Studie zu Hate Speech

So sehr schränkt Online-Hass die Meinungsfreiheit ein

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Hetze in Online-Kommentarspalten oder beleidigende Privatnachrichten: Das Klima im Internet wird zunehmend aggressiver. Dass sich das negativ auf die freie Meinungsäußerung auswirken kann, zeigt eine Studie der Forschungsgruppe g/d/p im Auftrag von Elisa Hoven, Professorin an der Universität Leipzig.
Die Studie zum Thema Hate Speech wurde von der Forschungsgruppe g/d/p im Auftrag von Frau Professorin Hoven von der Universität Leipzig durchgeführt. Befragt wurden Anfang Juni diesen Jahres mehr als 1.000 Internetnutzer in Deutschland; als Methode wurde CAWI gewählt. Hoven leitet das durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz geförderte, auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt „Der strafrechtliche Umgang mit Hate Speech im Internet“, dessen erster Teil sich den Ursachen, Erscheinungsformen und Folgen von Hate Speech im Internet widmet.
Methode
Die Umfrage fand Anfang Juni diesen Jahres statt. Befragt wurden mehr als 1.000 Internetnutzer in Deutschland. Als Methode wurde CAWI gewählt.

Jüngere Generation stärker betroffen

Der #StopHateForProfit macht gerade Schlagzeilen. Damit boykottieren Werbungtreibende auf Facebook den – nach Meinung vieler unzureichenden – Umgang der Plattform mit Hass und Diskriminierung. Hate Speech – das können Hasskommentare zu öffentlich geposteten Online-Beiträgen sein, aber auch beleidigende Privatnachrichten. 18 Prozent aller in der aktuellen Studie Befragten waren davon schon einmal selbst betroffen. Dabei fällt auf: Je jünger die Befragten, desto höher der Anteil der Betroffenen. So liegt der Anteil der 16 bis 30-Jährigen, die Opfer von Hass im Internet wurden, bei 32 Prozent, der in der Generation Z allein bei 37 Prozent. Ungeachtet der eigenen Erfahrung mit Hate Speech nehmen 79 Prozent aller Studienteilnehmer eine Zunahme der Aggressivität bei Online-Kommentaren wahr; jene über 60 Jahren noch stärker als jüngere Befragte.
Eine Mehrheit von 79 Prozent ist der Meinung, die Stimmung im Internet ist in den letzten fünf Jahren aggressiver geworden.
© Forschungsgruppe g/d/p / Universität Leipzig
Eine Mehrheit von 79 Prozent ist der Meinung, die Stimmung im Internet ist in den letzten fünf Jahren aggressiver geworden.
Das hat deutliche Auswirkungen auf die Meinungsfreiheit im Internet: 42 Prozent gaben an, aus Angst vor Hassreden eigene Beiträge vorsichtiger zu formulieren oder ganz aufs Posten verzichten. Bei denjenigen, die selbst schon einmal Opfer von Hate Speech wurden, liegt dieser Anteil gar bei 68 Prozent. Die Forscher stellten außerdem fest, dass Befragte unter 40 Jahren in dieser Hinsicht eher zur Vorsicht neigen als Ältere. Sie ziehen das Fazit: „Die zunehmende Aggressivität im Internet schafft ein Klima der Verunsicherung und Angst bei Bürgerinnen und Bürgern und führt zu Einschränkungen von Meinungsäußerungen.“

Befragte fordern Strafen für Hetzer

Seit Kurzem gibt es in Deutschland ein Gesetzespaket gegen Hasskriminalität im Internet. Darin wurde unter anderem verabschiedet, dass soziale Netzwerke dem Bundeskriminalamt bestimmte strafbare Inhalte, darunter Morddrohungen oder Volksverhetzungen, melden und die IP-Adresse an die Strafverfolgungsbehörden weitergeben müssen.
42 Prozent aller Befragten haben aus Angst vor Hate Speech schon einmal Beiträge vorsichtiger formuliert oder diese nicht gepostet.
© Forschungsgruppe g/d/p / Universität Leipzig
42 Prozent aller Befragten haben aus Angst vor Hate Speech schon einmal Beiträge vorsichtiger formuliert oder diese nicht gepostet.
Das Thema Strafen für Beleidigungen im Internet ist auch den Befragten wichtig. 43 Prozent von ihnen fordern härtere Strafen für Hate Speech im Internet als für persönliche Beleidigungen, 22 Prozent davon sogar deutlich härtere. Die Hälfte der Teilnehmer ist für gleich hohe Strafen. Dabei sprechen sich Frauen eher für härtere Sanktionen aus als Männer (jeweils 48 Prozent und 38 Prozent). Wenig überraschend ist wohl, dass diejenigen, die eine Zunahme der Aggressivität in Internetkommentaren wahrnehmen, zu härteren Sanktionen neigen als Befragte, die nicht dieser Meinung sind: Von ersteren fordern 26 Prozent eine deutlich härtere Bestrafung, von den anderen nur 7 Prozent.
43 Prozent der Befragten sind der Meinung, Hate Speech sollte härter bestraft werden als persönliche Beleidigungen.
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43 Prozent der Befragten sind der Meinung, Hate Speech sollte härter bestraft werden als persönliche Beleidigungen.
Lesen Sie auch das Firmenprofil der Forschungsgruppe g/d/p im p&a mafonavigator>>
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