Studie vom Rheingold Institut

Mehrheit der Deutschen im No-Future-Modus

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Mangelndes Vertrauen in Staat und Institutionen sowie die Angst vor gesellschaftlicher Spaltung: Zwei Drittel der Deutschen blicken ängstlich auf die gesellschaftliche Zukunft. Das sind die Kern-Ergebnisse einer Studie des Kölner Rheingold Instituts, die auf Tiefeninterviews und einer repräsentativen Befragung beruhen.
Gesellschaftlichen Herausforderungen und anstehenden Umbrüche werden von den Menschen erkannt, sie begegnen ihnen aber in der Mehrheit mit einer resignativen Grundhaltung. Sie glauben nicht daran, dass die großen Probleme unserer Zeit gelöst werden können, die Leistungsfähigkeit des Staates und die Zukunftschancen Deutschlands werden sehr skeptisch beurteilt. Das Vertrauen, dass Staat, Politik, Institutionen und Parteien die Krisen lösen können, ist erodiert.

Diese düstere Bilanz ziehen die Forscher des Kölner Rheingold Institutes. Sie haben in Kooperation mit der gemeinnützigen Stiftung für Philosophie Identity Foundation in Düsseldorf eine Studie durchgeführt, die sowohl qualitativ als auch quantitativ die Stimmung im Land untersucht hat.
„Ich sehe in diesem Jahrhundert die Menschen vor riesigen Problemen. Dürre, Hunger, Ressourcen-Krieg, Migrationsbewegungen in der ganzen Welt“
weibliche Teilnehmerin, 28 Jahre, Hamburg
Demnach befindet sich die Mehrheit der Deutschen in einem „No-Future“-Modus. Gesellschaftlichen Herausforderungen und anstehenden Umbrüchen begegnet eine Mehrheit mit einer resignativen Grundhaltung. Sie glaubt nicht daran, dass die großen Probleme unserer Zeit gelöst werden können, die Leistungsfähigkeit des Staates und die Zukunftschancen Deutschlands werden sehr skeptisch beurteilt.
„Menschen verschanzen sich in kleinen Wirkungskreisen mit Gleichgesinnten und versuchen in ihren persönlichen Umfeldern zu retten, was noch zu retten ist.“
Stephan Grünewald, Psychologe und Gründer des Rheingold Instituts
Das während der Corona- und Klimakrise erlebte Regierungshandeln wurde als unzulänglich erlebt. Dies trägt zu einem verunsicherten und teils resignierten Verhältnis zur Politik bei. Zwar sehen viele Befragte gute Voraussetzungen für eine individuell erfolgreiche Gestaltung des Lebens in Deutschland (67 Prozent), aber das Vertrauen in den sozialen Zusammenhalt erodiert zunehmend: 83 Prozent haben Angst vor einer gesellschaftlichen Spaltung, 90 Prozent beobachten eine immer stärker werdende soziale Spreizung in Arm und Reich und 91 Prozent nehmen eine zunehmende Aggressivität in der Gesellschaft wahr.
Über die Studie
Im Rahmen der qualitativen Zukunfts-Studie wurden jeweils 64 Wähler*innen in zweistündigen psychologischen Tiefeninterviews befragt. Bei der Auswahl der Proband*innen wird darauf geachtet, dass Parteipräferenzen und soziodemographische Strukturen (Geschlechter, regionale Verteilung, Altersverteilung, Bildung und Beruf) möglichst genau abgebildet werden. Die Tiefen Explorationen werden von einem fünfköpfigen Psycholog*innen-Team durchgeführt und analysiert. Untermauert wurden die Erkenntnisse durch eine deutschlandweit repräsentative quantitative Befragung (n = 1000).
https://www.rheingold-marktforschung.de/zukunftsstudie-2021-wie-deutsche-in-die-zukunft-blicken/
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