Online Special Generation Z

"Wir sind die besseren Erwachsenen"

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Nicht zuletzt die Diskussion um das Video des YouTubers Rezo legt die Frage nahe: Sprechen die Generation Z und ihre Eltern überhaupt noch dieselbe Sprache? Nicole Hanisch vom Rheingold Institut aus Köln hat Tiefeninterviews mit der GenZ geführt und gibt Antworten.

Die Diskussion um das Video des YouTubers Rezo zur Zerstörung der CDU machte deutlich wie unterschiedlich jüngere und ältere Generationen kommunizieren. Rezo, als Vertreter der jüngeren Generation, hat „mal kurz“ ein paar Themen im Netz recherchiert und bewegt seine Millionen-Follower-Schar mit einem Video. Die CDU und die gesamte ältere Generation bekommen das erst nicht so richtig mit, wissen gar nicht, wer der junge Influencer mit den blauen Haaren ist und reagieren nach längeren internen Verhandlungen mit einem Fax zur Stellungnahme. Da treffen zwei Welten aufeinander, die Schwierigkeiten haben, überhaupt ein gemeinsames Kommunikationsmedium zu finden. Manche Medien sehen Rezo sogar als Vorboten einer neuen Revolution oder Apo-Bewegung, wie zum Beispiel der Spiegel-Titel mit dem schönen Wortspiel: Die Rezoluzzer. Aber ist das wirklich so?

Wie versteht sich die GenZ?

In Tiefeninterviews mit der GenZ ist von einem Gegeneinander der Generationen oder gar einer Revolution wenig zu spüren. Die jungen Befragten erleben sich vielmehr gegenüber der Elterngeneration in einem Ergänzungsverhältnis. Sie fühlen sich eher wie in einer Art Team oder auch Symbiose mit ihnen. Die jüngere Generation sieht ihre Aufgabe darin, die ältere auf bestimmte Missstände aufmerksam zu machen. Die Eltern sollen die Miseren aufgreifen und die Sachen entsprechend den Vorstellungen der Jüngeren regeln. Die GenZ strebt nicht wie die Apo-Bewegung die Machtübernahme an, sondern sie will die Elterngeneration wachrütteln:
„Rezo wollte die aufmerksam machen auf die Sachen, die falsch laufen, damit die sich endlich mal darum kümmern. Der war dann auch voll überrascht über die Wirkung, die sein Video hatte, und ist dann auch erstmal untergetaucht“
Ein Jugendlicher im Tiefeninterview
Die junge Generation sieht die Elterngeneration nicht als Gegner, sondern als Erfüllungsgehilfen eigener Wünsche und Ansprüche. Denn ihnen wurde im Vergleich früherer Generationen ein wesentlich größeres Mitspracherecht eingeräumt. Ob beim täglichen Einkauf, bei der Urlaubsplanung, beim Autokauf, Hausbau oder sogar bei der Partnerwahl von Mutter oder Vater – überall werden sie zu ihren Wünschen befragt.


Die Eltern befragen sie von Kindesalter an zu allen Lebensbereichen und werden von ihnen als Enabler einer Vollversorgung gesehen. Sie sind stolz auf die Selbstbestimmtheit ihrer Kinder, auch um Konflikten aus dem Weg zu gehen und nicht für alles alleine verantwortlich zu sein.

Aber nicht nur die tolerante Versorgungshaltung der Eltern kann jugendliche Allmachtsphantasien fördern. Auch das Smartphone, als eine Art magisches Zepter der Macht, und das allwissende Netz nähren das Gefühl der GenZ, dass alles zu jeder Zeit verfügbar und machbar wird. Während Google und Wikipedia alles wissen, erscheinen Eltern, Lehrer oder Politiker recht unwissend und verlieren an Autorität.
„Die Lehrer googlen ja selbst alles, das können wir auch selber“
Ein Jugendlicher im Tiefeninterview
Überhaupt erleben sich die Jüngeren als viel versierter als die Älteren, denen sie, mit Blick auf neue Technologien, vieles erklären und beibringen müssen. Aus Sicht der GenZ verlieren die älteren Generationen die wichtigen Dinge aus dem Blick, in erster Linie was die Zukunft angeht, scheinen den jungen Nachwuchs sogar immer zu fragen, in welche Richtung es gehen soll. Das wirkt fast unsicher und ein bisschen verzweifelt, wenn GenZ alles richten soll. In diesem Sinne verunsicherte auch die sehr zögerliche Reaktion der Politiker auf das Rezo-Video. Es kommt die Frage bei den Jüngeren auf, ob die Älteren eigentlich noch verlässlich und handlungsfähig sind.


Insbesondere beim Thema Umwelt fühlt sich die Nachfolgegeneration der Gen Y in der Rolle der besseren Erwachsenen, die mehr Verantwortung für die Zukunft übernehmen als die Elterngeneration, die alles verschwendet und ihren Müll liegen gelassen haben. Als bessere Erwachsene sehen sie ihre Aufgabe darin, ihre Eltern zu erziehen und zu ermahnen: Teilt euch eure Ressourcen ein und räumt bitte euren Müll auf, den ihr hier auf der Welt angerichtet habt!

Das Gefühl viel selbst bestimmen zu können beziehungsweise auch zu müssen, führt bei der GenZ jedoch auch zu einer Sehnsucht, sich an feste Strukturen und Autoritäten anlehnen zu können. Haltgebende Autoritäten werden dann gerne im Netz in Form von Influencern gesucht, die eher wie ältere Geschwister einen kleinen Erfahrungsvorsprung haben und sich doch in der modernen Welt auskennen – wie eben Rezo.

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