Kommentar

UPC – so wurde selten eine Marke öffentlich demontiert

Mittwoch, 23. Oktober 2019
Klar, Sunrise und seine Führungscrew stehen schlecht da nach der geplatzten ausserordentlichen Generalversammlung, die heute wegen der UPC-Übernahme hätte stattfinden sollen. Noch viel schlimmer aber ist die Situation für UPC: In den letzten Monaten hat die Marke im öffentlichen Ansehen enormen Schaden genommen. UPC trägt nun den Stempel "mittelfristig überflüssig". Und mit ihr auch alle andern Kabelnetzfirmen. Das ist ein Imageproblem und eine Bürde für die Zukunft, sagt Markus Knöpfli, Redaktor bei HORIZONT Swiss.
Ich gebe es gerne zu: Ich bin technisch zu wenig versiert um zu beurteilen, ob der gebotene Kaufpreis für UPC von anfänglich 6,3 Milliarden Franken zu viel, gut oder günstig ist. Und ich kann auch zu wenig beurteilen, ob die Argumente, die insbesondere Sunrise-Grossaktionär Freenet gegen den geplanten Deal vorbrachte, stichhaltig sind. Aber das ist auch nicht entscheidend. Wichtiger ist: Der Deal ist geplatzt, die Argumente der Gegner hatten Oberhand.


Doch es lohnt sich, sich die Argumente der siegreichen Gegner noch einmal in Erinnerung zu rufen, wurden sie doch ein gutes halbes Jahr x-fach wiederholt und in die Öffentlichkeit hinausgetragen. Sie lassen sich wie folgt zusammenfassen: Das Netz von UPC – und mag es noch so modern sein – ist ein Auslaufmodell, 5G wird es überflüssig machen. Darum ist der Deal für Sunrise zu teuer und zu wenig lohnend.

Wie man es auch dreht und wendet: Für UPC ist diese Argumentation katastrophal. Damit wurde ein halbes Jahr lang ein Image und eine Marke demontiert. Kommt dazu, dass diese Argumentation nicht nur in der Schweiz verbreitet wurde, sondern über Börsen, Banken und Medien international. Was die Sache noch schlimmer macht: Auch wenn immer nur vom grössten Schweizer Kabelnetzbetreiber UPC die Rede war – diese vernichtende Argumentation trifft die ganze Branche weltweit, ganz direkt auch die im Verband SuisseDigital zusammengeschlossenen rund 200 Schweizer Kabelnetze.
Korrigendum und Position von SuisseDigital
In diesem Beitrag war der Name des Verbandes SuisseDigital mehrfach falsch geschrieben. Dafür entschuldigen wir uns.


Der Verband SuisseDigital legt zudem Wert auf folgende Feststellungen: Anders als im Kommentar geschrieben, wurde das Argument 5G vs. Kabelnetztechnologie nicht seit einem halben Jahr in die Debatte eingebracht, sondern erst seit ca. Anfang September. So zeige etwa ein NZZ-Artikel vom 23. August 2019, dass die Freenet-Argumentation die industrielle Logik zu diesem Zeitpunkt noch explizit bejaht hatte.

Anders als im Kommentar behauptet wurde der Freenet-Argumentation 5G vs. Kabelnetztechnologie sowohl von Sunrise wie auch von Seite SuisseDigital durchaus etwas entgegen gehalten, natürlich aber erst nachdem die Argumentation überhaupt ins Feld geführt worden war. Auch das lässt sich anhand zweier NZZ-Artikel (vom 12.10.2019 und 22.10.2019) aufzeigen. Interessant ist die Formulierung des NZZ-Journalisten im Artikel vom 12.10.: „Bis vor wenigen Wochen zweifelte niemand die industrielle Logik der UPC-Übernahme an. Das hat sich geändert. Warum?“
Tatsache ist zudem: Weder Sunrise noch UPC noch SuisseDigital haben dieser Argumentation irgendetwas entgegen gehalten. SuisseDigital hat zum Deal vornehm geschwiegen, der Verband war ja nicht beteiligt, aber er nahm die Argumentation der Deal-Gegner passiv hin. Und Sunrise und UPC haben in erster Linie den kurzfristigen Zusatz-Nutzen des Deals für ihre jeweiligen Kunden hervorgehoben und so auf Unterstützung aus der Öffentlichkeit gehofft, dabei aber Zweifel, wonach selbst für ihre bestehenden Kunden die Preise steigen würden, nie ganz ausräumen können.
© zvg
Eine weitere Kundenerosion bei den Internetanschlüssen und im Bereich DigitalTV dürfte für UPC und die andern SuisseDigital-Mitglieder die Folge sein. Denn welcher Kunde will schon gerne eine (scheinbar) "veraltete" Technologie nutzen? Fest steht: Ende November trifft sich der Verband SuisseDigital in Bern – mit Garantie wird man dann auch den langfristigen Imageschaden, der durch den geplatzten Sunrise-UPC-Deal entstanden ist, diskutieren. Man darf gespannt sein, ob und wie die Branche den Stempel "mittelfristig überflüssig" glaubwürdig abwaschen kann, nachdem sie das Stigma ein gutes halbes Jahr unwidersprochen geduldet hat.
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