Online-Konferenz GOR

Ein Mix aus Live-Programm und vorproduzierten Videos

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Otto Hellwig und Bella Struminskaya
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Otto Hellwig und Bella Struminskaya
Die DGOF wird am 10. und 11. September die General Online Research Konferenz erstmals als Online-Konferenz durchführen. Wir sprachen mit zwei der Vorständen des Veranstalters DGOF, Otto Hellwig und Bella Struminskaya, über den harten Weg zu dieser Entscheidung und wie den Besuchern die Teilnahme so einfach wie möglich gemacht werden soll.
Erst musste die GOR von März auf September verschoben werden, nun kam die Entscheidung für eine reine Online-Konferenz. Es ist hart in diesen Tagen eine Veranstaltung durchzuführen. Oder?


Otto Hellwig: Mit der GOR hat die DGOF mehr als 20 Jahre Erfahrung, eine Präsenz-Konferenz durchzuführen. Wir wissen, wie man ein gutes Programm zusammenstellt, wie man einen geeigneten Konferenzort findet, wie man eine Veranstaltung vor Ort organisiert und wie man das passende Publikum und Sponsoren akquiriert. Die GOR online durchzuführen gehörte bisher nicht in diese Liste und ich kann nur den vielen Menschen danken, die in den letzten Wochen mit viel Engagement und zum großen Teil ehrenamtlich die DGOF bei dieser Herausforderung unterstützt haben. Wir waren aber in einer guten Ausgangssituation. Wir konnten auf das Programm aufbauen, welches schon im März stand und wir hatten bereits viele registrierte Besucher. Bei der Entscheidung, ob wir die kommende Konferenz im September nun vor Ort oder vielleicht virtuell anbieten, standen letztendlich auch finanzielle Aspekte im Fokus. Durch die Absage im März sind uns bereits Kosten entstanden, die einfach verloren sind. Eine zweite kurzfristige Absage einer Präsenzkonferenz im September hätten wir uns nur sehr schwer leisten können, gar nicht zu reden von den vielen Fragen einer möglichen Haftung.
Online-Konferenz GOR am 10. und 11. September 2020
Eine Online-Konferenz bedeutet aber zusätzliche Kosten wie Technik und Personalkosten. Wir sind aber in der glücklichen Lage, dass wir das bereits registrierte Publikum und die Sponsoren nach ihrer Teilnahme an einer Online-Konferenz befragen konnten. Erst durch deren positives Feedback wussten wir, dass die Finanzierung der Online-Konferenz gesichert ist. Blieb nur noch die Herausforderung der technischen Umsetzung und der Organisation eines Online-Events und dies ist wirklich hart, da man erst sämtliche Ideen und Teil-Erfahrungen vieler Köpfe zusammentragen muss und man immer das Gefühl hat, auf sehr dünnem Eis zu gehen. Das macht es aber auch super spannend.

Wie müssen wir uns die Veranstaltung vorstellen? Werden alle Stränge live stattfinden? Hellwig: Wir haben uns für einen Mix aus Live-Programm und vorgefertigten Videos entschieden. Die meisten Beiträge werden gerade produziert und sind dann per Video in synchronen Sessions zu sehen. Anschließende Diskussionen finden in den gleichen Sessions live statt. Dadurch können wir besser planen und die UX ist für das Auditorium einfach besser.


Bella Struminskaya: Die Videos der Vortragenden werden während der gesamten Konferenz online verfügbar sein. Für Sonderformate haben wir eine andere Lösung: Die Keynotes werden als Live-Broadcast stattfinden mit live Q&A; für die Poster-Session wird es die Möglichkeit geben, Poster-Autoren über Chat Fragen zu stellen.

Vielleicht hat ein solches Format auch Vorteile. Kann man sich die verpassten Slots zu einem späteren Zeitpunkt noch ansehen? Hellwig: Genau, im Anschluss an die Sessions kann man auf diese als Video zugreifen und diese bleiben auch nach der GOR online. Diesen Service hatten wir bisher nicht.

Haben Sie eine Lösung, um den Austausch zwischen Besuchern auf irgendeine Art zu ersetzen? Wird es eine Chatfunktion geben? Hellwig: Aus den unzähligen Videokonferenzen, die ich seit den Lockdowns erlebt habe, kann ich ein Ergebnis mitnehmen. Sind mehr als eine Handvoll Menschen in einer Session wird Interaktion schwer. Eine integrierte Chatfunktion, die wir auch anbieten, kann helfen, fühlt sich aber nicht natürlich an. Deshalb bringen wir für den sozialen Aspekt einer Konferenz und der ist den Menschen und uns sehr wichtig, neue Formate durch innovative Software ins Spiel. Orte, bei denen man sich spontan in Gruppen oder zu zweit gezielt zum Videotalk vernetzen kann. Das kommt der Kaffeebar- und Lounge-Atmosphäre vergangener GORs ziemlich nahe und ist gerade am Anfang unglaublich spannend und lustig.

Hat sich das Programm wesentlich verändert? Ich habe gesehen, die Keynotespeaker sind in die Mittagszeit gerutscht. Gab es noch andere nennenswerte Veränderungen? Struminskaya: Ja, die Keynotes von Patricio Pagani von The Black Puma AI und Milena Tsvetkova von der London School of Economics finden in der Tat etwas später statt damit sich möglichst viele Konferenzteilnehmer aus unterschiedlichen Zeitzonen diese live ansehen können. Wir sind sehr froh, dass wir nicht viele Absagen bekommen haben: Die Mehrheit der Vorträge und Poster die für März eingeplant waren, werden auf der virtuellen GOR präsentiert. Neu im Programm ist eine spannende Plenary Session “Online Data Collection During Times of Corona - A Data Quality Perspective” am Freitag. Eingeladene Redner aus der Praxis und Wissenschaft werden über die Implementierung ihrer Studien zu COVID-19 sprechen. Prof. Frauke Kreuter von der University of Maryland und der Universität Mannheim und Katherine Morris von Facebook stellen den Facebook COVID-19 Symptom Tracker Survey vor und Lydia Pauly von YouGov bespricht die Methodologie des YouGov COVID-19 Monitors. Wir erwarten eine lebendige Diskussion zu diesem aktuellen Thema. Die Track-Struktur haben wir für die virtuelle Konferenz beibehalten. Es wird Präsentationen zur klassischen Online und Mobile-Forschung (Track A), Data Science und Big Data (Track B), Politische Kommunikation und Meinungsforschung (Track C) sowie Angewandte Digitale Forschung (Track D) geben. Darüber hinaus, werden alle unsere Wettbewerbe wie GOR Best Practice Award, GOR Thesis Award, und GOR Poster Award stattfinden.

Wie wird sich die Anzahl der Teilnehmer entwickeln? Glauben Sie, dass eher mehr oder weniger Besucher kommen? Hellwig: Von den bereits im März Registrierten haben mehr als zwei Drittel sich auch für die virtuelle GOR angemeldet. Das war mehr als ich erwartet habe. Seit einigen Tagen haben wir die Anmeldung für die GOR wieder geöffnet und es läuft bisher gut an. Zusätzlich haben wir gerade eine Kampagne für die GOR gestartet und ich gehe davon aus, dass wir in etwa die gleiche Teilnehmerzahl der letzten Jahre erreichen. Wobei wir aber und das ist positiv eine neues Publikum ansprechen können. Personen, die es bisher nie oder selten einrichten konnten, eine GOR vor Ort zu besuchen oder Menschen, für die eine Reise zur GOR zu weit war.

Worauf freuen sie sich besonders bei der diesjährigen GOR? Hellwig: Nach Monaten des Home-Office und einer langen Zeit ohne Veranstaltungen freue ich mich vor allem auf die vielen Gesichter und die Menschen dahinter, die man lange vermisst hat und, wenn auch räumlich getrennt, auf ein oder zwei Feierabend-Bierchen nach hoffentlich spannenden Konferenztagen.

Struminskaya: Ich freue mich, die Kollegen und Freunde bei der Konferenz wieder zu sehen und auf die spannenden Vorträge über die neue Entwicklungen in der Online-Forschung. Schön ist auch, dass bei der virtuellen GOR man kein Fear of Missing Out mehr zu haben braucht, da es möglich ist, die Präsentationen aus den parallelen Sessions auf der Konferenzplattform bis zu einem Monat nach der Konferenz anzusehen.
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