Online Special Mobile Research

Die größten Stolpersteine bei der User Experience

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In den User-Experience-Tests von Apps und Websites für mobile Endgeräte zeigen sich immer wieder ähnliche Probleme. Wie sich diese lösen lassen, weiß Michael Wörmann, Managing Partner beim auf Nutzerforschung spezialisierten Beratungsunternehmen Facit Digital.

1. Problem: Verborgene User-Experience-Perlen

Von Nutzern mobiler Apps ist häufig zu hören: „Das ist ja eine tolle Funktion! Aber wie soll man da denn draufkommen?“ Leider sind viele Features hinter Wischgesten oder unbekannten Tastenkombinationen versteckt oder werden nur durch langes Drücken eines Buttons (Longpress) aktiviert. Kein Wunder, denn der Platz auf den Touchscreens der mobilen Endgeräte ist begrenzt und es müssen neue Bedienmöglichkeiten gefunden werden. Obwohl die meisten Navigationsformen generell bekannt sind, werden sie nicht von allen Nutzern selbstständig gefunden.

Es ist deshalb wichtig, den digitalen Erfahrungshorizont der jeweiligen Zielgruppe ernst zu nehmen. User-Experience-Tests können helfen, die Vor- und Nachteile von versteckten Funktionen und Features aufzudecken. Ist der Nutzer überfordert? Oder werden Funktionen einfach übersehen (Missed Content)? Wenn solche Defizite erkannt wurden, muss nach Möglichkeiten gesucht werden, die versteckten Features und Funktionen zu kennzeichnen oder Hinweise darauf zu geben, zum Beispiel durch kurze Intros oder Animationen.

2. Problem: Navigation oft nur auf gut Glück

Auf mobilen Geräten werden gerne sogenannte Split Buttons eingesetzt. Die Schaltflächen mit Doppelfunktion versprechen, auf geringstem Raum zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Zum einen Zugang zu Übersichtsseiten einer Navigationsebene (per Klick auf die Kategorienbezeichnung). Zum anderen Zugang zu Unterkategorien (per Klick auf einen Pfeil neben der Kategorienbezeichnung). Generell ermöglicht dies die Navigation durch umfangreiche Informationsarchitekturen.

Michael Wörmann
Michael Wörmann
ist Managing Partner beim auf Nutzerforschung spezialisierten Beratungsunternehmen Facit Digital.

Aber diese Art der Navigation überfordert viele Anwender und wird zur reinen Glückssache: Manche Nutzer klicken immer auf die Schrift; manche klicken immer auf den Pfeil; manche mal auf die Schrift, mal auf den Pfeil – nicht wissend, dass es unterschiedliche Verlinkungen gibt. Das Resultat: Einige Inhalte bleiben schlichtweg unentdeckt oder die zufällig wirkende Navigation wird als Bug wahrgenommen.

Die Usability-Forschung empfiehlt daher, auf Split Buttons zu verzichten und lieber alternative Navigationsstrukturen anzuwenden, indem man beispielsweise auf den Zugang zur Übersichtsseite der Subkategorie verzichtet und nur Subkategorien anbietet. Ist dies nicht möglich, sollte die Zweiteilung zumindest gestalterisch verdeutlicht werden, etwa durch zwei Buttons.

3. Problem: Zu viele verwirrende Icons

Icons sind nützliche Navigationselemente. Sie benötigen wenig Raum und können helfen, angebotene Inhalte schnell aufzufinden. Aber Icons können die Auffindbarkeit nur dann verbessern, wenn sie eindeutig sind und verstanden werden. Deshalb ist bei der Auswahl und Gestaltung Folgendes zu berücksichtigen:

  • Das Symbol an sich muss erkannt werden. Selten sind Icons jedoch wirklich universell verständlich.
  • Nutzer müssen das Resultat nach einem Klick antizipieren können. Hierfür muss der Nutzer das Icon schnell in Beziehung zum Inhalt setzen können.
  • Dauert das Entschlüsseln der Icons zu lange, sind sie hinderlich und beeinträchtigen die User Experience.

Um das Verständnis von Icons zu stärken, sollten sie daher immer mit einem Label versehen werden, und zwar bestenfalls per Bildunterschrift. Denn ein Hinweis, wenn man wie beim PC mit der Mouse darüberstreicht, ist bei einem Touchscreen leider nicht möglich.

4. Problem: Flat Design verwirrt den Nutzer

Seit der Kehrtwende zum Flat Design, bei dem alles vermeintlich Überflüssige weggelassen wird, heben sich Interaktionselemente kaum mehr vom Hintergrund ab. Die Nutzer nehmen diese Elemente oft nicht mehr als anklickbar wahr. Zudem sind Eingabefelder nicht eindeutig ersichtlich und Beschriftungen sind auf ein Minimum beschränkt. In der Annahme, dass auf einer Website weitere Inhalte und Details verlinkt sein müssen, klicken Nutzer schlimmstenfalls auf jedes Icon, jedes Foto, jede Schrift – nur um irgendeinen Link zu finden.

Aus Usability-Perspektive ist es daher ratsam, stattdessen auf das Almost Flat Design zu setzen. Dabei wird die minimalistische Gestaltung um wichtige Hinweise für die Nutzer ergänzt, beispielsweise durch gezielt eingesetzte Schatten, Mikrointeraktionen oder Handlungsaufforderungen.

Erschienen in planung&analyse 4/2018




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