Online-Kriminalität

Betrüger geben sich als Marktforscher aus

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Ein angebliches Marktforschungsunternehmen sucht vermeintlich Mystery Shopper und lockt diese mit lukrativen Incentives. Eigentliches Ziel scheinen jedoch Nutzerdaten zu sein, um Bankkonten zu eröffnen, die zu kriminellen Zwecken missbraucht werden könnten. Das ist nicht nur Betrug, sondern schädigt auch das Vertrauen in die Branche und ist leider auch kein Einzelfall, wie unsere Recherchen ergeben.

Für Mystery Shopping entlohnt werden – das ist in der Marktforschung Gang und Gäbe. Auch das Unternehmen Henrikson Research wirbt auf seiner Homepage sowie in diversen Jobportalen damit, dass Testkäufer pro Mystery-Shopping-Auftrag zwischen 10 und 300 Euro verdienen könnten. Auf den ersten Blick erscheint die Website wie die eines seriösen Marktforschungsinstituts. Dort ist von 20 Jahren Marktforschungserfahrung die Rede und es werden Bewertungen von angeblich zufriedenen Kunden präsentiert.



Doch der Eindruck täuscht. Die zitierten Kunden gibt es gar nicht und die Firma Henrikson Research ebenso wenig. Angestoßen durch eine Warnung auf der Website Onlinewarnungen.de, die behauptet, sowohl Handelsregisternummer als auch die Umsatzsteuernummer des angeblichen Marktforschers seien frei erfunden, recherchierten wir selbst einmal nach der Firma. Eine Bildersuche nach dem Foto von Danielle Pierce – angeblich Marketing Manager und zufriedene Kundin von Henrikson Research –, das auf der Website des falschen Marktforschers zu sehen ist, führte uns auf diverse andere Homepages, auf denen das Foto ebenfalls verwendet wurde, darunter eine indische Firma für orthopädische Implantate und eine amerikanische Fahrschule. Jedes Mal heißt die Kundin Danielle Pierce.

Anscheinend handelt es sich bei dem Bild um ein Stock-Foto, und die angeblich so zufriedene Kundin existiert in Wirklichkeit gar nicht. Das zeigt erst einmal nur, dass die Kundin und somit auch ihr Feedback höchstwahrscheinlich frei erfunden sind. Interessant ist aber auch, dass alle drei Websites ein identisches Design aufweisen. Ob die Seiten zusammenhängen, lässt sich nicht sagen. Zumindest scheint es sowohl die indische Firma als auch die Fahrschule wirklich zu geben, denn im Gegensatz zu Henrikson Research verlaufen die Links auf deren Websites nicht ins Leere.

Henrikson Research ist kein Einzelfall

Was ebenfalls stutzig macht: Laut Onlinewarnungen.de führt der Server von Henrikson Research nicht, wie bei einem deutschen Unternehmen vermutet, nach Deutschland, sondern in die USA. Zudem funktioniert keiner der angegebenen Social-Media-Links und die Studien, die das Unternehmen auf seiner Seite publiziert hat und bei denen der Eindruck entsteht, sie wurden von Henrikson Research selbst durchgeführt, wurden zwar von einem Autor namens Carl Phillip Henrikson gepostet, stammen aber in Wirklichkeit vom Marktforscher Ipsos.


Der Zweck der Fake-Firma dürfte nach einem Blick auf den Registrierungsprozess klar werden, den die gesuchten Mystery Shopper durchlaufen müssen. Bei der Registrierung werden Nutzer nämlich dazu aufgefordert, die Vorder- und Rückseite ihres Personalausweises sowie ein Selfie hochzuladen. Anschließend wird den Teilnehmern erklärt, dass sie unterschiedliche Identifikationsverfahren testen sollen, die bei Banken eingesetzt werden. Mit den von den Teilnehmern zur Verfügung gestellten Daten könnten sogar Bankkonten eröffnet werden, berichtet die Informationsplattform Watchlist Internet.

Henrikson Research ist dabei nicht die einzige Plattform, die unter dem Anschein ein Marktforscher zu sein, ihr Unwesen treibt. Allein im letzten halben Jahr warnte Onlinewarnungen.de vor vier weiteren Unternehmen, die mit einer ähnlichen Masche Identitätsdiebstahl begehen. Dabei lässt sich der Server stets ins Ausland zurückverfolgen; die Fotos angeblicher Mitarbeiter oder Kunden wurden von anderen Websites kopiert – bei manchen verrät sogar das Schlagwort "Testimonial" in der URL des Bildes, dass es sich um ein Stock-Foto handelt – und das Impressum ist fehlerhaft oder existiert schlichtweg nicht.

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