Verkauf vollzogen

WPP verkauft Mehrheit von Kantar an Bain Capital

Kantar-Chef Eric Salama
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Kantar-Chef Eric Salama
Der Deal hatte sich schon länger abgezeichnet, jetzt ist er in trockenen Tüchern: Der amerikanische Finanzinvestor Bain Capital übernimmt 60 Prozent der Anteile der Marktforschungstochter Kantar vom Medien- und Werbekonzern WPP. Was bedeutet die Übernahme für Kantar?
Bereits Anfang Juli hatte WPP bestätigt, dass es mit Bain Capital über den Verkauf von Kantar-Anteilen verhandelt. Zuvor hatten eine ganze Reihe anderer Finanzinvestoren mitverhandelt. Nun ist es offiziell, dass 60 Prozent der Anteile von Kantar an Bain Capital gehen. Mit seinem Engagement bewertet Bain den international tätigen Marktforscher mit 4 Milliarden US-Dollar (3,56 Milliarden Euro). Die Grundlage dieser Bewertung sei das 8,2 fache EBITDA von Kantar aus dem Jahr 2018, heißt es in der Mitteilung von WPP zu dem Verkauf. Das Unternehmen rechnet nach Abzug diverser Kosten mit einem Nettofluss von 3,1 Milliarden US-Dollar.


Hintergrund des Deals ist, das WPP insgesamt sein Geschäft rentabler aufstellen will. Die Marktforschungstochter stand viele Bilanzen lang immer hinter den Erwartungen zurück. Auf der anderen Seite sollen die Dienstleistungen des Datenanalyse- und Beratungsunternehmens weiterhin den anderen WPP-Töchtern und deren Kunden zur Verfügung stehen. Daher behält WPP einen Anteil von 40 Prozent an Kantar.

Durch den Deal will WPP zum einen seine Schulden reduzieren, zum anderen rund 1,2 Milliarden US-Dollar an seine Anteilseigner zurückgeben. WPP geht davon aus, dass der Deal Anfang 2020 komplett abgeschlossen sein wird. Er steht derzeit noch unter Vorbehalt der WPP-Aktionäre sowie der Wettbewerbsbehörden

Daten werden zum Muss

Dass Daten für Unternehmen unerlässlich sind, gilt mittlerweile ubiquitär. Die Kunst ist, die wachsende Anzahl von Datenquellen zu beherrschen und daraus die richtigen Insights zu generieren. Dem Wall Street Journal sagte WPP-Chef Mark Read, er wolle, dass sich das Unternehmen anstatt auf Datenbesitz auf datengesteuertes Marketing konzentriere. Auch Bain-Geschäftsführer Luca Bassi unterstreicht die branchenübergreifende Bedeutung der Marktforschung, die er als „Eckpfeiler der unternehmerischen Entscheidungsfindung“ bezeichnet. Zusätzlich zur Analyse und Interpretation der Daten will er dafür zunehmend in Technologie investieren, heißt es.


Kantar, mit einem Umsatz von zuletzt 2,5 Milliarden Britischer Pfund zweitgrößter Marktforscher der Welt, ist in über 100 Ländern aktiv. Im Vorfeld des Verkaufs wurde die Struktur des Unternehmens bereits vereinheitlicht. Die zahlreichen zuvor unter eigenem Namen firmierenden Töchter heißen jetzt alle Kantar. Wie die Strukturen in den einzelnen Ländern, wie auch in Deutschland, nivelliert werden, soll in den kommenden Monaten bekannt gegeben werden. Bislang gab es für einzelne Unternehmen etwa Kantar TNS, Millward Brown, Kantar Added Value oder Lightspeed, jeweils eine eigene Führungsmannschaft. Über künftige Besetzungen bei Kantar ist bisher nichts bekannt geworden.

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