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Im zweiten virtuellen PUMa-Plenum von planung&analyse ging es um eine Corona-Studie der etwas anderen Art. Rund 30 betriebliche Marktforscher haben sich nach dem inhaltlichen Input über ihre derzeitige Situation ausgetauscht. Forschungsanlässe in den Unternehmen gibt es zahlreiche und in vielen Unternehmen wird nach neuen digitalen Ansätzen gesucht.
Corona-Studien gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Doch ob Konsumenten tatsächlich so handeln, wie sie in Befragungen vorgeben, ist nicht immer klar. Dirk Frank, Managing Director des Marktforschungsinstituts ISM Global Dynamics, präsentierte eine Studie, die in Kooperation mit 19 Partnern und der Technik des polnischen Technologie-Anbieters Neurohm durchgeführt wurde. Bei der Studie wurde die Reaktionszeit der Probanden gemessen und jeweils auf den Einzelnen kalibriert. Somit kann ermittelt werden, ob der Proband Fragen für seine Verhältnisse schnell und gezielt beantwortet oder ob er zögert und sich seiner Antwort nicht sicher ist. Es handelt sich demnach um eine implizite Studie, der entnommen werden kann, so Frank, wie überzeugt die Teilnehmer tatsächlich von ihrer eigenen Aussage sind.
Quelle: ISM Global Dynamics, Erhebung in Deutschland: 30.04. – 03.05.2020
© ISM Global Dynamics
Quelle: ISM Global Dynamics, Erhebung in Deutschland: 30.04. – 03.05.2020
66 Prozent der befragten Deutschen beantworteten die Frage im Erhebungszeitraum zwar mit "Ja", doch nur 28 Prozent waren von ihrer eigenen Aussage auch tatsächlich überzeugt. Laut der Studie sei aufgrund der schnellen Reaktionszeit davon auszugehen, dass die Probanden zu einer hohen Wahrscheinlichkeit wirklich zu einer Impfung bereit sind. Frank erklärt, dass es eine große Zahl an Menschen gebe, die kognitiv abgeholt wurden (66 Prozent der Befragten), jedoch noch Zweifel und Ängste haben. Diese Zielgruppe müsse nun emotional angesprochen werden, um ihre Meinung zu bestärken. 7 Prozent der Befragten beantworten die Frage sofort mit "Nein" – sie werden als "True Rejecters" definiert, die eine harte Abneigung zeigen. Diese Gruppe sei nicht mehr von ihrer Meinung abzubringen. Zuletzt die unsicheren "Nein"-Sager: 18 Prozent der Befragten gaben an, sich nicht gegen das Virus impfen zu lassen, taten dies aber – so die Studie – nicht entschlossen. Die Meinung dieser Menschen ließe sich mit entsprechender Kommunikation eventuell noch ändern, so Frank.

Zusammenfassend empfiehlt der Managing Director: Explizite und implizite Daten matchen – und somit Ergebnisse erhalten, aufgrund derer die Unternehmen ihren Businessplan anpassen können. Frank betonte, dass eine zweite Welle der Studie in Planung ist. 

Virtueller Austausch ist besser als gar kein Austausch

Im zweiten Teil dieses PUMa-Plenums ging es um die derzeitige Situation der anwesenden betrieblichen Marktforscher. Durch die Vielzahl der Branchen, die hier vertreten sind, erfährt man manch interessantes Detail. Zum Beispiel, dass manche Krankenversicherungen Schäden durch eine Pandemie ausschließen. Zum Glück wendet dies kaum eine Kasse bislang an.

Die Betroffenheit durch Corona ist je nach Branche durchaus sehr unterschiedlich. Allen gemeinsam ist jedoch die Situation, dass interne Stakeholder und Entscheider zahlreiche neue Fragestellungen haben. Wie reagieren die Kunden? Wo sind deren Fragen und Wünsche? Und wie entwickelt sich die sogenannte Nach-Corona-Zeit? Genutzt wird viel qualitative Marktforschung, die sich zumindest bei Tiefeninterviews sehr gut remote umsetzen lässt, auch Communties sind ein probates Mittel in dieser Zeit. Immer wieder kommt auch die Frage nach der Zukunft. „Ich komme aus der Marktforschung, aber ich werde immer mehr zum Prognostiker“, berichtet eine Forscher aus einem großen Konsumgüterunternehmen. Den Forschern gehen die Fragestellungen also nicht aus. Wer in einem Unternehmen als Insight-Profi tätig ist, kann sich dem Netzwerk PUMa anschließen. Anfragen bitte per Mail an Sabine Hedewig-Mohr

Weitere Informationen zum PUMa-Netzwerk von planung&analyse finden Sie hier.

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