Studien der Woche

Bitkom / Indeed / Kantar / Heute und Morgen / Innofact / Uni Leipzig & g/d/p

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Wie haben sich die Einstellung älterer Menschen gegenüber der Digitalisierung und der Arbeitsmarkt im Zuge der Corona-Pandemie verändert? Wie gut läuft das Homeschooling tatsächlich und wie viele nutzen die Corona-Warn-App? Welches ist das beliebteste Zahlungsmittel in der Schweiz? Außerdem: Ärztliche Triage - Zwei Corona-Patienten und nur ein Beatmungsgerät.

Senioren und Digitalisierung

Das Internet kann zu Corona-Zeiten vor allem für ältere Menschen von großem Nutzen sein. Im Zuge dessen hat sich für viele ältere Menschen auch das Bild von der Digitalisierung gewandelt. 40 Prozent der Befragten geben an, dass sie der Digitalisierung seit Corona positiver gegenüberstehen, wohingegen nur 23 Prozent die Digitalisierung negativer sieht als zuvor. Zudem waren 92 Prozent der Befragten ab 65 Jahren, die das Internet bereits nutzen, über die Möglichkeiten positiv überrascht. Dahingegen waren nur sechs Prozent enttäuscht. 58 Prozent geben außerdem an, dass das Internet eine große Hilfe dabei war, besser durch die Corona-Krise zu kommen und 38 Prozent konnten primär über das Internet Kontakt zu Verwandten, Freunden und Bekannten halten. Diese neu erworbenen Fähigkeiten wollen 33 Prozent der Internetnutzer über 65 Jahren langfristig nutzen. 13 Prozent haben sich sogar wegen der Corona-Krise neue digitale Geräte angeschafft.
Hier geht es zur Studie des Bitkom >>

Neue, alte Arbeitswelt

Die Jobbörse Indeed hat im Juni Arbeitnehmer und Arbeitssuchende befragt, wie Corona sich auf ihre Jobsituation und ihren Ausblick auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt hat. Für knapp 60 Prozent der befragten Beschäftigten hat sich die Arbeitssituation nicht verändert. In Deutschland ist zudem nur ungefähr ein Viertel der Befragten in das Home Office umgezogen, in Indien hingegen waren es 61 Prozent. Nur ein gutes Drittel der Befragten in Deutschland glaubt, dass die flexible Wahl des Arbeitsorts sich langfristig durchsetzen wird. In Kanada (50 Prozent), Australien (49 Prozent) und Großbritannien (48 Prozent) sehen deutlich weniger Befragte ein Problem hinsichtlich des Arbeiten im Home-Office. In Deutschland wurden nur vier Prozent der Befragten entlassen, was weit unter dem internationalen Wert liegt. Insbesondere die Befragten aus der USA (acht Prozent) leiden deutlich stärker unter den Corona-bedingten Jobverlusten.
Hier geht es zur Studie von Indeed >>

Homeschooling

In 85 Prozent der befragten Haushalte, in denen schulpflichtige Kinder leben, fand während der Corona-Pandemie digitaler Schulunterricht oder digitaler Austausch mit den Lehrkräften statt. Etwa die Hälfte der Eltern war mit dieser Lösung zufrieden, nur ein Drittel hingegen unzufrieden. Die Gestaltung des Online-Unterrichts hing hierbei stark von den Digitalkompetenzen, dem Können und dem Engagement der Lehrkräfte ab. 54 Prozent der befragten Eltern waren zufrieden mit den Digitalkompetenzen. Jedoch gaben 42 Prozent an, dass die Lehrkräfte mit den digitalen Anwendungen überfordert gewesen wären. 75 Prozent der Eltern berichteten von Hürden aufgrund fehlender Unterstützung durch die Schulen, Internetproblemen oder mangelnder Digitalkompetenzen der Lehrkräfte. Zu wenig oder zu alte Geräte nannten nur wenige befragte Eltern (14 Prozent) als Hürde.
Hier geht es zur Studie von Kantar >>

Corona-Warn-App

Laut einer Studie von Heute und Morgen haben 34 Prozent der Befragten in Deutschland über 18 Jahren die Corona-Warn-App der Bundesregierung bereits installiert. 41 Prozent wollen die App, obwohl sie sie kennen, laut eigener Aussage auf keinen Fall installieren. Sechs Prozent der 18- bis 65-jährigen kennen die App nicht einmal. Das zeigt, dass viele Menschen nicht richtig über die App aufgeklärt sind. So geben nur fünf Prozent der befragten Deutschen an, von ihrer Krankenkasse zur Corona-Warn-App informiert worden zu sein. Vermisst wurden zudem Handlungsanweisungen bei Warnmeldungen (80 Prozent) und Informationen zur Funktionsweise (70 Prozent) der Warn-App sowie auch Hinweise zum Datenschutz (53 Prozent) und zur Kostenübernahme von Folgeprozessen im Warnfalle (51 Prozent). Missverständnisse über die App gilt es ebenfalls aufzuräumen. Ein Drittel der deutschen Befragten denkt beispielsweise, dass die App den persönlichen Aufenthaltsort der Nutzer aufzeichnen und die persönliche Einhaltung der Corona-Abstandsregeln nachverfolgen würde.
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Kontaktloses Bezahlen

Das Zahlungsverhalten in der Schweiz hat sich, laut einer Online-Befragung, als Folge der Corona-Krise verändert. So nutzen 75 Prozent der Befragten in der Schweiz bereits kontaktloses Bezahlen, vor einem Jahr waren es erst 60 Prozent. Trotzdem fühlen sich 55 Prozent der Befragten mit ihrem Geld bei einer klassischen Bank am sichersten. Den Digitalbanken vertrauen hingegen nur 18 Prozent. Trotz der aktuellen Zunahme gibt es gegenüber digitalen Zahlungsmitteln Bedenken. Zwei von drei Befragten aus der Schweiz haben Sicherheitsbedenken bei Kartenverlust und 55 Prozent vertrauen nicht darauf, dass die Systeme technisch immer einwandfrei funktionieren. Umgekehrt nutzen inzwischen deutlich weniger Befragte Bargeld. Vor Corona hatten 39 Prozent noch täglich mit Bargeld gezahlt, jetzt sind es nur noch 25 Prozent.
Hier geht es zur Befragung von Comparis in Zusammenarbeit mit Innofact >>

Ärztliche Triage

Der Begriff Triage umfasst den Erkenntnis- und Auswahlprozess, der ärztlichen Fachkräften dabei hilft, zu entscheiden, wer zuerst behandelt wird. Wie sollte ärztliches Personal entscheiden, wenn für zwei schwer kranke Covid-19-Betroffene nur ein rettendes Beatmungsgerät vorliegt? - wurden die Studienteilnehmer gefragt. Die Befragten mussten entscheiden, welchen von zwei Erkrankten sie das lebensrettende Beatmungsgerät zuteilen würden oder ob die Wahl zufällig erfolgen sollte. 78 Prozent der Befragten zogen dabei den Patienten mit einer 90-prozentigen Überlebenschance dem Patienten mit einer nur 20-prozentigen Überlebenschance vor. Zudem entschieden sich 77 Prozent für den Fünfjährigen und nicht für den 80-Jährigen, nur 20 Prozent würden es hier dem Zufall überlassen. Hier spielte vor allem das Alter und die familiäre Situation der Befragten eine Rolle: Personen mit zwei oder mehr Kindern wählten deutlich häufiger den Fünfjährigen (87 Prozent), Personen über 60 Jahre seltener (69 Prozent entschieden sich für den Fünfjährigen, 30 Prozent für das Los). Dreiviertel der Befragten würden stets einem Kind den Vorrang vor einem Erwachsenen einräumen. Ein weiteres relevantes Kriterium, nachdem viele Menschen entscheiden würden, ist die Verantwortlichkeit für andere Personen. 60 Prozent der Befragten würden eine Mutter von zwei Kindern einer kinderlosen Frau vorziehen. Zudem würden sich 58 Prozent eher für eine Person entscheiden, die sich trotz Schutzvorkehrungen infiziert hatte, und nicht für diejenige, die sich an einer Corona-Demonstration beteiligt hat oder die Hygieneregeln nicht eingehalten hat.
Hier geht es zur Studie der Universität Leipzig mit der g/d/p Forschungsgruppe >>


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