Kommentar

Schindluderei mit Lovely

Freitag, 02. März 2018
Bei ihrer neusten Kampagne mit Lovely hatten Swissmilk und die Agentur Jung von Matt/Limmat nicht wirklich ein glückliches Händchen. Denn die neue Kampagne enthält lauter Widersprüche.
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Die angebliche "Lovely" auf der grünen Wiese.
Die angebliche "Lovely" auf der grünen Wiese. (© zvg.)
Die Grundidee der Kampagne – die sportliche, alleskönnende Superkuh Lovely wieder mal in die Realität und damit einfach auf die grüne Wiese zu holen – wäre ja eigentlich gut. Sehr gut, sogar. Aber egal, ob man die Plakate/Inserate betrachtet oder Lovely auf der eigens aufgeschalteten Microsite sucht – die wirkliche Lovely ist weder zu finden noch zu sehen. Was hier gezeigt wird, ist irgendeine Kuh. Was unschwer anhand der Flecken auf dem Fell auszumachen ist.
Die Zeichnung des Fleckviehs Lovely änderte sich von Sportart zu Sportart.
Die Zeichnung des Fleckviehs Lovely änderte sich von Sportart zu Sportart. (© zvg.)
Doch bei genauem Betrachten ist festzustellen, dass auch die bisherigen Lovelys nie wirklich identisch waren. Sie wechseln ihre Flecken von Sujet zu Sujet wie der Swissmilk-Marketingchef seine Hemden. Anders gesagt: Swissmilk hat schon bisher irgendeine Kuh hingestellt und sie Lovely genannt. Ein Einheitsname für alle. Was zur aktuellen Kampagne in krassem Widerspruch steht, behauptet diese doch, dass die Swissmilk-Bauern ihre Kühe individuell taufen und beim Namen kennen. Angeblich das Gegenteil von Massentierhaltung und Beziehungslosgkeit.
(© zvg.)
Eine weitere zentrale Aussage der Kampagne: Kühe einfach Kühe sein lassen. Genau deshalb stellen Swissmilk und Jung von Matt/Limmat die angebliche Lovely auf eine grosse, grüne Wiese. Allerdings völlig einsam und allein. Welcher Bauer würde das tun? Kühe sind Herdentiere... Und welcher Bauer hätte für jede seiner Kühe so viel Fläche zur Verfügung? Keine Spur von Natürlichkeit, geschweige denn von Wirklichkeit.
Lovely allein im Grünen: Weit und breit kein anderes Rindvieh.
Lovely allein im Grünen: Weit und breit kein anderes Rindvieh. (© zvg.)
Apropos Realität: Dass Lovely Hörner hat, ist auch nicht normal. Wohl 90 Prozent aller Kühe sind heute enthornt. Nicht zuletzt deshalb stimmen wir demnächst über die Hornkuh-Initiative ab. So viel zur natürlichen Tierhaltung in der Schweiz. Etwas mehr Realismus in der neuen Swissmilk-Kampagne wäre also angebracht gewesen. Schliesslich weiss heute kein Kind mehr, dass Kühe eigentlich von Natur aus Hörner hätten. Und Kinder dürften wohl die Hauptzielgruppe von Lovely sein, oder?

Aber oha! Weil die Kampagnenmacher so unbedacht vorgingen, ist ihnen dann doch noch ein Stück Abgas-Realität in die sonst so künstlich erstellte Idylle gerutscht. Immerhin.
Wohl unbeabsichtigt: Das Einzige, was Lovelys "gutes Leben" stört, ist der dunkle Dieselrauch aus dem Auspuff des Traktors.
Wohl unbeabsichtigt: Das Einzige, was Lovelys "gutes Leben" stört, ist der dunkle Dieselrauch aus dem Auspuff des Traktors. (© zvg.)


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