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Ein Teil der von Zürich ausgeschriebenen eCitypläne sind "nicht markttauglich"

So ähnlich dürften die City-E-Pläne aussehen, auf die die APG nun in Zürich verzichtet.
CCS
So ähnlich dürften die City-E-Pläne aussehen, auf die die APG nun in Zürich verzichtet.
Die APG hat darauf verzichtet, an einer Ausschreibung der Stadt Zürich zu 16 eCityplänen teilzunehmen (HORIZONT berichtete). Sie kritisiert die Anlagen als "statisch und nicht markttauglich". Bei Clear Channel Schweiz und Neo Advertising sieht man das anders.
Eingabetermin für die Ausschreibung zu den 16 eCityplänen in der Stadt Zürich war am Dienstag-Nachmittag, 12. Juni. Kurz danach teilte die APG mit, dass sie auf eine Teilnahme verzichtet. Sie machte geltend, dass die Werbemöglichkeiten nicht den nationalen und internationalen Standards für digitale Aussenwerbung entsprächen und dass "die kurze Vertragslaufzeit" keine Refinanzierung der Investitionen sowie des laufenden Betriebes erlaube. Die Konzessionsdauer ist auf knapp fünf Jahre angesetzt (1. Januar 2019 bis 30. Juni 2023).

Darum geht's bei den eCity-Plänen
Gemäss Fabian Korn, dem stellvertretenden Leiter Kommunikation im Amt für Städtebau der Stadt Zürich, verfügt die Stadt über 50 analoge Stadt- (Citypläne) und Quartierpläne (Cityguides) auf öffentlichem Grund. "Deren Weiterführung ist aus heutiger Sicht nicht mehr wirtschaftlich, zeitgemäss oder nachhaltig", sagt er. Das Potenzial für eine digitale, interaktive Informationsplattform in Kombination mit Reklamen sei hingegen äusserst gross. Die bereits gewonnenen Erfahrungen in anderen Städten hätten gezeigt, dass die digitalen Informationsplattformen ein grosses Entwicklungspotenzial besitzen. "Nicht zuletzt ergeben die Anlagen neue Kommunikationsmöglichkeiten, die auch die Stadt Zürich auf vielfältige Weise für sich nutzen kann", wodurch auch vielfältige Mehrwerte für die Bevölkerung möglich seien.



Als Grundlage für die interaktiven Stadtpläne dient der bereits existierende und bewährte Online-Stadtplan (Züriplan). Zusätzlich zum Stadtplan sollen u.a. öffentliche Einrichtungen und Informationen wie auch die Sparten Tourismus und Kultur abrufbar sein. Die Bedienung der Anlage erfolgt über einen Touchscreen (LCD-Screen, Bildschirmdiagonale 55“).


Aus diesen Gründen halte es die Stadt Zürich für angemessen, der allgemeinen Entwicklung der Digitalisierung und den neuen Kommunikationsmöglichkeiten zu folgen und die analogen Stadtpläne (Citypläne und Cityguides) bis zum Jahr 2019 durch interaktive Stadtpläne an 16 zentralen und stark frequentierten Standorten im öffentlichen Grund zu ersetzen. Nach Möglichkeit würden diese mit digitalen Werbeanlagen kombiniert, schreibt Korn.
Auf Anfrage von HORIZONT Swiss erklärte APG-Sprecherin Nadja Mühlemann: "Die dynamische Bespielung der Werbescreens wurde von der Stadt Zürich in der vorliegenden Ausschreibung eingeschränkt. Diese Einschränkung orientiert sich nicht nach den uns bekannten branchenüblichen und gesetzeskonformen Standards. Darüber hinaus entsprechen sie weder dem aktuellen Kundenbedürfnis nach animiertem, flexiblem und zeitgenauem Einsatz der Werbebotschaft, noch dem Trend nach programmatischer Aussteuerung von Werbeinhalten." So dürften einige Anlagen ihre Sujets nur alle 24 Stunden wechseln, womit sie "nach unserem Verständnis statisch und nicht markttauglich sind", sagte Mühlemann weiter. Investitionen für digitale Anlagen machten nach Ansicht der APG nur dann Sinn, wenn die Vorgaben Bewegtbild erlauben. Mit Letzterem meint die APG entweder regelmässig wechselnde Standbilder oder leicht animierte Spots.

Beim Stadtzürcher Amt für Städtebau reagiert man gelassen auf die Kritik der APG. "Wir haben das Nicht-Einreichen einer Offerte durch die APG zur Kenntnis genommen. Generell bei digitalen Werbeanlagen gibt es mehrere Faktoren, die auf die Animationsmöglichkeiten einen Einfluss haben, beispielsweise die Verkehrssicherheit. Es sind jedoch nicht an allen Standorten Animationen ausgeschlossen", sagt Fabian Korn, stellvertretender Leiter Kommunikation. 
So handle es sich bei den 16 eCityplänen (siehe Kasten) um 4 Screens, die leicht animierte Werbeinhalte erlauben, während bei einem gar kein animierter Inhalt zugelassen ist. Bei den 11 übrigen sind lediglich periodische Sujet-Wechsel erlaubt – bei sieben Screens alle 30 Minuten, bei vier nur alle 24 Stunden.

CCS und Neo Advertising teilen die APG-Kritik nicht

Für die wichtigsten APG-Konkurrenten Clear Channel Schweiz (CCS) und Neo Advertising, an dem Tamedia beteiligt ist, stellen diese Einschränkungen kein Problem dar. Beide sagen auf Anfrage, dass sie je eine Offerte für die 16 eCitypläne eingegeben haben. CCS-Sprecherin Ursulina Stecher teilt denn auch die Kritik der APG nicht. "Für uns sind die 16 eCityplänen im Zusammenhang mit unserem Engagement für Smart Cities interessant", sagt sie. Es stimme zwar, dass die 16 Screens unterschiedlich gross sind und sehr verschieden animiert werden dürfen. Doch das sei für CCS nicht zentral. "Wichtiger ist, dass sie digital angesteuert werden können."

Ähnlich tönt es bei Neo Advertising: Auch CEO Christian Vaglio-Giors versteht die APG-Kritik nicht. "Das erste Kriterium für eine Aussenwerbefläche ist doch der Standort – und die 16 Standorte sind durchwegs sehr gut", sagt er. Dass sich die Flächen dann ihrer Umgebung und den Vorgaben der Gemeinde anpassen müssen, sei selbstverständlich. "Für uns zählen in erster Linie die Bedienungsfreundlichkeit und die Tatsache, dass die Flächen beleuchtet sind und ins Auge stechen, auch ohne Animation." Neo Advertising sei deshalb überzeugt, dass die 16 eCitypläne trotz der jeweiligen Einschränkungen ein gutes Produkt darstellten. "Für uns bieten sie eine gute Gelegenheit, unsere digitalen Stellen in den Städten weiter auszubauen und den Kunden neue Möglichkeiten fürs Marketing anzubieten", sagte Vaglio-Giors.

In diesem Zusammenhang ist es zweifellos wichtig zu wissen, dass CCS seit 2016 bereits zehn digitale Flächen in der Stadt Zürich betreibt. Und dass Neo Advertising seit dem 1. Juni 2018 in der Stadt Zürich sieben Leuchtdrehsäulen und ab 1. Juli 400 analoge Träger bewirtschaften darf.
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