Kommentar

Liebe Verleger, so geht man nicht mit Marktpartnern um!

Donnerstag, 27. September 2018
In allen Gremien, die bei der Wemf etwas zu sagen haben, wehrten sich Agenturen und Werbeauftraggeber oder ihnen nahestehende Personen gegen die per sofort eingeführten Änderungen an der Mach Basic. Vergeblich. Sie wurden von den Verlegern einfach übergangen.
Diese Woche liess der Verwaltungsrat der Wemf mitteilen (er hatte nicht den Magen, selbst hinzustehen), dass er ab der nächsten MACH Basic-Ausgabe die Aktualität der ohnehin nicht gerade aktuellen Leserzahlen weiter abbaut – aus Spargründen. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die User-Commission (UC) der Wemf über die vorgezogene Umsetzung dieser Änderung nie informiert worden war. Sie wusste einzig, dass die Änderung zusammen mit andern Massnahmen spätestens per 2022 ins Auge gefasst wurde. Wemf-Forschungsleiter Harald Amschler und Wemf-Marketingleiter Urs Wolfensberger bekannten zudem im Interview mit HORIZONT Swiss, dass sowohl in der UC als auch in der Wemf-Forschungskommission (FK) die Vertreter von Agenturen und Werbeauftraggebern sowie Personen mit Agenturhintergrund genau diese Neuerung unisono als Rückschritt ablehnten. Aber sie waren jeweils in der Minderheit.
Der Wemf-Verwaltungsrat
Der Wemf-VR setzt sich aus folgenden Personen zusammen:


Jürg Weber, Vertreter Verband Schweizer Medien, Präsident
Moreno Cavaliere, Vertreter Stampa Svizzera (Gast)
Roger Harlacher, Vertreter Schweizer Werbe-Auftraggeberverband SWA
Andreas Häuptli, Vertreter Verband Schweizer Medien
Marcel Kohler, Vertreter Verband Schweizer Medien
Eric Meizoz, Vertreter Médias Suisses
Roberto Rhiner, Vertreter Verband Schweizer Medien
Alexander Theobald, Vertreter Verband Schweizer Medien
Geschäftsleitung

Von Amtes wegen dabei: Marco Bernasconi, Chief Executive Officer (CEO)
Unklar ist einzig, wie im neunköpfigen Wemf-Verwaltungsrat, der mehrheitlich aus Verlegern und Vertretern der Verlegerverbände besteht, abgestimmt wurde. Doch es ist nicht anzunehmen, dass sich der einzige Nichtverleger im Gremium, Roger Harlacher, der Präsident des Schweizerischen Werbeauftraggeber-Verbandes (SWA), anders geäussert hat als die ihm nahstehenden Personen in den beiden andern Gremien.


Kurzum: In zwei, vermutlich auch in allen drei Gremien, die bei der Wemf etwas zu sagen haben, wurde die Änderung – egal, wann sie eingeführt werden sollte – von den Agentur- und SWA-Vertretern oder den ihnen nahestehenden Personen abgelehnt. Trotzdem foutieren sich die Verleger darum, ziehen die Änderung nun sogar vor und führen sie per sofort ein. Über die Köpfe der Marktpartner hinweg und ohne mit ihnen das eingehende Gespräch zu suchen. Dabei wurde die UC nicht einmal kurz per E-Mail vorinformiert. Ganz nach dem Motto: Kunde, friss gefälligst, was wir dir auftischen!

Es ist jetzt schon absehbar: Dieses bewusst rücksichtlose Vorgehen wird sich rächen. Denn so geht man nicht mit Marktpartnern um. Und diese lassen sich solche Hintenherum-Spielchen garantiert nicht bieten. In einem Punkt ist die Wemf bereits zurückgekrebst – sie wird LSA und SWA die MACH Basic-Zahlen der Ausgabe 2018-2 gleich im Doppelpack vorlegen: Nach der bisherigen Einjahres-Auswertung und nach der neuen offiziellen Zweijahres-Auswertung. Um Transparenz über die "geringen Auswirkungen" der neuen Auswertungsdoktrin zu schaffen, heisst es. Doch das kommt garantiert nicht gut.

Markus Knöpfli
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