ADC Creative Week

Zélia Sakhi legt den Finger kreativ in die Wunde

Zélia Sakhi bei der ADC Creative Week auf der Bühne
Zélia Sakhi bei der ADC Creative Week auf der Bühne
"Nehmt Euch den Platz am Tisch, redet mit, wenn die Budgets verteilt werden und hört auf zu jammern, dass Euch die Wirtschaftsbosse und Auftraggeber nicht verstehen" - Zélia Sakhi nimmt die Kreativindustrie bei ihrem Vortrag bei der ADC Creative Week ordentlich in die Pflicht und legt den Finger fest in die Wunde eitler Kreativdirektoren und verträumter Werbegenies - auch um von ihnen Verantwortung zu fordern.
Nie zuvor wurden Kreative so stark von den Mächtigen umworben wie heute - Ausdruck dieses Trends ist das Buzzword Design Thinking und die Einkaufswut der Beratungsfirmen, die einen kreativen Hotshop nach dem anderen aufkaufen. Zu denen zählt auch Mobiento, die Firma von Zélia Sakhi, die heute Teil von Deloitte ist. "Was für langweiliges Zeug die machen: Wirtschaftsprüfung, Beratung, langweilig, öde -die verstehen uns nicht", diese Haltung von Kreativen gegenüber Auftraggebern oder eben Bartungsfirmen wie Deloitte sei verständlich, aber dennoch Unsinn, meint Sakhi.

"Aber wer sagt, dass Kreative nicht auch Wirtschaft können?", fragt sie. Kreative hätten aktuell so viel Macht wie nie zuvor, sie könnten durch die Gestaltung von Geschäftsprozesse und Produkten, aber vor allem kreative Führung viel bewirken, Gutes tun. Es sei bewiesen, dass kreativ geführte Unternehmen auch wirtschaftlich besser performen. "Aber hier haben Kreative riesige Defizite: Sie wissen nicht, wie Leadership funktioniert", moniert sie. 
„Kreative haben keine Ahnung von Leadership“
Zélia Sakhi, Mobiento/Deloitte
Warum aber fällt es der Kreativindustrie so schwer, diese Aufagebe zu übernehmen? "Wir sind Zeuge unserer eigenen Disruption. Und wir müssen unsere neue Rolle annehmen", fordert sie von anderen Designern und Kreativen. Eine Kampagne auf Facebook, die 1 Prozent dessen Nutzer erreicht, komme nunmal bei 20 Millionen Menschen an. "Deshalb ist es wichtig was wir dort tun und wie wir es tun: Wir haben Verantwortung dafür, welche Botschaften bei diesen Menschen ankommen", appelliert Sakhi. Und die eigene Disruption? "Wir sind doch unglaublich anpassungsfähig als Kreative, sind gewohnt, ständig auf geänderte Briefings zu reagieren und mit verschiedensten Kunden umzugehen-"



Was heute bei der ADC Creative Week auf dem Programm steht
Los geht es um 9 Uhr mit dem Workshop von Diana Sukopp  (Grabarz & Partner) / um 11 Uhr gibt es ein  Live-Fotoshoot Andres Herren & Danny Trejo  / um 12 Uhr stehen Helen & Wolfgang Beltracchi auf der Bühne der Kaskadenhalle der ZHdK / um 13 Uhr folgt Kreativdirektor, Tattoo-Künstler und Sang-Bleu-Gründer Maxime Büchi
Die Kreativen Führungskräfte müssten in den eigenen Reihen verantwortungsvoll wirken: "Was ist denn mit der Gleichstellung bei uns in den Agenturen?", fragt sie. Weniger als 10 Prozent weibliche Kreativdirektoren gebe es weltweit, obwohl mehr als der Hälfte der Mitarbeiter in Agenturen Frauen sind. Ähnliches gelte in Staaten wie den USA für ethnische Gleichstellung. "Ich weiss, wir alle haben unbewusste Vorurteile, leben und arbeiten in einer Blase - aber das müssen wir überwinden. Es gehört zum Spiel, diese Verantwortung zu übernehmen", sagt Sakhi. ems

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