Voices of the Leaders of Tomorrow

Was die Entscheidungsträger von morgen bewegt

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Datenschutz, soziale Medien, Künstliche Intelligenz: Daran führt kein Weg vorbei, wenn es um Zukunft unserer digitalen Welt geht. In einer Studie des Nürnberg Instituts für Marktentscheidungen äußern sich nun ausgewählte „Leaders of Tomorrow“ zu diesen Themen. Dabei stellt sich heraus: Diese legen vor allem Wert darauf, dass individuelle Freiheiten das Gemeinwohl nicht überschatten.
„Human Freedom and Choice in the Light of Technological Change“ – dies ist der Titel der diesjährigen „Voices of the Leaders of Tomorrow“ Studie des Nürnberg Instituts für Marktentscheidungen, die in Kooperation mit dem St. Gallen Symposium nun zum siebten Mal durchgeführt wurde. Darin geht es um menschliche Freiheiten und Entscheidungen unter Berücksichtigung des technologischen Wandels. Befragt wurden knapp 900 herausragende junge Führungskräfte, Start-up-Gründerinnen und -Gründer und Studierende – die „Leaders of Tomorrow“ – aus über 90 Ländern. Sie wurden aus dem Netzwerk des St. Gallen Symposiums ausgewählt, einer Initiative, die junge Hoffnungsträger aus aller Welt zusammenbringt. Die Interviews fanden im Februar diesen Jahres online statt.

Freiheit braucht auch Grenzen

Eine der Grunderkenntnisse der Studie: Individuelle Freiheit braucht laut der Führungskräfte von morgen immer auch Grenzen – das sagen insgesamt 74 Prozent der Befragten. Diese Einstellung spiegelt sich besonders in der Bewertung des Verantwortungsbewusstseins älterer Generationen sowie der Haltung gegenüber sozialer Netzwerke wider. Demnach sind 84 Prozent der „Leaders of Tomorrow“ der Meinung, die ältere Generation habe in der Vergangenheit ihre Freiheit missbraucht, vor allem im Hinblick auf die Ausbeutung der Umwelt zugunsten des Wirtschaftswachstums.
Methode
Die Studie wurde im Februar diesen Jahres durchgeführt. Befragt wurden knapp 900 herausragende junge Führungskräfte, Start-up-Gründerinnen und -Gründer und Studierende aus über 90 Ländern. Sie wurden aus dem Netzwerk des St. Gallen Symposiums ausgewählt, einer Initiative, die junge Hoffnungsträger aus aller Welt zusammenbringt. Als Methode wurde eine Online-Befragung gewählt.
75 Prozent der Befragten sind außerdem dafür, die freie Meinungsäußerung im Internet einzuschränken, wenn Menschen beispielsweise Opfer von Hassbotschaften werden. Das kann unter anderem die Zensur von Fake News und Hate Speech durch soziale Netzwerke beinhalten, was 47 Prozent der Befragten als notwendig und weitere 40 Prozent als akzeptabel bewerten. Auch die Idee, Facebook und Co. für die auf den jeweiligen Plattformen veröffentlichten Inhalte verantwortlich zu machen, finden 40 Prozent notwendig und 44 Prozent akzeptabel.


Trotzdem: allein können und sollten die Plattformanbieter die Verantwortung nicht tragen. Die größte Verantwortung bezüglich des Umgangs mit persönlichen Daten in sozialen Netzwerken weisen die Befragten staatlichen Institutionen zu (41 von 100 Punkten); es folgen Plattformanbieter (35 Punkte) und die Nutzer selbst mit 24 Punkten. Ganze 60 Prozent würden übrigens über einen Verzicht auf ihre Online-Anonymität nachdenken, wenn dies dabei hilft, Verbreiter von Hassbotschaften leichter zur Rechenschaft zu ziehen.

Kritik am Datensammeln

Ähnlich kritisch zeigen sich die Befragten beim Thema Datenschutz. So empfinden 67 Prozent von ihnen Algorithmen, die filtern, welche Inhalte Nutzer online sehen, als Einschränkung der Informationsfreiheit. 68 Prozent sprechen sich zudem für einen „Opt-In-Default“ aus – also dafür, dass Websites nur dann Nutzerdaten sammeln dürfen, wenn die User dem ausdrücklich zustimmen. Für das Sammeln und Nutzen dieser Daten sehen 67 Prozent der Befragten eine finanzielle Entschädigung der Internetnutzer als angemessen an.
Eine Mehrheit der Befragten lehnt es ab, wenn Konsumenten aufgrund ihrer Datenprofile unterschiedliche Preise für dieselben Produkte zahlen sollen. Auch dem sogenannten "Nudging" stehen sie äußerst kritisch gegenüber.
© NIM
Eine Mehrheit der Befragten lehnt es ab, wenn Konsumenten aufgrund ihrer Datenprofile unterschiedliche Preise für dieselben Produkte zahlen sollen. Auch dem sogenannten "Nudging" stehen sie äußerst kritisch gegenüber.
Außerdem sind 76 Prozent der Teilnehmer der Meinung, dass es inakzeptabel oder zumindest unfair ist, wenn Unternehmen technische Voreinstellungen zur Beeinflussung individueller Entscheidungen anwenden – das sogenannte „Nudging“. Auf den Standort des Users zugeschnittene Werbung sieht knapp die Hälfte, nämlich 46 Prozent, kritisch. Das Thema Datenschutz ist also essenziell für die Zukunft wirtschaftlicher Entscheidungen, zumindest, wenn es nach den „Leaders of Tomorrow“ geht. 92 Prozent von ihnen wünschen sich in Zukunft Geschäftsmodelle, die Transparenz und Datenschutz garantieren – aber nur 44 Prozent glauben, dass dieser Wunsch auch realistisch ist.

Künstliche Intelligenz ja – aber mit menschlicher Hilfe

Neben Datenschutz und Social Media ist auch das Thema Künstliche Intelligenz (KI) eines, was bei der Debatte um den technologischen Wandel nicht fehlen darf. Und auch hier haben die „Leaders of Tomorrow“ eine klare Meinung. Mehr als die Hälfte von ihnen glaubt, dass KI in Zukunft in vielen Unternehmen eine Schlüsselrolle spielen wird. Während 53 Prozent der Befragten der KI die Auswahl von Stellenbewerbern überlassen würde, erklären sich 76 Prozent bereit, diese bei der Produktentwicklung zu Rate zu ziehen, und 89 Prozent würden KI beispielsweise bei der Gewährung von Kundenrabatten einsetzen.
Künstliche Intelligenz wird nach Ansicht der "Leaders of Tomorrow" in Zukunft eine wichtige Rolle in der Unternehmensführung spielen.
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Künstliche Intelligenz wird nach Ansicht der "Leaders of Tomorrow" in Zukunft eine wichtige Rolle in der Unternehmensführung spielen.
Aber, so relativiert Dr. Andreas Neus, Geschäftsführer des Nürnberg Institut für Marktentscheidungen, in einer Pressemitteilung: „Den Leaders of Tomorrow ist es bei aller Offenheit für neue Technologien ein sehr wichtiges Anliegen, die menschliche Entscheidungsfreiheit gegen den wachsenden Einfluss von künstlicher Intelligenz und kommerziellen Interessen zu verteidigen“. Denn dass die KI alleinige Entscheidungen trifft, befürwortet nur eine verschwindend geringe Zahl der Befragten.

Zur Studie >>


Lesen Sie auch das Firmenprofil vom Nürnberg Institut für Marktentscheidungen>>

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