Tiefenpsychologische Studie

So verändert Corona unser Essverhalten

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Die Corona-Pandemie hat teils drastische Auswirkung auf viele alltägliche Lebensbereiche – auch auf unsere Essgewohnheiten, wie aus einer neuen tiefenpsychologischen Studie von Kulinaria Deutschland e.V. und dem rheingold Institut hervorgeht. In dieser wurden Teilnehmer zu ihrem Koch-, Ess- und Einkaufsverhalten befragt. Besonders Convience-Produkte erfahren demnach einen Popularitätsschub.
In der qualitativen Studie führten die Forscher des rheingold Instituts 20 jeweils zweistündige tiefenpsychologische Interviews durch. Unter den Befragten waren 12 Frauen und 8 Männer im Alter von 25 bis 65 Jahren. Auftraggeber war der Verband der Hersteller kulinarischer Lebensmittel, Kulinaria Deutschland e.V., dem rund 130 mittelständische Unternehmen der Lebensmittelindustrie angehören. Zu den kulinarische Lebensmitteln zählen beispielsweise Suppen, Saucen, Backmischungen und Feinkost.


Die Corona-Pandemie hat das Alltagsleben der Menschen auf den Kopf gestellt. Es liegt nahe, dass sich mit den neuen Einschränkungen und Herausforderungen auch Koch- und Essgewohnheiten geändert haben. Genau das bestätigt nun auch die Studie mit dem Titel „Das Coronavirus und die neue kulinarische Esskultur“, in der die Forscher des rheingold Instituts die Veränderungen im Bereich Essen sowie deren Treiber in sechs Gruppen einteilten.

Essen erfüllt psychologische Funktionen

Zunächst einmal wirken sich Einschränkungen wie das Tragen einer Maske beim Einkauf, aber auch die Erfahrung, dass einige Lebensmittel nur begrenzt vorhanden sind, auf die Art und Weise aus, wie und welche Produkte gekauft werden. Dadurch sind beispielsweise Produkte, die sich gut für die Vorratshaltung eignen, gefragt. Zum anderen führt eine neue Strukturierung des Alltags, beispielsweise auch die Arbeit im Home-Office, dazu, dass insgesamt häufiger gekocht und gegessen wird, so die Forscher.

Außerdem erfüllt Essen Funktionen, die über die bloße Nahrungsversorgung hinaus gehen. Gerade in Krisenzeiten sind diese nicht zu unterschätzen. Eine dieser Funktionen ist, dass das gemeinsame Essen regelrecht zusammenschweißen kann, beispielsweise, wenn Sorgen und Ängste am Essenstisch geteilt werden. Außerdem kann das Kochen, Backen oder Verzehren von Produkten teilweise die Tristesse des Alltags kontern, für die zum Beispiel der Wegfall von Freizeitangeboten sorgt. Dies hilft zudem, kreativ und aktiv zu bleiben.

Werteverschiebung: Von Perfektion zu Gemeinschaftserlebnis

Letztlich, so geht aus der Studie hervor, sorgt die Corona-Krise insgesamt für eine Werteverschiebung im Bereich Essen. Denn während vor der Pandemie Instagram-taugliche Fotos von Speisen und eine Selbstprofilierung über das eigene Essverhalten im Vordergrund standen, so die Herausgeber der Studie, zähle jetzt die Devise: Gesundes Maß statt Perfektion. „Spaß und Gemeinschaftserleben tritt an die Stelle von Exklusivität und Exzellenz,“ formuliert es Studienleiter Sebastian Buggert. Übrigens: Auch das Thema Nachhaltigkeit scheint in der Krise mehr in den Vordergrund zu rücken. So beobachten die Forscher des rheingold Instituts einen Trend hin zum regionalen und saisonalen Einkauf.


Gewissermaßen spiegelt sich in den Essgewohnheiten der Befragten also das wider, was die Menschen allgemein in den Zeiten der Krise empfinden. So profitieren zum Beispiel Desserts von einem gestiegenen Bedürfnis nach Wärme, Süße und Genuss, während Würzsoßen helfen, den manchmal tristen Corona-Alltag aufzuheitern. Generell verzeichnen die Forscher eine gestiegene Offenheit der Studienteilnehmer für Convience-Produkte, verpackte und vorgekochte Lebensmittel sowie Hilfsprodukte – ein Audruck der Sehnsucht nach Abwechslung und Erleichterung, die viele Menschen während der Krise verspüren. Denn diese Produkte signalisieren laut der Studienherausgeber nicht nur Sicherheit und Hygiene, sondern eine – gerade in Krisenzeiten – legitime Erleichterung beim Kochen. Diese Veränderungen sind laut Aussage der Studienmacher nicht nur kurzfristige Erscheinungen, sondern werden sich teilweise langfristig halten.

Zur Studie>>

Lesen Sie auch das Firmenprofil des rheingold Insituts im p&a mafonavigator>>
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