Rat der Deutschen Markt- und Sozialforschung

Neue Aufgabe für Hartmut Scheffler

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Der Rat der Deutschen Markt- und Sozialforschung hat eine Servicestelle eingerichtet, die der ehemalige Kantar-Geschäftsführer Hartmut Scheffler leiten wird. Sie soll Personen und Institutionen dabei unterstützen, eine Beschwerde gegen Marktforschungsinstitute bei zweifelhaften Praktiken einzureichen. Andreas Bruckert vom Mafo-Institut wird ebenfalls mit beraten. 
Da häufig Privatpersonen eine Beschwerde über Praktiken der Markt- und Sozialforschung vorbringen und ihr Gegenüber in der Regel Institute sind, die sich juristisch vertreten lassen können, besteht oft ein ungleiches Kräfteverhältnis zwischen beiden Parteien. Die neue Servicestelle des Rates hat am 1. April ihre Arbeit aufgenommen und soll Beschwerdeführern eine  Hilfestellung geben und vor allem die Hemmschwelle für die Einreichung von Beschwerden senken.

Neuer Leiter der Servicestelle ist Diplom-Soziologe Hartmut Scheffler. Er besitzt mehr als 40 Jahre Erfahrung in der Markt- und Sozialforschung, unter anderem als Geschäftsführer von Emnid, TNS Emnid, TNS Infratest und Kantar. 2009 wurde er vom Berufsverband Deutscher Markt- und Sozialforscher BVM als „Forscherpersönlichkeit des Jahres“ ausgezeichnet. Von 2005 bis 2017 war er außerdem Vorstandsvorsitzender des Arbeitskreises Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute ADM. Scheffler ist seit 2021 im Ruhestand und als freiberuflicher Berater tätig.

Der Volkswirt Andreas Bruckert wurde als Stellvertreter in die Servicestelle berufen. Er begann seine berufliche Laufbahn bei Burke in Cincinnati und wechselte dann zu ISL in Toronto. Anschließend arbeitete er als Geschäftsführung und später als geschäftsführender Gesellschafter beim Mafo-Institut in Schwalbach am Taunus. Seit 1988 ist er Mitglied im BVM, seit 2005 im BVM-Fachbeirat. Dort beschäftigt er sich hauptsächlich mit den Themen Standesregeln und Datenschutz. Von 2005 bis 2010 war er außerdem im Beschwerderat des Rates aktiv.

Die Prüfung und Bewertung von eingereichten Verdachtsfällen sowie die Entscheidung über mögliche Sanktionen fallen nach wie vor in die Zuständigkeit der Kammern des Rates. Im Jahr 2019 – für 2020 liegen noch keine Zahlen vor – gingen 16 Beschwerden beim Rat der Marktforschung ein. Nach Überprüfung wurde erstmals seit mehreren Jahren eine öffentliche Rüge und damit die schärfste verfügbare Sanktionsmaßnahme erteilt. Geahndet wurde ein schwerer Fall der Vermischung von Marktforschung und Verkauf. Dabei wurden Reisegutscheine als Incentives für eine Befragungsteilnahme in Aussicht gestellt, die bei ihrer Einlösung mit erheblichen Folgekosten verbunden waren und dazu dienten, eine verdeckte Verkaufstätigkeit zu betreiben. Außerdem wurden mehr als 50 sonstige Anfragen an den Rat gestellt. Diese Entwicklung zeigt, dass der Rat in den letzten zwei Jahren bekannter geworden ist.
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