Online Special Zielgruppe

Personas richtig eingesetzt

   Artikel anhören
© Pixabay.com
Personas sind das optimale Werkzeug, um nutzerorientierte digitale Produkte zu entwerfen - oder etwa doch nicht? Julia Roming von COBE stellt Kriterien für den richtigen Einsatz vor.

Allgemein bietet eine Persona eine Möglichkeit, Forschungsdaten über Menschen zu modellieren, zusammenzufassen und zu kommunizieren, die in irgendeiner Weise beobachtet oder erforscht wurden. Die Daten werden aufbereitet und in Form einer fiktiven Person mit bestimmten Eigenschaften dargestellt. Ob Alter, Geschlecht, Hobbys oder Einkommen – die Persona repräsentiert entsprechende Zielgruppen umso besser, je detaillierter sie ausgearbeitet wurde. In Bezug auf Produkte kommen dabei oft verschiedene Personas zum Einsatz, die alle relevante Zielgruppen abdecken.

Welche Forschung ist die Richtige?

Zwei prominente Forschungsrichtungen, die zur Anwendung von Personas verwendet werden, sind die Marktforschung und die UX-Forschung. Viele Marketer sind der Meinung, dass sie ihre Kunden durch beständige Marktforschungsmaßnahmen bereits perfekt kennen und die entsprechenden Daten und Informationen für das Design digitaler Produkte nutzen können.

Julia Roming
Julia Roming
(Foto: Cobe)
ist als UX Researcher bei COBE tätig. COBE ist Spezialist für Customer Experience Design, UI/UX Design und Software Entwicklung und kombiniert einen User-Centered Designansatz mit seiner eigens entwickelten UX-Identity-Methode (UXi), die aktuell in Kooperation mit der TH Ingolstadt validiert wird. Die UXi nutzt Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften und der Verhaltensökonomie, um die Werte einer Marke in die Designsprache digitaler Produkte zu übersetzen.

Einen anderen Ansatz bietet die UX-Forschung. Im Gegensatz zur Marktforschung, die häufig absatzorientiert ist und qualitative Methoden zuweilen auf Kaufinteressen und die Nutzung bestimmter Content- und Vertriebskanäle beschränkt, orientiert sich die UX-Forschung verstärkt an den zugrunde liegenden Motivationen der Nutzer. UX Research verwendet dabei qualitative Forschungsmethoden, die darauf abzielen, Motivationen, Bedürfnisse und Erwartungen hinter den Handlungen von Menschen zu verstehen. Oftmals liegen diese im Verborgenen und können von den Studienteilnehmern gar nicht artikuliert werden. Deshalb ist es wichtig, nicht nur darauf zu achten, was die Probanden sagen, sondern auch, was sie tun und wie sie mit ihrer Umgebung interagieren, sei es physisch oder digital.

Mit Personas zu verbesserter User Experience

Hier kommen UX-Personas ins Spiel. Sie helfen dabei, digitale Produkte mit optimaler User Experience zu kreieren, indem Forschungsdaten in personifizierter Form zusammengefasst und präsentiert werden. Das bringt folgende Vorteile mit sich:

Empathie aufbauenPersonas versetzen Designer in die Lage, Empathie für die Nutzer digitaler Produkte zu entwickeln. Es spielt keine Rolle, dass es sich dabei um keine echte Person handelt, allerdings sollte es eine klar definierte Persona sein, in die sich der Gestalter hineinversetzen kann. Je besser der Designer weiß, was sein Zielpublikum mag und was nicht und welche Motive und Bedürfnisse es hat, desto besser fällt es ihm, Handlungen zu verstehen und korrekt abzuschätzen, um die Interaktion mit dem Produkt erfolgreich zu gestalten.

Teamwork und Kommunikation verbessern. Personas unterstützen die Teamkommunikation und fördern die Konsensbildung. In der Regel arbeiten Designer in multidisziplinären Teams mit Menschen aus unterschiedlichen Branchen zusammen. Um Forschungsergebnisse an Personen zu vermitteln, die nicht an der Forschung beteiligt waren und mit den entsprechenden Methoden wenig vertraut sind, eignen sich Personas besonders gut. Mit ihrer Hilfe kann Wissen innerhalb von Teams oder ganzer Unternehmen objektiv geteilt und verständlich gemacht werden. Das spart Zeit und macht Designentscheidungen transparent und nachvollziehbar.

Prioritäten setzen und Entscheidungsfindung erleichtern. Das Erstellen einer UX-Persona ermöglicht es dem Designer, komplexe Sachverhalte zu konkretisieren und sich auf eine überschaubare und einprägsame Menge an Informationen zu fokussieren. Indem der Gestalter mit Hilfe der Persona eine Nutzer-Perspektive einnimmt, fällt es ihm leichter zu entscheiden, was für den Benutzer wichtig und was unnötig oder störend ist. So kann er bestimmte Features priorisieren, Designentscheidungen treffen und sie, falls nötig, auf Grundlage der erhobenen Daten verteidigen.


Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen und akzeptiere diese.
stats