ADC Creative Week

Javier Jaén: "Es ist Zeit, aufzuwachen!"

Der Illustrator Javier Jaén ist Referent bei der Creative Week des ADC
Javier Jaén
Der Illustrator Javier Jaén ist Referent bei der Creative Week des ADC
Als Illustrator hat Javier Jaén für Zeitungen nd Zeitschriften wie "New York Times", "Washington Post" und "El País" gearbeitet. Bei der ADC Creative Week hat er in seinem Vortrag "The Truth, the Whole Truth and Nothing but the Truth" analysiert, warum er was er tut und wie der konzeptionelle Prozess hinter seiner Arbeit läuft. Mit HORIZONT Swiss hat Jaén über die Arbeit von Illustratoren in Zeiten eines aufkeimenden Populismus gesprochen.

Welche Aufgabe muss eine Illustration als Einstieg in eine Geschichte oder als Titelbild eines Magazins erfüllen?
Ich glaube nicht, dass eine Illustration exakt die Aussage eines Textes wiedergeben muss. Es ist wie bei einem Cover einer CD – darauf müssen auch nicht alle Instrumente zu sehen sein, die eingesetzt werden. Der Illustrator muss die Atmosphäre der Musik in ein Bild übersetzen, das ist das Schwierige. Mich interessiert vor allem diese Übersetzung.





Ist Ihre Arbeit durch den international aufkeimenden Populismus politischer geworden?
Wie Thomas Mann gesagt hat: „Alles ist Politik“. Meine Arbeit für Medien war schon immer direkt oder indirekt Politik, wenn es beispielsweise um die Umwelt, Sex oder den Präsidenten der USA ging. Klar, wir befinden uns in einem weltweiten Erdbeben. Es ist Zeit, aufzuwachen! Aber offensichtlich verstehen immer mehr Menschen, wie wichtig Medien in dieser Zeit sind. Die „New York Times“ gewinnt beispielsweise jeden Monat Abonnenten.


Ist es wichtig, eine eigene Handschrift als Illustrator zu pflegen, auch wenn Sie für viele verschiedene Zeitschriften und Zeitungen arbeiten?
Die Frage nach dem persönlichen Stil hat mich nie interessiert. Als Purist müsste man Grafikdesign vom Stil abkoppeln , weil es auf einen Bedarf reagieren sollte statt der Berufung, etwas persönliches zu kommunizieren, wie Kunst es tun würde. Mich persönlich interessiert weil mehr, zu experimentieren und nach verschiedenen Erzählwegen zu suchen. Wir legen viel zu oft einen grösseren Fokus auf darauf, wie wir etwas sagen, anstatt darauf, was wir sagen. Es heisst ja auch: Stil ist ein Gefängnis. Interview: ems

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