Wiederbelebungsversuch

Spiegel bemüht erneut Akte Marktforschung

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Akte Marktforschung sollte nicht so schnell im Schrank verschwinden
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Akte Marktforschung sollte nicht so schnell im Schrank verschwinden
Einen Versuch der Wiederbelebung seiner Skandalgeschichte aus dem Vorjahr startete Spiegel Online am Wochenende. Ein Beitrag mit kaum neuen Fakten wird unter der Überschrift "Wie stark wird bei Umfragen noch getrickst?" veröffentlicht. Whistleblower werden weiterhin gesucht.

In dem Beitrag, der versucht die Brisanz der Situation wieder aufzugreifen, wird berichtet, dass Martin Thöring, der einzige namentlich genannte Zeuge für die Vorwürfe der gefälschten Telefon-Umfragen, sich wundert und gar enttäuscht ist, dass keine anderen Whisleblower mit Belegen für Manipulationen an die Öffentlichkeit getreten sind. Die Selbstanzeige, die er im September 2017 gestellt hatte, sei noch nicht abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft lasse sich offenbar Zeit. Die Berichterstattung in Spiegel Online habe Thöring vermutlich zur „meistgehassten Person in der Marktforschungsbranche gemacht“, heißt es in dem Bericht von Spiegel-Online-Redakteur Nicolai Kwasniewski.



Dessen Beitrag zum jetzigen Zeitpunkt wirkt recht bemüht an die "Akte Marktforschung" anzuknüpfen. Neue Fakten sind in dem Artikel kaum enthalten. Er berichtet über die Transparenz-Initiative des ADM mit Worten wie „erwecken den Anschein“ und „mit großer Geste“ und zitiert einen anonymen Brancheninsider, der die Kriterien als „intellektuelle Beleidigung“ bezeichnet.

Zu Wort kommt in dem Beitrag Peter Wiegelmann, CEO von Interrogare, der noch vor der Akte Marktforschung im Januar 2018 mit seiner Warnung vor Umfragen, die – ohne Information an die Auftraggeber – von außerhalb Europas durchgeführt wurden (p&a berichtete damals), an die Öffentlichkeit gegangen ist. 

Wiegelmann wird zitiert mit der Aussage: "Es braucht schon viel Erfahrung, Detailwissen und technische Möglichkeiten, um Datenmanipulationen zu vermeiden und zu erkennen." Aufgerufen wird weiterhin, sich an Spiegel Online zu wenden, wenn man brisante Informationen zu gefälschten Umfragen habe. Bisher habe sich jedoch niemand gemeldet, der bereit war sich namentlich nennen zu lassen.

Insgesamt wirkt der Beitrag als Versuch an die Entrüstung von vor einem Jahr anzuknüpfen, ohne allerdings neue Fakten gefunden zu haben. Die Frage, ob sich bei den Usancen im Callcenter wirklich etwas geändert hat, ist freilich berechtigt. Die Preise für CATI-Umfragen sind laut Spiegel unverändert. planung&analyse liegen hingegen Hinweise vor, das diese gestiegen sind. Dies ist vermutlich aber vor allem auf die Einstellung einiger Kapazitäten der GfK zurückzuführen.

PS: Wer sich zu Missständen in der Branche äußern möchte, die es sicherlich immer noch gibt, kann sich gerne auch an planung&analyse wenden. Wir versprechen eine objektive Berichterstattung.

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