Zum AZ/NZZ-Deal

Thank God, gibt’s Blocher!

Dienstag, 19. Dezember 2017
Man mag von SVP-Miliardär Christoph Blocher halten was man will – eines muss man ihm positiv anrechnen: Er hat – bereits zum zweiten Mal – ein Wanner'sches Vollmonopol verhindert, sagt Markus Knöpfli, Redaktor von HORIZONT Swiss. Vor Jahren durch den Kauf der BaZ, aktuell durch den vorausschauenden Kauf der Zehnder-Gratisblätter.

Was gab’s doch für einen Aufschrei im August dieses Jahres, als SVP-Stratege Christoph Blocher 25 Gratiswochenzeitungen des Zehnder-Verlages aufkaufte, ein Imperium, das sich von der Ost- über die Zentralschweiz und Zürich bis in den Kanton Aargau erstreckt. Man spekulierte, ob er sie für politische Propaganda im Wochenrhythmus missbrauchen wird.


Demgegenüber ging in den letzten zei Wochen der neuste Grossdeal in der Schweizer Medienlandschaft – das Zusammenlegen der NZZ-Regionalmedien mit der AZ Medien – ohne allzu viele Nebengeräusche über die Bühne, obwohl AZ-Medien-Chef Peter Wanner damit zu einem der grössten Schweizer Verleger aufsteigt und sein tägliches Einflussgebiet flächen- und auflagenmässig in etwa verdoppelt – quer durch die Deutschschweiz, von Basel und der Grenze zur Romandie bis zum Bodensee.

Doch im Lichte des Wanner’schen Coups gilt es, den Blocher’schen Deal unter neuen Vorzeichen zu sehen: Vielleicht sogar so, wie ihn der Milliardär selber am liebsten sieht: In einer TV-Diskussion anfangs November bezeichnete sich Blocher als Bewahrer von Medienvielfalt und Verhinderer einer weiteren Pressekonzentration. Denn wenn die 25 Zehnder-Titel der NZZ-Mediengruppe in die Hände gefallen wären, so argumentierte er, hätte diese die Gratisblätter als Konkurrenten still gelegt. Solche Gratiswochenzeitungen seien aber wichtig fürs lokale Gewerbe.

Es ist unklar, ob Blocher zum Zeitpunkt des Kaufs oder der TV-Diskussion schon von den Gesprächen zwischen NZZ und Wanner wusste, die im Juli gestartet waren. Es ist auch unklar, ob die NZZ an den Zehnder-Titeln interessiert gewesen wäre. Beides ist möglich.

Tatsache ist jedoch, dass nun parallel zu den Tageszeitungen, Gratisanzeigern, Web-Portalen sowie Radio- und TV-Sendern des NZZ/AZ-Joint Ventures im fast identischen geographischen Gebiet weiterhin ein zweites Print-Imperium bestehen bleibt. Und dieses verhindert – wenigstens im lokalen Bereich – ein absolutes Wanner-Monopol. Dank Blocher.

Bekanntlich nicht zum ersten Mal: In Basel störte Blocher ja schon vor einiger Zeit das Monopoly-„Spiel“ von Wanner, NZZ und Tamedia, indem er die BaZ kaufte. Deshalb ist er heute im Zeitungsbereich Wanners wichtigster Gegenspieler.

Von echter Medien- oder Meinungsvielfalt zu reden, wie das der frühere Bundesrat gerne tut, ist zwar etwas verwegen, dafür sind die ehemaligen Zehnder-Titel zu werblich und die BaZ zu schnodrig – von ihrer gesunkenen Reichweite gar nicht zu reden. Aber im Bereich Inseratetarife dürfte ein gewisser Wettbewerb gewahrt bleiben. Den grossen Inserenten und auch dem lokalen Gewerbe mag das etwas nützen, den Lesern kaum.

Markus Knöpfli



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