Startups in der Marktforschung

Schneller Durchblick

Lukas Kauderer (li) und Lucas Bäuerle
© liCili
Lukas Kauderer (li) und Lucas Bäuerle
Das Göppinger Startup liCili hilft Firmen dabei, ihr Kundenfeedback zu analysieren und die interessantesten Beiträge herauszufiltern
Was auch immer man im Internet tut – ob man Produkte kauft, Services nutzt oder einfach nur ein Video sieht: Unweigerlich wird man um Feedback gebeten. Und viele Nutzer sind auch äußerst mitteilsam, formulieren wortreich ihre Erfahrungen und machen Verbesserungsvorschläge – immer in der Annahme, dass irgendwo jemand sitzt, der das alles liest und die entsprechenden Schlüsse daraus zieht.


Genau das ist aber nicht der Fall. Je mehr Feedback über die verschiedenen Kanäle – von der eigenen Website über E-Mail bis Facebook – eingeht, desto schwerer tun sich die Unternehmen mit der Auswertung. Basiert die Rückkopplung über Multiple-Choice-Fragen (gefällt mir/gefällt mir nicht), ist das Ganze noch problemlos. Sobald es sich aber um frei formulierte Reaktionen handelt, sogenannte Freitexte, ist der Aufwand oft so hoch, dass die Unternehmen kapitulieren. Dabei sind gerade Freitexte eine besonders attraktive Informationsquelle.

Abhilfe schaffen will jetzt das Göppinger Startup liCili (steht für „love it, change it or leave it“). Die beiden Gründer Lucas Bäuerle und Lukas Kauderer, beide 25, haben dazu eine Analyse-Software entwickelt. Auf Basis eines Algorithmus scannt sie innerhalb weniger Minuten Mengen von Freitexten. Einen ersten Überblick über die wichtigsten Themenbereiche in den Texten bietet eine Map mit diversen Clustern, deren Größe die relative Wichtigkeit des Themas anzeigt.


Darüber hinaus rankt das System die Freitexte nach ihrem Innovationsgrad. „Das bedeutet, dass Texte, die interessante Lösungsvorschläge für ein Problem oder besonders präzise Analysen bieten, hervorgehoben werden“, erklärt Kauderer, CEO von liCili. Die sattsam bekannten Meinungsäußerungen dagegen wandern nach unten. „Auf diese Weise können Unternehmen aus dem Feedback sehr schnell Handlungsoptionen ableiten“, so Kauderer.

Um den Innovationsgrad zu bestimmen und den Wert der Aussagen zu gewichten, scannt das System jeweils 500 thematisch relevante Websites. Dabei kann unter anderem ermittelt werden, ob der Freitext ein Trendthema anspricht, was ihn dann im Ranking nach oben schieben kann.

Die Arbeit am Algorithmus war ein Teil von Kauderers Masterarbeit im Bereich Innovationsmanagement, die er im vergangenen Jahr an der Hochschule Esslingen abgeschlossen hat. „Schon während der Arbeit daran habe ich viele Gespräche mit Unternehmensvertretern geführt, die über den hohen Aufwand bei der Auswertung des Kundenfeedback berichteten“, sagt er. So entstand die Idee, die Software über eine Internetplattform allgemein zur Verfügung zu stellen und ein Geschäftsmodell daraus zu machen. Im Frühjahr 2018 war das System marktreif, seit Mai wurde es bereits von 90 Unternehmen getestet. Die Gebühren werden nach der Zahl der Freitexte abgerechnet, die ausgewertet werden. Je nachdem, wie viel Tools genutzt werden, fallen pro Freitext zwischen 10 und 60 Cent an. Registrierte Kunden erhalten darüber hinaus ein monatliches Freikontingent. Das System sorgt über eine API dafür, dass auch große Mengen von Freitexten aus den verschiedensten Quellen innerhalb weniger Minuten eingelesen werden können. Neben Deutsch beherrscht die Software sechs weitere europäische Sprachen.

Kauderer sieht ein großes Marktpotenzial: „Interessant ist das System vor allem für E-Commerce-Shops und für Unternehmen, die stark mit Weiterempfehlungen arbeiten.“ Hinzu kommen App-Anbieter oder auch Marktforschungsinstitute, die es für Erhebungen einsetzen können. Auch Mitarbeiterbefragungen seien damit einfach auszuwerten. Zu den ersten Kunden von liCili gehört das Videoportal Maxdome von Pro Sieben Sat.1 Media.

Und wie geht’s weiter? Das Startup knüpft gerade die ersten Kontakte in die USA, im nächsten Jahr steht ein Re-Design sowie die weitere Internationalisierung auf dem Programm. An feste Meilensteine und daran geknüpfte Finanzierungsrunden sind Kauderer und Bäuerle aber nicht gebunden – sie haben bislang ausschließlich eigenes Geld investiert.

Erschienen in planung&analyse 6/2018
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