CH Media

Abbau von 200 Vollzeitstellen mit Kündigungen – auf Aargauisch heisst das "Integration"

Donnerstag, 15. November 2018
Das soeben erschienene Communiqué von CH Media ist ein Meisterstück verschleiernder Kommunikation: Im Titel und Lead ist von einem Integrationsprogramm die Rede, erst danach folgt die eigentliche News: 200 Vollstellen werden abgebaut, Kündigungen werden ausgesprochen, 10 Prozent der Kosten eingespart.
CH Media startet mit einem ausschliessenden "Integrationsprogramm": In den  nächsten 24 Monaten wird es zum Abbau von ca. 200 Vollzeitstellen kommen, wobei auch Stellenkündigungen vorgesehen sind, weil nur ein Teil des geplanten Stellenabbaus durch natürliche Fluktuation erreicht werden kann. Ziel ist es, unternehmensweit - das heisst bei AZ Medien und NZZ Regionalmedien – die Kosten um 10 Prozent und damit um ca. 45 Millionen Franken zu senken, heisst es im Communiqué. Darüber wurde die Belegschaft der CH Media heute informiert, heisst es weiter. Derzeit beschäftigt CH Media rund 2.200 Mitarbeitende.


CH Media nutze das Synergiepotenzial, welches sich durch das Joint Venture zwischen AZ Medien und der NZZ-Mediengruppe ergibt, und reagiere damit auf die weiterhin äusserst angespannte Marktsituation in der Branche. Die Effizienzsteigerung soll in allen Bereichen erzielt werden. Geplant seien über 40 Projekte und über 100 Teilprojekte, die über die gesamte Organisation hinweg umgesetzt werden.

Von einem "Integrationsprogramm" ist nach dem Textanfang im ganzen Communiqué natürlich nicht mehr die Rede. Es ist ja keines. Das weiss man auch bei CH Media. Die Wortwahl war offensichtlich bewusst positiv gewählt, um die Öffentlichkeit zunächst etwas einzulullen und zu beschwichtigen. Ein Beispiel, wie man PR besser nicht handhabt.


Über Details zum Stellenabbau werden derzeit keine Angaben gemacht, teilt CH Media weiter mit. Alle Massnahmen werden so sozialverträglich wie möglich umgesetzt. CH Media setze alles daran, die betroffenen Mitarbeitenden bei einer beruflichen Neuorientierung zu unterstützen. Ein Sozialplan werde zur Anwendung kommen.

Zum Schluss drückt dann CEO Alex Wüstmann noch sein Bedauern über das derart missratene "Integrationsprogramm" aus, das gegen 200 Personen auf die Strasse stellt: "Uns ist bewusst, dass diese Information bei den Mitarbeitenden Verunsicherung auslösen kann. Wir haben uns gezielt für diesen Weg der Transparenz entschieden. Wir werden alles daransetzen, so schnell wie möglich Klarheit für unsere Mitarbeitenden zu schaffen."

Mit einer anderen Wortwahl und einem sorgfältigeren Vorgehen hätte er vielleicht einen Anfang gemacht, so aber sorgt er primär mal für Unruhe, Misstrauen und Wut. Ein schlechter kommunikativer Auftakt, der nichts Gutes für den künftigen Umgang mit den Mitabeitenden erwarten lässt.

Hier finden Sie das heutige Originalcommuniqué von CH Media.
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