Research & Results 2019 in München

„Agilität darf kein Selbstzweck sein“

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Leere Gänge während der Vorträge, Ansturm in der Pause, viele gute neue Kontakte oder die Klage, dass der teure Stand nicht genug Neukunden bringt. Die Research&Results wird wieder von Gegensätzen geprägt. Begeisterung und Frust stehen sich gegenüber. Viele größere, langjährige Aussteller sind unzufrieden, einige betriebliche Marktforscher vermissen neue Angebote.

In diesem Jahr war die Research & Results nicht ganz so voll wie in den vergangenen Jahren, obwohl manche Workshops doch überfüllt waren. So etwa die Präsentation von Prof. Holger Lütters von der HTW Berlin und Malte Friedrich-Freksa von Gapfish. Hier wurde die dritte Welle der Studie zur Transformation in der Marktforschung vorgestellt. Die Aufregung sinkt. Digitalisierung, war da was.

Gleichzeitig wurde in Raum 5 diskutiert, ob der Return on Investment das richtige Mittel ist, um den Wert der Marktforschung unter Beweis zu stellen. Eingeladen hatte der Weltverband Esomar, der vertreten war mit Präsident Joaquim Bretcha sowie den beiden deutschen Delegierten, Christoph Welter und Prof. Dirk Frank. Diskussionsteilnehmer waren drei betriebliche Forscher: Sabine Menzel von L’Oreal, Alexander Falser von Tchibo und Dr. Walter Schulze von Sanofi. Dabei wird klar, wie sehr sich die Rolle der betrieblichen Marktforschung verändert hat. Sie sind keine reinen Auftragnehmer mehr - denn ihr Ziel ist es, über alle Silos hinweg zu kommunizieren und zu kooperieren. „Wir dürfen kein Appendix sein.“ Natürlich muss es schnell gehen, aber Geschwindigkeit darf kein Maßstab für gute Marktforschung sein. „Agilität ist kein Selbstzweck, es geht darum die Ineffizienzen herauszunehmen.“ Und bei der Weitergabe der Ergebnisse kommt es vor allem auf den „emotionalen ROI an“, so Falser, das „gefühlte Maß“ der Antworten auf die Fragen der internen Stakeholder.



Der österreichische Marktforschungsverband VMÖ lies die ISO-Norm diskutieren. Mit dabei: Robert Sobotka (Vorstandsvorsitzender VMÖ), Dr. Holger Mühlbauer (Geschäftsführer Bundesverband IT-Sicherheit e.V., TeleTrusT), Bettina Klumpe  (Geschäftsführerin ADM e.V.), Susan Shaw (Vorsitzende VSMS-ASMS) sowie Olaf Hofmann (Skopos), Doris Hess (infas) und Elfi Ettinger (EEC Consult). Ein Besucher hat es wie folgt zusammengefasst:  Ja, es kostet Zeit, Mühe und auch Geld, aber es lohnt sich für die internen Abläufe und für öffentliche Aufträge ist es unabdingbar.

Insgesamt haben einige Stände in diesem Jahr aufgerüstet. Selbst Startups präsentieren sich an großen Ständen, viel Licht und Eyecatcher werden eingesetzt. Aufmerksamkeit ist alles und auch für das leibliche Wohl wird zumindest in den letzten Stunden besser gesorgt. Die Zufriedenheit mit der Resonanz ist besondes bei einigen großen Unternehmen sehr gedämpft. Das alte Lied: Die Besucher, vor allem die Betrieblichen werden von der Fülle der Vorträge absorbiert. Die Zahl der Vorträge ist auch noch mal angestiegen, die Pausen hingegen wurden reduziert. Das sorgt für Unmut unter den Ausstellern.


Eine Aufmerksamkeit ganz anderer Art hat sich Interview + Exploration ausgedacht. Mit einem Mini-Theaterstück zeigt der Dienstleister Szenen aus dem „Leben eines Rekrutierers (alles echt, nichts erfunden)“. Ein unterhaltsamer Stopp.

Am Abend wurde dann Ellen Didszus, Geschäftsführerin des BVM, in kleinem Rahmen verabschiedet. Die Vorstände Frank Knapp und sein Vorgänger Wolfgang Dittrich, die jeweils lange Jahre mit ihr zusammengearbeitet haben, waren voll der lobenden Worte und würdigten ihren Einsatz. Ob in den späten Abendstunden oder früh am Morgen, wenn der Verband rief, war Didzius zur Stelle und hat versucht, das Nötige zu richten. Didszus war sichtlich gerührt von dem für sie veranstalteten Event und verabschiedet sich Anfang nächsten Jahres nach 40 Jahren Marktforschung und 13 Jahren beim BVM in den wohlverdienten Ruhestand. Wir wünschen alles Gute.

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