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Connected Car Markt

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Connected Cars sind schon seit Jahren ein stark diskutiertes Thema, für deren Entwicklung die Automobilbranche jährlich viel Geld ausgibt. Sina Dieken und Sebastian Buss von Statista verknüpfen die Ergebnisse zweier Statista-Expertentools und geben Einblicke in Nutzungspräferenzen für verschiedene Features sowie Marktprognosen und leiten daraus Herausforderungen für Automobilhersteller ab.

Schon bei dem Versuch, eine einheitliche Definition für „Connected Car“ zu finden, teilen sich die Expertenmeinungen darüber, welche Funktionen ein Auto zu einem Connected Car machen. Sind Connected Cars nur solche, die über eine vom Hersteller ins Auto integrierte Hardware verfügen, die einen Internetzugang ermöglicht? Was ist mit dem Nachrüsten des eigenen Autos mit einem Adapter, der das Auto zum Internet-Hotspot macht? Oder reicht sogar schon die Verknüpfung zwischen Smartphone und Autosystem (z. B. über Bluetooth)? Vor allem für Konsumentenbefragungen ist es daher wichtig, den Befragten zu Beginn eine eindeutige Definition des Begriffes „Connected Car“ an die Hand zu geben.



Für die nachfolgenden Daten und Analysen liegt die folgende Definition zu Grunde: Ein Auto gilt als „connected“, wenn es durch den Hersteller mit einer Hardware ausgestattet wurde, die einen Internetzugang ermöglicht und somit die Grundlagen zur Kommunikation des Fahrzeugs mit anderen Connected Cars, Smartphones oder der Umgebung schafft. Die Hardware reicht von einfacher Telematik, die dem Sammeln, Senden und Empfangen von Daten dient, bis hin zu Produkten, die eine erweiterte Nutzung von Internet-Konnektivität und Infotainment-Angeboten ermöglichen. Die verschiedenen Services unterteilen sich in fahrzeugbezogene Dienste (Vehicle Services) wie Wartung und Diagnose sowie in fahrerbezogene Unterhaltungs- und Informationsdienste (Infotainment Services) wie Navigationsdienste, die herstellerseitig in das Fahrzeug eingebaut wurden. Der Aftermarket, also die nachträgliche Vernetzung beispielsweise durch Adapter, B2B-Dienstleistungen (z. B. Telematik für das Fuhrparkmanagement), Nutzfahrzeuge, Sensorik und Fahrassistenzsysteme sowie Lösungen zur Smartphone-Spiegelung gelten laut dieser Definition nicht als Connected Car.

Aber was steckt hinter der Euphorie der letzten Jahre rund um das Thema Connected Car? Mit Hilfe zweier Statista Experten-Tools, dem „Digital Market Outlook“ und dem „Global Consumer Survey“ soll sich dem facettenreichen Thema Connected Car grundlegend genähert werden. Der Fokus liegt dabei auf dem Wachstumspotential des Segments, Verbraucherbedürfnissen, Herausforderungen für die Automobilhersteller sowie der Frage, welche Features bereits gut angenommen werden bzw. welche noch ungenutzte Potenziale zeigen.
Das Autorenteam

Sina Dieken und Sebastian Buss
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Sina Dieken
ist seit 2014 im Marktforschungsteam bei Statista Research & Analysis tätig und kann zudem auf rund sieben Jahre Marktforschungserfahrung zurückblicken. Bei Statista betreut sie unter anderem seit 2016 ein internationales Kundenpanel im Bereich Automotive.

Sebastian Buss verantwortet als Head of Digital Market Analysis Statistas Market Outlooks und erstellt mit seinem Team Marktschätzungen und Prognosen zu verschieden Themen aus den Bereichen Digitale Märkte, Konsumgüter und Mobilität. Der Wirtschaftspsychologe ist Experte für die Analyse digitaler Geschäftsmodelle.

Der Digital Market Outlook kombiniert in einem komplexen, multikausalen Modell unterschiedlichste Primär- und Sekundärquellen und leitet damit Prognosen für verschiedene, digitale Märkte ab. So können aktuellste Erkenntnisse aus Wirtschafts-, Trend- und Innovationsforschung abgebildet werden. Der Statista Global Consumer Survey auf der anderen Seite untersucht das Konsumverhalten und die Mediennutzung der Bevölkerung in bisher 46 Ländern. Insgesamt wurden zu diesem Zweck weltweit schon mehr als 400.000 Interviews durchgeführt. Die Themen- und Markenwelt des Global Consumer Surveys ist sehr vielfältig und deckt Themen wie Internet & Devices, Smart Home, Digital Media, E-Commerce & Retail, Mobility, Health, Finance und viele andere ab.

Connected Car Markt gesättigt, nur geringes Umsatzwachstum

Die Zahlen des Digital Market Outlooks deuten an, dass der Connected Car Markt in den kommenden Jahren weniger stark wachsen wird. Zwar wachsen die Umsätze in den kommenden Jahren weiterhin, allerdings mit deutlich moderater Geschwindigkeit, als noch vor ein paar Jahren. Nach aktuellem Stand werden im Jahr 2019 etwa 19,3 Mrd. Euro weltweit mit Connected Car Anwendungen umgesetzt werden, für das Jahr 2023 wird ein jährlicher Umsatz von 27,8 Mrd. Euro prognostiziert. Während zwischen den Jahren 2017 und 2018 das absolute Wachstum im Connected Car Markt bei gut 3,4 Mrd. Euro lag (was einer prozentualen Steigerung von 26 Prozent entspricht), gehen die Prognosen für die Jahre 2022/2023 nur noch von einer absoluten Steigerung von rund 1,6 Mrd. Euro aus (was einer Wachstumsrate von 6 Prozent entspräche). Das Abflachen der Wachstumsrate zeigt, dass sich der Connected Car Markt nun in der Sättigungsphase befindet. Entsprechende Connected Car Features sind im Alltag der Konsumenten angekommen; diese erwarten eine gewisse Grundausstattung ihrer Autos. Für die Autobauer bedeutet das, dass sie nicht mehr erwarten können, große Marktanteile über Connected Car Features zu erschließen, sondern viel mehr den Status Quo aufrechterhalten sollten.

Wenig Interesse an online-basierten Navigationsanwendungen, Remote- und Entertainment-Services

Der Global Consumer Survey hat in diesem Jahr von 1.728 deutschen Autofahrern das Nutzungsverhalten verschiedener Connected Car Features erfasst, von online-basierten Navigationsanwendungen (die unter anderem Features wie Real Time Traffic Informationen oder Routenanpassungen über das herstellerseitig eingebaute Navigationsgerät beinhalten) über Infotainment und Entertainment Features (wie der Integration von Musik- der Videostreaming) bis hin zu Remote Services (wie dem ferngesteuerten Öffnen und Verschließen der Autotüren per App, einer Fernsteuerung für die Autoheizung oder der Zuschaltung von Werkstattkräften im Servicefall).  Man kann sagen, dass die Ergebnisse im direkten Gegensatz zu den Investitionen der Automobilindustrie stehen: Gut ein Drittel (69 Prozent) der Befragten gibt an, gar kein Connected Car Feature zu nutzen. Navigationsanwendungen werden noch vergleichsweise häufig genutzt und zwar von 19 Prozent der Befragten. Deutlich weniger interessiert zeigen sich Autofahrer hingegen gegenüber den unterschiedlichen Remote-Services, die lediglich von acht Prozent der Befragten genutzt werden. Gleiches Bild beim Thema Entertainment: Auch hier geben nur acht Prozent der Befragten an, entsprechende Features zu nutzen.

Deutschland liegt im Ländervergleich bei der Verbreitung von Connected Car Features zurück

Der internationale Vergleich zeigt, dass die deutschen Autofahrer weniger interessiert an Connected Cars sind. Wie erwähnt geben 69 Prozent der befragten deutschen Autofahrer an, bisher noch kein online-basiertes Feature im Auto zu haben. Im Vergleich zum Vorjahr ist dieser Anteil zwar leicht zurückgegangen (von 75 Prozent in 2018), liegt aber immer noch deutlich hinter beispielsweise UK (hier geben 60 Prozent der befragten Autofahrer an, keine online-basierten Features im Auto zu haben) oder den USA (hier sind es sogar nur 56 Prozent der Befragten).

Navigation und Entertainment im Auto wird vom Smartphone übernommen

Dabei sind die deutschen Autofahrer onlinebasierten Features alles andere als abgeneigt – nur eben nicht über im Auto integrierte Lösungen. Es zeigt sich, dass das Smartphone gerade in den Bereichen Navigation und Entertainment eine zentrale Rolle spielt. Der Anteil der Befragten, die im Auto das Smartphone zum Navigieren nutzt, beträgt in Deutschland 44 Prozent. Dabei nutzen 30 Prozent Verkehrsinformationen in Echtzeit (ein Anstieg um vier Prozentpunkte von 26 Prozent in 2018). Ebenso viele Befragte suchen online nach Informationen zu Tankstellen, Restaurants und anderen Locations (im Jahr 2018 waren es nur 24 Prozent). Für Musikstreaming im Auto wird das Smartphone sogar noch häufiger genutzt. 62 Prozent der befragten Autofahrer in Deutschland gibt an, dies zu tun (von 56 Prozent in 2018).


Die Verbindung zwischen Smartphone und Auto kann dabei sowohl kabelgebunden (AUX, USB etc.) als auch kabel-ungebunden (Bluetooth, W-Lan etc.) erfolgen. Die kabellosen Verbindungen werden im Vergleich bevorzugt: 33 Prozent der befragten Autofahrer gibt an, ihr Smartphone kabellos zu connecten. Eine kabelgebundene Alternative wird hingegen nur von 16 Prozent der Befragten genutzt.

Besonders die zunehmende Nutzung des Smartphones für typische Connected Car Anwendungen ist der Grund für das abflachende Wachstum des Connected Car Marktes mit Hardware inklusive eigenem Zugang zum Internet und eigener Dienste. Für die Autohersteller bedeutet dies, in Zukunft umzudenken. Zukünftig sollte der Fokus vielmehr auf der Weiterentwicklung benutzerfreundlicher Systeme zur Integration des Smartphones in das Auto, beziehungsweise der Optimierung von Lösungen zur Smartphone-Spiegelung liegen, anstatt proprietäre Systeme zu entwickeln. Denn hört man auf die Wünsche der Konsumenten, dann kann Connected Car Hardware bestenfalls gänzlich durch Smartphone-basierte Lösungen ersetzt werden.

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