Unstatistik des Monats

Warum die Deutschen während der Pandemie keine 5 Kilo zugenommen haben

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Bei der Interpretation von Statistiken ohne genaues Hinsehen unterlaufen häufig Fehler. Die „Unstatistik des Monats“ – regelmäßig veröffentlicht von Statistikern – deckt diese Fehler bei der Verwendung von Statistiken auf. Diesen Monat am Beispiel eines ZEIT Online Artikels, der von der alarmierenden Gewichtszunahme der Deutschen seit Beginn der Pandemie berichtete.

Von Beginn an

Am 07. Juli 2021 veröffentlichte die ZEIT Online einen Artikel mit dem Titel „Wie kriegen wir das wieder runter?“. Gemeint sind die 5,6 extra Kilo, die die Deutschen während der Pandemie laut einer Studie des Marktforschungsinstituts Forsa für das Else Kröner Fresenius Zentrum für Ernährungsmedizin (EKFZ) an der Technischen Universität München (TUM) zugelegt haben sollen.
Über die Unstatistik des Monats:
Der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer, die STAT-UP-Gründerin Katharina Schüller und RWI-Vizepräsident Thomas K. Bauer stellen mit der „Unstatistik des Monats“ regelmäßig aktuell publizierte Zahlen und deren Interpretationen infrage.
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Für die Studie hatte das Forsa-Institut im April dieses Jahres 1.001 Personen in Deutschland im Alter zwischen 18 und 70 Jahren zu ihrem Lebensstil und ihrer Ernährung in Corona-Zeiten befragt. Im Zuge der Studie gaben 48 Prozent der 30- bis 44-Jährigen an, seit Beginn der Pandemie zugenommen zu haben. Im Durchschnitt liege die Gewichtszunahme bei 5,6 Kilo, bei Menschen mit einem BMI von über 30 sogar bei 7,2 Kilo. Die ZEIT schlussfolgert aus dieser Befragung: „Gut fünf Kilo haben die Deutschen im vergangenen Jahr zugenommen“.

Die Verfasser der „Unstatistik des Monats“ stellen diese Aussage richtig, denn: Bei den 5,6 Kilogramm, die die Deutschen seit Beginn der Pandemie zugenommen haben sollen, handle es sich lediglich um einen bedingten Mittelwert.

Bedingter Mittelwert

Die Studie zeigt zwar, dass die Deutschen im Durchschnitt 5,6 Kilogramm zugenommen haben, diese Zahl bezieht sich allerdings nur auf die Befragten, die seit Anfang der Pandemie zugenommen haben. Die 5,6 Kilogramm Gewichtszunahme stellen also nur einen bedingten Mittelwert dar. Addiert man allerdings die 11 Prozent der Befragten, die seit Pandemiebeginn im Schnitt 6,4 Kilo abgenommen haben und die 48 Prozent, die ihr Gewicht halten konnten, so erhält man im Gesamtdurchschnitt eine Gewichtszunahme von lediglich 1,5 Kilogramm.

Eine Mitschuld an der Fehlinterpretation der ZEIT und anderer Medien, wie dem MDR, dem Sonntagsblatt und der Passauer Neuen Presse, sehen die Verfasser der Unstatsitik auch in der Pressemitteilung der TMU. Dort heißt es: „Im Durchschnitt liegt die Gewichtszunahme bei 5,6 Kilo.“, ohne den Hinweis darauf, dass dies lediglich der Durchschnitt derjenigen Befragten ist, die überhaupt zugenommen haben.

Die „Unstatistik des Monats“ erscheint regelmäßig und wird von der Universität Dortmund veröffentlicht.
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