Online-Special Mobilität

Mobilität erforschen – aber mit Verantwortung!

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Wird sich das Mobilitätsverhalten verändern? Und wenn ja, wie? Auf alle Fälle ist Mobilität eines der Zukunftsthemen, wenn nicht das entscheidende Thema. Deshalb ist für Christian Thunig und Hans-Jochen Brückner von Innofact verantwortungsvolle Forschung unabdingbar.

Viele Vorhaben, die im Namen der Mobilität oder für sie getroffen werden, beeinflussen Gesellschaft und Wirtschaft an vielen Punkten. Hier einige Beispiele

  • Stadtplanung: Entwicklungen über Ballungszentren, wie Bebauung, Preisniveaus für Immobilien, Stadtplanung, Anlegen von Radwegen parallel zur bestehenden Straßeninfrastruktur oder die Integration weiterer Verkehrsmittel wie demnächst die E-Roller
  • Öffentlicher Nahverkehr: Netzausbau oder Pricing und Ticketing wie zuletzt das besprochene Ticket für 365 Euro im Jahr oder sogar kostenfrei (wobei hier dann das Geld sicherlich anderweitig erhoben würde)
  • Leben auf dem Land: Allein das Aufkommen von S-Pedalics mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 Kilometer pro Stunde lassen beispielsweise ländliche Regionen oder Regionen diesseits der Speckgürtel mit einfacher E-Mobilität wieder näher an die Städte heranrücken. Aber auch Investitionen in den Nahverkehr um die Metropolen können das Leben auf dem Land zusätzlich attraktiver machen.
  • Innovationen: Forschung und Entwicklung bei Antrieben wie Elektro oder Wasserstoff werden Industrien und ihre Prozesse
  • Industrie: Automobilanbieter werden zu Mobilitätsanbietern und kooperieren entlang der gesamten multimodalen mobilen Wertschöpfungskette. Auch die Fertigung einer großen mittelständisch geprägten Zulieferindustrie, die das Rückgrat in Deutschland bildet, wird sich vollständig anders aufstellen müssen
  • Konsumenten: Am Ende steht die Kaufentscheidung für eine Mobilität, die Elektro, Fahrrad, E-Roller oder Bus und Bahn heißen kann

Allein die betroffenen Arbeitsplätze, die Entwicklung von Infrastruktur unseres Landes (auf welches „Pferd“ wollen wir setzen?) und die städtebauliche Planung werden also so viele Überlegungen für die Zukunft aufwerfen, dass vor allen Dingen eines unabdingbar ist: verantwortungsvolle Forschung. Mobilität ist also kein Thema für schnelle PR, daher wird es darauf ankommen, langfristig das Thema zu begleiten.



Ein Blitzlicht wirft eine Mobilitätsstudie aus den letzten neun Monaten, die uns selbst sehr verwunderte: Entgegen vieler Meldungen haben wir im Rahmen einer Studie festgestellt, dass das Interesse am Automobil nicht zwingend erlahmt ist. Im Sommer des letzten Jahres fanden wir heraus, dass 37 Prozent der Befragten in den letzten drei Jahren das Auto sogar häufiger genutzt haben, statt die Nutzung zurückzufahren. Was allerdings noch schwerer wiegt: Auch in der Zukunft wollen 32 Prozent den PKW häufiger nutzen und in der Altersgruppe der 18- bis 35-Jährigen sogar zukünftig 53 Prozent!

Das heißt insbesondere die jungen Menschen setzen überdurchschnittlich häufiger auf das Auto. Was ist da los? Ein Punkt ist sicherlich die Unsicherheit über das Angebot alternativer Mobilitätsangebote. Aber Achtung: Das Ergebnis bedeutet nicht, dass der öffentliche Nahverkehr an Bedeutung verliert. Aber definitiv gibt es keine Korrelation, dass mit stärkerem Bewusstsein für Mobilität und Verstädterung das Auto bei jungen Menschen unwichtiger wird. Oder anders formuliert: Junge Leute werden vielleicht erst dann zunehmend auf das Auto verzichten, wenn die Mobilitätsangebote ihren Bedarfen nach Flexibilität, Bezahlbarkeit und Sicherheit mehr als heute entsprechend.
In den letzten drei Jahren habe ich mein Auto ... (Angaben in Prozent)
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In den letzten drei Jahren habe ich mein Auto ... (Angaben in Prozent)
Wir brauchen also langfristige stabile Untersuchungsdesigns auch mit Zeitreihenvergleichen, um valide Aussagen darüber treffen zu können, was in naher und ferner Zukunft an Anforderungen hinsichtlich der Mobilität bestehen.   

Derzeit untersuchen wir in einer Vielzahl von Studien verschiedene Facetten von Mobilität für den ADAC, Stadtwerke München, Stadt Münster, Technische Hochschule Hamburg-Harburg - Institut für Verkehrsplanung oder Stadtwerke Düsseldorf. Immer wieder geht es um eines: wie wird sich das Mobilitätsverhalten verändern. Dabei kann, aber muss nicht, die Haltung zum Klimaschutz eine Rolle spielen. Am Ende geht es darum, ein Bild zu erhalten, wie wir uns von A nach B bewegen werden wollen oder können, denn die Ströme der Pendler, die auch weite Strecken auf sich nehmen ist in den letzten Jahren dramatisch gewachsen. Man könnte sogar sagen: je besser die Infrastruktur, desto weitere Anfahrtswege zum Job nehmen Menschen in Kauf. 

Das Autorenteam

Christian Thunig
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Christian Thunig
ist Managing Partner bei der InnofactAG. Zuvor war der diplomierte Kaufmann 17 Jahre bei der Handelsblatt Mediagroup - zuletzt als Chefredakteur und Objektleiter der absatzwirtschaft – Zeitschrift für Marketing, Deutschlands führendem monatlichen Marketingmagazin.

Hans-Jochen Brückner
Hans-Jochen Brückner
, Unit Director Innofact AG, ist Bereichsleiter für das Thema Mobilität und Energie. Der Diplom-Volkswirt war zuvor in der Marktforschung bei Unternehmen wie Glaxo Deutschland, der Vaillant Group oder bis 2013 bei der E.ON Ruhrgas, u.a. Bereichsleiter Marktforschung und Vertriebsinformationen.

Also: Wie wird Mobilität aussehen? Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen haben wir ein Mobility Insights Monitoring installiert. Hintergrund ist, dass ein fester Kreis von Partnern langfristig diese Themen gemeinsam beforscht, bespricht – und sich die Kosten teilen kann. Das Schöne: Der Teilnehmerkreis ist nicht begrenzt und es können viele Parteien wie Stadtwerke, Kommunen, Start ups, Automotive-Zulieferer, Energieversorger, Ingenieurbüros, Verbände, Anbieter von Infrastruktur oder neuen Technologien, Umwelt- und Naturschutzorganisationen, Stadtplaner, Parteien oder politische Organe an Bord kommen. Untersucht werden Fragestellungen, wie die Häufigkeit der Nutzung bestimmter Mobilitätsmöglichkeiten für Personen und Güter, die Veränderung der  Nutzungsfrequenz im Zeitverlauf oder wie sich Regulierungen und neue Umweltvorgaben auswirken? Spannend sind dabei auch die Motive zu betrachten: Wie groß ist das Interesse an E-Mobilität und der Bedarf an Ladeinfrastruktur? Oder warum hat sich die Häufigkeit oder Art der Nutzung einzelner Mobilitätsmöglichkeiten verändert? Taxis beispielsweise werden einen schweren Stand innerhalb des Mobilitätsmixes haben: 32 Prozent der Bundesbürger wollen in Zukunft weniger Taxis nutzen.

Viel Stoff, der also dezidiert und realistisch erhoben werden muss. Daher ist ein nachhaltiges und regelmäßiges Monitoring Pflicht. Das Mobility Insights-Panel soll hier einen Beitrag leisten zeitnah und aktuell Messungen des Mobilitätsverhalten zu erfassen.

Zur Studie
Das Mobility Insights-Panel
  • Mobility Insights ist eine Multi-Client Studie und wird durch mehrere Partner getragen
  • Es ist ein bevölkerungs-repräsentatives Online-Panel 3x/Jahr mit festem Studienteil zur Vergleichbarkeit und zur Erfassung aktueller Veränderungen
  • Es werden N = 3.000 Bürger befragt (= Teilnehmer), so dass eine statistisch signifikante Segmentierung nach soziodemografischen Merkmalen und weiteren Aspekten wie urbane/ländliche Regionen, Wohnsituation, Alter, Innovationsneigung, Milieus etc. erfolgen kann.
  • Networking ist fester Bestandteil des Studienkonzeptes (gemeinsames Kick-Off und gemeinsame Ergebnispräsentation (Individual-Variante inkl. Workshop für intensiven Austausch und Ansätze für Kooperationen)

Zum Firmenprofil im planung&analyse mafonavigator >>


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