Research plus in München

DGOF wagt einen Blick in die Zukunft

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Der Couch Club in München war wieder gedrängt voll, als die Deutsche Gesellschaft für Online-Forschung e.V. (DGOF) zur siebten Research Plus nach München lud. Die Themen waren zukunftsträchtig: Blockchain und Künstliche Intelligenz.

„Wer hat gesehen, dass ich Christopher 1000 Franken gegeben?“ Drei Finger gehen hoch. „Wer hat gesehen, dass ich ihm 100 Rubel gegeben habe?“ Fast alle anderen Finger gehen hoch. Wer aufgepasst hat, kann bestätigen, dass Klaus Holthausen lediglich 100 Rubel, weniger als ein Euro, an Christopher gegeben hat. So funktioniert die Blockchain. Die Bestätigung vieler macht eine Transaktion sicher. Es ist schwieriger, sich vorzustellen wie die Welt ohne Internet aussehen könnte. In ein paar Jahren wird es auch schwierig sein, sich eine Welt ohne Blockchain vorzustellen. Sicherheit und Vertrauen sind ein Aspekt der neuen Technologie.



Holthausen sieht aber auch eine Analogie aus der Biologie. Organismen organisieren sich selber. Ebenso Systeme aus Blockchain. Sie sorgt dafür, dass richtige Stückchen am richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt passt. Blockchain kann also zu einem selbstorganisierten Marketing führen. Beispiel: es befinden sich x Personen mit einem bestimmten Musikgeschmack in München. Die Location y will ein Konzert anbieten und der Musiker z sucht einen Gig für den Abend. Wenn alle Bedingungen, die in der Blockchain vorhanden sind, zusammenkommen, kann das Konzert in München erfolgreich stattfinden. So die Theorie. Es gibt schon Beispiele für sogenannte Smart Contracts, allerdings eher aus der Logistik und der Distribution von Waren.
v.l.: Dr. Klaus Holthausen (Data Science Consulting), Christopher Harms (Skopos), Florian Tress (Norstat)
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v.l.: Dr. Klaus Holthausen (Data Science Consulting), Christopher Harms (Skopos), Florian Tress (Norstat)
Laut Holthausen könnte ein Onchain Marketing die klassischen vier P des Marketing ersetzen. Der Konsument wird in einem höheren Masse souverän und viele Mittelsmänner, Immobilienmakler, Autovermieter, Banken, werden überflüssig. Dass die Marktforscher nicht auch zu den ersetzbaren Mittelsmännern gehören, diese Aufgabe ist wohl schon zu meistern. Der Vortrag hat ein bisschen mehr Licht in das Mysterium Blockchain gebracht. Die letzte Veranstaltung zu dem Thema war das sicher nicht.

Auch Christopher Harms (Skopos) hat sich einem Zukunftsthema gewidmet. Künstliche Intelligenz geht vielen schon viel flüssiger von den Lippen und sie wird uns die kommenden Jahre vermehrt beschäftigen. Dennoch stellt sich die Frage: Hype oder Zukunft der Marktforschung? Natürlich gibt es den Traum: Ich habe Daten und eine KI und es kommen Insights raus. Aber so einfach macht es uns die Technik nicht. Harms und Skopos forschen etwa mit Chatbots für Befragungen. So ganz neu ist die Idee nicht. Harms hat Charts vom Esomar 2003 gefunden, wo mit SMS-Befragungen geforscht wurde.


Wer mit Klartext arbeitet, muss sich auch der Textanalyse zuwenden und dann der Sentimentanalyse. Welche Emotionen schwingt in den geschriebenen Zeilen mit?

Durch Kombination dieser Methoden und der klassischen Marktforschung, hat Skopos für Seat aus Chatbot-Befragungen herausgefunden, welches Treiber für die Kundenzufriedenheit verantwortlich sind.

Harms berichtet aber auch, wie mühsam das Geschäft ist und dass zwei Prozent bessere Erkennung der Emotionen bereits ein Durchbruch sind.

Anregende Themen auf der Research Plus am Vorabend der Research&Results. Aber auch viel Gelegenheit zum Networking und zur Diskussion. Durch den Abend führten Dr. Otto Hellwig (respondi) und Florian Tress (Norstat).

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