Vermischung von Umfragen mit Verkauf

Rat der Deutschen Markt- und Sozialforschung erteilt Rüge

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Die Primus GmbH aus Konstanz betreibt unter dem Deckmantel einer Umfrage eine Verkaufstätigkeit. Somit liegt ein gravierender Verstoß gegen die Standesregeln der deutschen Marktforschung vor. Der Rat der Deutschen Markt- und Sozialforschung erteilt dem Unternehmen eine Rüge

Die Primus GmbH hat Verbraucher angeschrieben und mit einem beigelegten Fragebogen zur Teilnahme an einer sogenannten repräsentativen Bürgerbefragung zum Thema „30 Jahre Deutsche Einheit“ aufgerufen. Für die Teilnahme an der Umfrage wird eine Luxus-Armbanduhr als Incentive in Aussicht gestellt. Dieses Gratis-Dankeschön ist jedoch nur erhältlich, wenn „Goldbarren“ bestellt werden, die in dem Werbeschreiben zum einmaligen Vorzugspreis angeboten werden.

Das „Dankeschön“ für die Umfrage ist also im Grunde eine Zugabe zu einer Bestellung. Die entstehenden Kosten sind für die Verbraucher nicht unbedingt absehbar. Alternativ wird auf die Möglichkeit der Teilnahme an einer Online-Umfrage verwiesen. Die Primus GmbH vermischt damit eine Datenerhebungsmethode (Bürgerumfrage) mit verkaufsfördernden Maßnahmen und betreibt unter dem Deckmantel einer Umfrage eine Verkaufstätigkeit. Somit liegt ein gravierender Verstoß gegen das Trennungsgebot.


Das Trennungsgebot schreibt vor, dass forschungsfremde Tätigkeiten wie Marketing und Werbung strikt von Umfrageforschung zu trennen ist. Dies gilt gemäß Ziffer 4 der Deutschen Erklärung Internationalen Kodex zur Markt-, Meinungs- und Sozialforschung von zum ICC/ESOMAR.

Der Rat der Deutschen Markt- und Sozialforschung hat dem Unternehmen Primus GmbH aus Konstanz nach Überprüfung von zwei eingegangenen Beschwerden zum gleichen Sachverhalt eine öffentliche Rüge erteilt. Denn diese Verbrauchertäuschung füge dem Ansehen der deutschen Markt- und Sozialforschung einen erheblichen Schaden zu.

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