Studiobetreiber in Deutschland

„Manchmal haben wir einfach nur zusammen geheult“

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Vorstand des VDDT, Ute Wenzel, Olaf Dose, Tim Thelen-Liesenfeld, im Gespräch mit Sabine Hedewig-Mohr
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Vorstand des VDDT, Ute Wenzel, Olaf Dose, Tim Thelen-Liesenfeld, im Gespräch mit Sabine Hedewig-Mohr
Geteiltes Leid ist halbes Leid. In Corona-Zeiten sind die Studiobetreiber zusammengerückt. Unter Einhaltung von Hygieneregeln und mit neuer Ausstattung läuft der Betrieb jetzt allmählich wieder an. Das berichtet der Vorstand des Verbandes der deutschen Teststudios im Interview. Mit Video. Die Teilnehmer haben jedenfalls keine Einwände. Das zeigen die Ergebnisse einer Befragung, deren Kernergebnisse planung&analyse exklusiv berichtet. 
„Die Corona-Krise ist für die Studiobetreiber verheerend“, sagt Ute Wetzlar, Vorsitzende des VDDT, des Verbandes der deutschen Teststudios, der sich bereits im vergangenen Jahr gegründet hatte, aber nun seine Bewährungsprobe erfuhr. „Wir hatten zwei bis drei Monate vollkommenen Stillstand, weil unser Geschäft nun mal Face-to-Face ist, oder besser gesagt Face-to-Face war“, sagt sie und darin schwingt durchaus die Unsicherheit mit, wie das Geschäft nun weitergehen wird.


Der Einbruch ist fatal. Mit 70 bis 80 Prozent Umsatzschwund rechnen die Anbieter. Die komfortabel ausgestatteten Studios in teuren 1a-Innenstadtlagen haben wochenlang leer gestanden. Trotz Hygienekonzept und Plexiglastrennwänden: „Wir kommen langsam aus der Talsohle raus, aber sehr, sehr langsam“, so Wetzlar. 

Zusammenhalt in der Krise

Aber eine positive Seite an dieser Krise war der Zusammenhalt zwischen den Studiobetreibern und das betrifft durchaus nicht nur die zehn Verbandsmitglieder, sondern auch die ADM-Interessengemeinschaft Teststudios, die sich vor einigen Wochen gegründet hatte.

Die Initiative der Studiobetreiber einen neuen – nach ADM, BVM, DGOF, und ASI – fünften Branchenverband, den VDDT, zu gründen war nicht bei allen auf Begeisterung gestoßen. Der ADM sah aber durchaus die Notwendigkeit, etwas für die Studiobetreiber zu tun. So wurde die ADM-Interessengemeinschaft ind Leben gerufen, dort sind derzeit die Studiobetreiber Herzog & Glaser, Krämer und Schlesinger, ehemals Schmiedl miteinander verknüpft. Erste Veröffentlichung ist ein Hygienekonzept, welches Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung vorschlägt.
Teststudios in Not
Dieser Beitrag ist ein erster Preview eines Beitrags in planung&analyse in Heft 3/20. Zu Wort kommen dort weitere Teststudio-Betreiber sowie qualitative Forscher. Bitte noch ein bisschen Geduld!


Die Corona-Krise schweißt zusammen und in den vergangenen Wochen haben sich alle Studiobetreiber, auch die, die nicht im VDDT Mitglied sind, zu regelmäßigen Calls zusammengefunden. „Wir haben uns gegenseitig geholfen, die Anträge zu stellen, sei es für Kurzarbeit oder staatliche Hilfen, die die Studiobetreiber allesamt in Anspruch genommen haben“, erläutern Tim Thelen-Liesenfeld, der 2. Vorsitzender des VDDT ist, obwohl sein Unternehmen Förster & Thelen auch ADM-Mitglied ist. „Wie haben uns über die Hygienemaßnahmen ausgetauscht und manchmal haben wir einfach nur zusammen geheult“, ergänzt Wetzlar.

Ein Appell an die Branche

Dann wurde im Juni ein gemeinsamer Hilferuf gestartet, ein Appell an Institute und Auftraggeber, die Dienstleistung der Studios wieder in Anspruch zu nehmen, eine deutliche Erklärung "Wir sind bereit!". Die Petition habe positive Resonanz in der Branche erzeugt, berichtet Olaf Dose, Schatzmeister des VDDT und Geschäftsführer von Dose Marktforschung. Soweit zu gehen, wirklich einen Solidaritätsbeitrag zu zahlen, ging jedoch nur ein Kunde. Das Berliner Institut Point Blank International hatte sich entschlossen für einen begrenzten Zeitraum, die Rekrutierung eines Teilnehmers für eine Online-Befragung zusätzlich zu entlohnen. „Das war wirklich eine absolute Ausnahme und wir waren sehr erfreut“, berichtet Wetzlar von diesem Vorgang.

Bei den regelmäßigen Treffen entstand auch die Idee, eine Umfrage unter den Teilnehmern durchzuführen. Für diese sei die Einhaltung der Regeln kein Problem, das seien sie aus ihrem Einkaufsalltag bereits gewöhnt, so Dose. 
Erste Ergebnisse der Befragung des VDDT
Ein Großteil der deutschen Teststudiobetreiber hat auf Initiative des VDDT eine Umfrage mit ihren Testpersonen durchgeführt :
-          Befragt wurden bundesweit 10873 Personen
-          91% der Befragten würden gern an F2F-Mafo im Studio teilnehmen.
-          Von denen, die bereits teilgenommen haben, haben sich 96% im Studio sicher gefühlt, vor allem wegen
a.) guter Vorbereitung der Studios bzgl. Hygiene- und Abstandsregeln
b.) Einhaltung der Vorschriften seitens der Studiomitarbeiter
c.) achtsamem Umgang der anderen Studienteilnehmer


Wie trotz dieser trauten Einigkeit dennoch ein Preiswettbewerb entsteht und ob die Kluft zwischen dem VDDT und den anderen Verbänden überwindbar ist, dazu mehr in unserem Gespräch mit Ute Wetzlar, Olaf Dose und Tim Thelen-Liesenfeld vom VDDT.
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