Wie sieht das New Normal mit Corona aus?

„Ich muss an das Dinosauriersterben denken“

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Andreas Knappstein (Foto: Bilendi)
Andreas Knappstein (Foto: Bilendi)
Andreas Knappstein, Geschäftsführer DACH beim Panelbetreiber Bilendi, sieht weiterhin Forschungsbedarf und fühlt sich angesichts der Krise an die Darwinschen Evolutionstheorie erinnert. Nach dem einschneidenden Erlebnis wird es aber einen Reset geben.
Wie kann für die Marktforschung ein New Normal aussehen? Welche Änderungen sind vorübergehend. Was wird bleiben? Das Virus, die damit zusammenhängenden Beschränkungen sowie dessen Auswirkungen auf unser Verhalten wird uns langfristig beschäftigen. Daher wird das "new normal" keine vorübergehende Erscheinung sein. Den Auftraggebern wird langsam klar, dass es nicht funktioniert, für ein paar Wochen "die Luft anzuhalten" und Marktforschungs-Budgets einzufrieren, um abzuwarten bis alles wieder so ist wie früher.  Es gibt aus meiner Sicht nun zwei wesentliche Kräfte, die einen großen Einfluss auf die Marktforschung in den kommenden Monaten und Jahren haben werden. 

1. Der Markt für Marktforschung
Ausnahmslos jeder Mensch hat in den letzten Wochen einschneidende Erlebnisse gehabt. Wir resetten uns gerade. Ein Großteil der Menschheit verändert sich und wird nicht mehr so fühlen, denken, entscheiden wie vor der Krise, ob bewusst oder unbewusst.
Marken und Unternehmen werden in den nächsten Monaten und Jahren einen verstärkten Bedarf haben, Ihre Kunden und Konsumenten besser zu verstehen, um den Service und das Produkt anzubieten, was langfristigen Erfolg bringt. Und das betrifft durchweg alle Branchen. Einige Branchen werden sich gar fast neu erfinden müssen. Daher glaube ich immer fester daran, dass das "new normal", einen neuen kleinen Boom in der Marktforschung mit sich bringen wird.
2. Transformation der Methoden
Im Rahmen des Machbaren und Möglichen werden Methoden mit persönlichem Kontakt auch weiterhin stattfinden. Ich befürchte allerdings, dass es einen dauerhaften Rückgang zu verzeichnen gibt bei Methoden, bei denen direkter Kontakt zu Probanden besteht. Zudem haben wir in unseren Home-Offices im Selbsttest beobachten können, dass Video-Konferenzen auf einmal doch recht gut funktionieren. Die digitale Transformation wird sich nochmals beschleunigen. Das heißt für mich, dass wir mehr Marktforschungsunternehmen sehen werden, die sich stärker wandeln, um dem "new normal" gerecht zu werden. Es wird einfach noch mehr digital passieren. 



Welche Aufgaben müssen jetzt besonders dringlich in Angriff genommen werden? Von Ihrem Unternehmen oder auch von anderen Playern (Kunden, Branchenverbänden, Staat etc...)? Die Erfahrungen, die wir Marktteilnehmer in dieser spannenden Zeit machen werden, die müssen wir teilen mithilfe eines aktiven Austausches von Erfahrungen und Inhalten. Dafür eignen sich natürlich Branchenevents, vielleicht zunächst verstärkt virtueller, später aber sicher auch wieder persönlich. Hier stehen sowohl die Verbände, als auch die Medienpartner, die Institute oder Unternehmen in der Verantwortung, Ihren Teil beizutragen.

Was beschäftigt Sie, als Forscher, ganz persönlich in dieser Krisenzeit? Was gerade geschieht ist spannend und zugleich faszinierend. Noch nie war die Darwinschen Evolutionstheorie übertragen auf die Wirtschaft so brachial spürbar. Ohne Vorwarnung blieb keine Zeit, sich auf diese dauerhaften Veränderungen einzustellen - ich muss unweigerlich an das Dinosauriersterben nach dem Meteoriteneinschlag denken. Aber schon heute begegnet man auch neuen Arten (von Produkten und Services), die sich an die veränderte Situation angepasst habe. Was uns betrifft, momentan sehen wir starke Responseraten in unseren Bilendi Panels. Mittelfristig wird das digitale Gesamtangebot für uns Menschen weiter steigen. Daher beschäftigt mich die Frage, wie wir als Panel Anbieter sicherstellen, dass wir auch zukünftig einen digitalen Nutzungs-Slot bei unseren Teilnehmern bekommen?
Wir haben zum Glück ein tolles erstes Quartal gehabt – wahrscheinlich wie viele noch. Einzig in der ersten Woche nachdem der Lockdown verkündet wurde, da kamen recht wenig Aufträge rein. Es fühlte sich an wie eine Schockstarre. Wir haben uns dann vorbereitet und alle Infos zu den Finanzhilfen zusammengetragen. Aber zu unserer eigenen Überraschung verzeichneten wir dann auch mit unseren Kunden aus der DACH-Region im April einem 35 Prozent höheren Auftragseingang als im April 2019. Und so wie es aussieht, werden wir auch insgesamt ein gutes 2. Quartal erreichen. Wir haben daher bisher keinerlei Unterstützung in Anspruch nehmen müssen.
Aufgrund der Erfahrung aus den letzten zwei Monaten rechnen wir nicht mit einem Umsatzeinbruch. Im Vergleich zur Branche denke ich daher, dass wir weniger betroffen sind.
Bilendi im planung&analyse mafonavigator

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