Online-Special Mobilität

Unsere alltägliche Mobilität

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Kaum ein Thema steht so in der öffentlichen Diskussion wie das der Mobilität. Dieselverbote, Elektroautos, Verspätungen und Defizite im öffentlichen Nahverkehr – und dann noch die Vision des von künstlicher Intelligenz gesteuerten Autos der Zukunft. Hans-Peter Gaßner (AS&S) und Claudia Hess (ZDF Werbefernsehen) stellen die Studie VuMA Touchpoints mit Informationen zu allen Facetten der Mobilität vor.

Die Studie VuMA Touchpoints liefert Insights in das alltägliche Mobilitätsverhalten der Menschen, da die Befragten jeweils für den gestrigen Tag detailliert Auskunft über ihre Wege zwischen 5 und 24 Uhr geben. Somit entsteht ein realistisches Abbild der Nutzung von Individualverkehr und ÖPNV im Tagesverlauf, das auch nach einzelnen Tagen differenzierbar ist (Montag bis Freitag, Samstag, Sonntag). Darüber hinaus kann dieses Mobilitätsverhalten mit weiteren Merkmalen der Studie kombiniert werden, bspw. um die Frage zu beantworten, wie viele Personen den ÖPNV nutzen, obwohl sie einen oder mehrere PKW besitzen.

Das Autorenteam
Hans-Peter Gaßner
© ARD Werbung
Hans-Peter Gaßner ist Sprecher der VuMA Touchpoints und Forscher bei der ARD-Werbung Sales & Services.
Claudia Hess
© ZDF
Claudia Hess ist stellvertretende VuMA-Sprecherin und Forscherin beim ZDF Werbefernsehen.

Individualverkehr dominiert

Tag für Tag sind 38,82 Millionen Personen mit dem PKW unterwegs, 8,59 Millionen nutzen täglich Bus oder Bahn. Beide Verkehrsmittel nutzen 1,9 Millionen von ihnen. Damit ist der Individualverkehr die eindeutig dominierende Art der Fortbewegung. Getrieben wird die Mobilität von den Berufspendlern, die von ihrem Wohn- zum Arbeitsort fahren. Innerhalb dieses Big Pictures gibt es interessante Binnendifferenzierungen. So pendeln Schüler und Azubis vornehmlich mit Bus und Bahn (35 vs. 8 Prozent), Berufstätige hingegen vornehmlich mit dem eigenen PKW aber auch öffentlich (68 bzw. 49 Prozent). Der Individualverkehr dominiert überall, besonders in der Fläche. In Ballungsräumen hat der öffentliche Nahverkehr mehr Kunden. Doch auch in Berlin mit einem Höchstwert von 21 Prozent täglicher ÖPNV-Nutzer, fährt jeder Zweite täglich mit dem Auto (49 Prozent). Dabei hat der PKW-Besitz sichtbaren Einfluss auf die Nutzung des ÖPNV: ist ein PKW im Haushalt vorhanden, nutzt jeder zehnte öffentliche Verkehrsmittel, bei Haushalten ohne PKW ist der Anteil doppelt so hoch (10 bzw. 21 Prozent).

Die neue Mobilität

Soweit das Bild für die traditionellen Formen der Mobilität. Doch wie sieht es aus mit modernen Alternativen wie Elektroauto, Car-Sharing oder E-Bike? Zunächst zeigt ein Zeitvergleich, der dank des Trend-Tools im VuMA Touchpoints Monitor möglich ist, dass sich die Diesel-Diskussion mittlerweile auch in unserer Markt-Media-Studie klar bemerkbar macht. Beabsichtigten in der VuMA 2016 noch 13 Prozent die Anschaffung eines Diesel-Fahrzeugs, sind es aktuell nur acht Prozent.
Diesel-Diskussion macht sich bemerkbar. Anschaffungsabsicht Diesel-Neuwagen oder -Gebrauchtwagen, Anteil Prozent. (Basis: Deutschsprachige Bevölkerung ab 14 Jahren)
© VuMA Touchpoints
Diesel-Diskussion macht sich bemerkbar. Anschaffungsabsicht Diesel-Neuwagen oder -Gebrauchtwagen, Anteil Prozent. (Basis: Deutschsprachige Bevölkerung ab 14 Jahren)
Ganz anders als die intensive Berichterstattung zum Thema Elektroauto vermuten lässt, planen lediglich vier Prozent innerhalb der nächsten zwei Jahre die Anschaffung eines umweltfreundlichen Fahrzeugs mit Hybrid-, Elektro- oder Gasantrieb. Hier klafft also eine gigantische Lücke zwischen den tatsächlichen Überlegungen der Konsumenten und der Medienrealität. An erster Stelle auf der Beliebtheitsskala stehen nach wie vor PKW mit Verbrennungsmotor, nämlich Neu- bzw. Gebrauchtwagen mit Ottomotor (13 bzw. 19 Prozent). Immerhin sechs Prozent der Deutschen ab 14 Jahren nutzen zumindest gelegentlich Car-Sharing. Besonders beliebt sind solche Angebote in der Altersgruppe zwischen 20 und 39 Jahren mit einem Anteil von zehn Prozent.
Benziner beliebter als Diesel oder Elektro. Anschaffungsabsicht PKW in den nächsten 2 Jahren, Anteil in Prozent. (Basis: Deutschsprachige Bevölkerung ab 14 Jahren)
© VuMA Touchpoints
Benziner beliebter als Diesel oder Elektro. Anschaffungsabsicht PKW in den nächsten 2 Jahren, Anteil in Prozent. (Basis: Deutschsprachige Bevölkerung ab 14 Jahren)

Konkurrenz im öffentlichen Nahverkehr

Spannend in der Sparte des öffentlichen Fernverkehrs ist das Konkurrenzverhältnis zwischen Deutscher Bahn und privaten Anbietern von Busverbindungen wie Flixbus. Da in der VuMA Touchpoints nach dem Single-Source-Prinzip bei allen Befragten die gleichen Fragen gestellt werden, können solche Wechselbeziehungen genauer betrachtet werden als durch die bloße Gegenüberstellung von Daten aus unterschiedlichen Quellen. Von den 13,38 Millionen Fernbus-Kunden fahren 11,32 Millionen, also 85 Prozent, auch mit den Zügen der Deutschen Bahn. Diese ist mit 33,22 Millionen Bahnfahrern zwar der Platzhirsch, teilt sich andererseits aber ein Drittel dieses Potenzial mit den privaten Fernbus-Anbietern. Dabei sind es insbesondere Jüngere bis 29 Jahre, Singles sowie Personen mit geringerem Einkommen, die das Fernbus-Angebot nutzen. Ein klarer Hinweis, welche Zielgruppen die Bahn ansprechen muss, und wie die Preispolitik zu gestalten ist, um im Wettbewerb erfolgreich zu sein.
Zur Studie

Die VuMA Touchpoints kombiniert Mediennutzungsdaten mit detaillierten Konsuminformationen und richtet sich an Mediaplaner in Agenturen und werbungtreibenden Unternehmen. Der Mediateil der Studie weist Leistungswerte für nahezu sämtliche in der Media Analyse der agma (ma) dargestellten Radio- und Fernsehangebote aus. Auch die Internetnutzung sowie das Lesen von Zeitschriften und Zeitungen lassen sich mit der VuMA auswerten. Darüber hinaus wurden Mediennutzung sowie weitere Tätigkeiten im Alltag im Tagesverlauf abgefragt. Den Nutzern der Studie steht damit in allen Phasen der Mediaplanung ein nützliches Tool zur Verfügung. Von der Marktanalyse bis zur Entwicklung der Mediastrategie - die VuMA liefert Zahlen und Fakten für fundierte Mediaentscheidungen.

Grundgesamtheit: Deutschsprachige Bevölkerung ab 14 Jahren
Stichprobe: 23.086 Interviews

E-Bikes stärken Fahrradverkehr

Ein Verkehrsmittel, dass in der öffentlichen Debatte meist keinen übermäßigen Stellenwert genießt, ist das Fahrrad. Völlig zu Unrecht, wie die Zahlen zur tatsächlichen Nutzung zeigen. Zwei Drittel (67 Prozent) nutzen das Fahrrad mindestens selten als Transportmittel, jeder Zehnte sogar täglich und 18 Prozent mehrere Tage pro Woche. Damit liegt das Fahrrad vor Bus/Straßenbahn sowie U-Bahn als Transportmittel im Regionalverkehr (58 bzw. 9 Prozent mindestens selten). Es ist zu vermuten, dass mit dem Fahrrad in der Regel kürzere Strecken als mit dem ÖPNV zurückgelegt werden. Hierfür spricht, dass es vornehmlich Schüler und Studenten sind, die das Fahrrad nutzen - um zur Schule bzw. zur Uni zu gelangen. Ein möglicher Treiber der - ohnehin seit einigen Jahren zunehmenden Fahrradnutzung - ist das E-Bike. 2,86 Millionen besitzen bereits ein E-Bike, 2,7 Millionen planen die Anschaffung. Auf den bereits verkauften E-Bikes sitzen zum Großteil Personen jenseits der Sechzig (43 Prozent). Die zukünftigen E-Bike-Fahrer werden jedoch jünger sein: 61 Prozent der Personen mit Kaufabsicht sind zwischen 30 und 59 Jahre.
Fahrrad häufiger genutzt als Bus (Basis: Deutschsprachige Bevölkerung ab 14 Jahren)
© VuMA Touchpoints
Fahrrad häufiger genutzt als Bus (Basis: Deutschsprachige Bevölkerung ab 14 Jahren)




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