Jahr gewinnen, so etwa jenen von BernMobil, der Métro-Stationen in Lausanne sowie des Métroshoppings in Genf.

Wie jedes Jahr zeigte der CEO auch die Entwicklung im Gesamtwerbemarkt auf: Die Bruttowerbeausgaben gingen gemäss Media Focus um 1.2 Prozent zurück. Nicht so bei der Aussenwerbung: Hier stiegen die Bruttoumsätze um 3,5 Prozent. Was deutlich macht, dass die APG Marktanteile verloren hat. Immerhin aber zeigt sich der Aussenwerbemarkt insgesamt als resistent. “Der Kampf um den Werbekuchen wird stärker”, bilanzierte Ehrle, der auch auf die neue Konkurrenz von Tamedia/Goldbach/Neo Advertising zu reden kam. Goldbach verfüge über rund 18.000 meist kleinflächige digitale Instore-Screens – demgegenüber habe die APG 425 ausschliesslich grossflächige digitale Panels ausserhalb von Läden.

Im übrigen grenzte sich Ehrle von Allmedia-Anbietern wie Admeira oder Tamedia/Goldbach/NeoAdvertising deutlich ab:“Wir sind überzeugt, als ‘Pure Player’ für Aussenwerbung sowohl den Werbekunden wie auch den Städten, Gemeinden und privaten Grundeigentümern den grössten Mehrwert bieten zu können, heute und auch in Zukunft”, sagte er.

APGs Auslandgeschäft in Serbien
Das einzig noch verbliebene Auslandgeschäft der APG befindet sich in Serbien, und dieses schnitt im 2017 gut ab (Umsatz: +5,9 Prozent). Im 1. Quartal 2017 konnte die APG einen langfristigen Stadtvertrag mit Belgrad unterzeichnen und die Umsetzung lancieren. Im Dezember 2017 erfolgte der Rollout von digitalen Werbeträgern in der Innenstadt. Aktuell hat die APG in diesme Land 4260 Plakatflächen, 75 Prozent davon allein in Belgrad. Wirtschaftlich gehe es in Serbien weiter aufwärts, berichtete APG-CFO Beat Hermann. Aus diesem Grund sind dort die Aussichten für die APG positiv. Das gesamte Geschäft in Serbien machen beim Gruppenumsatz der APG allerdings nur 4,2 Prozent aus.
Dieses Jahr stehen im Aussenwerbebereich weitere Entscheide an: Derzeit läuft eine (kleinere) Ausschreibung in Fribourg, eine Wichtige steht in der Stadt Bern bevor, wo sich Clear Channel Schweiz (CCS) und APG derzeit die Stellen etwa hälftig teilen. Ende Jahr oder anfangs 2019 ist zudem wieder einmal mit einer Ausschreibung des Flughafens Zürich zu rechnen, der in den vergangenen Jahr(zehnt)en jeweils den Exklusivvertrag mit CCS ohne Submission verlängert hatte. Das Flughafengeschäft sei allerdings eher margenschwach, sagte Ehrle.

Offen ist es zudem, wie es mit dem SBB-Vertrag weitergeht, den die APG letztes Jahr eigentlich gewonnen hatte. Doch hatte Tamedia den Entscheid angefochten und eine superprovisorische Verfügung erwirkt. Für die APG, die aktuell aber ohnehin für die SBB die Fremdwerbeflächen vermarktet, ändert sich dadurch zwar relativ wenig, kann sie doch ihre bisherige Tätigkeit weiterhin ausüben. Allerdings kann sie das Neugeschäft, nämlich die Vermarktung von Flächen in und an SBB-Wagen, nicht wie geplant per Mitte Jahr in Angriff nehmen. knö




stats