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Zeit für Veränderung
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Zeit für Veränderung
Ganz zu Beginn und am Schluss der zweitägigen Messe in Müchnen zeigten sich die Auswirkungen der großen, internationalen Mafo-Welt auf den deutschen Markt.
Am Mittwochmorgen um 8 Uhr, noch vor dem offiziellen Start der Messe, lud die GfK an ihren Stand und Deutschland-Chef Michael Müller erklärte der Fachpresse die Auswirkungen der Entscheidungen, die der Weltkonzern GfK in den vergangenen Monaten gefällt hat: Verkauf von vier Units an Ipsos und Fokussierung auf syndizierte, automatisierte Produkte. Der neue Messestand soll demonstrieren, wohin der Weg geht: größer, höher, heller und alles auf Englisch.

Im Nachhinein, jetzt wo es eine neue Aufstellung und sieben neue „Solutions“ für Kunden gibt, kann man ja auch mal etwas kritisch auf die Vergangenheit schauen: „Wir haben manchmal Daten geliefert, die gut waren. Aber waren sie auch benutzerfreundlich?“ fragt Müller und lässt die Antwort offen, verweist aber auf die neuen Lösungen, die per App oder per Dashboard dem Nutzer – ob datenaffiner Marktforscher oder zahlengetriebener Vertriebler – Argumente für die nächste Entscheidung liefern sollen.

Die größte Transformation in der Geschichte der GfK soll künftig „preskriptive Daten“ und einen Vorschlag für das sinnvolle weitere Vorgehen des Kunden liefern. Wie beim Arzt, der einen ja auch nicht mit seinen Gesundheitsdaten alleine lässt, erklärt Müller. Die GfK will Antworten geben für das „Was“, das „Wer“ und das „Warum“ und zwar automatisiert. Im Zentrum stehen die Panels, Schwerpunkte werden Handel und Medien sowie technische langlebige Güter. Die Anzahl der Länder, in denen man aktiv sein will, wird auf rund 60 zurückgefahren.

Ipsos muss das Paket integrieren

Der Bereich der Customer Research, der für rund 300 Millionen Euro Umsatz stand und von 1.000 Menschen weltweit erstellt wurde, wanderte für 105 Millionen Euro zu Ipsos. Im August wurde der Deal bekannt, doch erst vor wenigen Tagen, am 10. Oktober, wurde das Paket amtlich und die Tinte unter dem Vertrag konnte trocknen. Anfang November wird Didier Truchot, Gründer und CEO von Ipsos, den Investoren in Paris erklären, wie genau dieses Paket in sein Unternehmen passt und integriert wird.

Die deutsche Dependance von Ipsos wurde ebenso überrascht wie die Nürnberger von der Bekanntmachung, da Ipsos ein börsennotiertes Unternehmen ist, stand die Verabredung unter höchster Geheimhaltung. Die Mitarbeiter mussten zum Teil aus dem Urlaub zurückkehren, um ihren Kunden die Zusammenhänge zu erklären. Inzwischen haben bereits die ersten Townhalls stattgefunden. Truchot war in Nürnberg und hat die neue Belegschaft begrüßt und das Ipsos-Team wurde ebenfalls sehr herzlich dort empfangen, heißt es.

Kantar steht zum Verkauf

Nicht ganz so kalt erwischt wurde die Belegschaft der deutschen Dependance von Kantar durch die Verlautbarung am Donnerstag, dass der WPP-Konzern seine Sparte Daten-Investment-Management, also die Marktforschung, veräußern wolle. Spekulationen gab es seitdem Martin Sorrell, der langjährige Vorstandsvorsitzende, den CEO-Sitz räumen musste. Nun wird für die drittgrößte Sparte des Medien- und Werbekonzerns ein Käufer gesucht.

Die deutsche Mannschaft war währenddessen in den vergangenen 18 Monaten damit beschäftigt, sich unter der Marke Kantar zu sortieren und von den vormaligen Namen, darunter Infratest, langsam Abschied zu nehmen sowie die neue Brand zu kommunizieren. Was dieser angekündigte Schritt für Kantar bedeuten wird, hängt natürlich maßgeblich von dem Käufer ab. In der datengetriebenen Welt ist alles denkbar, von Plattform-Inhabern über Unternehmensberater bis zu datengetriebenen Konzernen. Eher unwahrscheinlich ist ein Verkauf an die direkte Konkurrenz. Neben GfK und Ipsos ist auch Nielsen im Moment eher mit sich beschäftigt. Eine Zerschlagung oder ein Verkauf des größten Marktforschers der Welt ist mittlerweile mehr als Spekulation. Konkrete Namen gibt es noch nicht.

Ein Käufer von Kantar würde möglicherweise die geballte Daten-, Kunden- und Analysekompetenz mehr schätzen und konsequenter in das Business investieren, als es der auf Media-Sales konzentrierte WPP-Konzern bislang mochte.
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