Nutzung von Mobilfunknummern für wissenschaftliche Forschung

ADM lässt nicht locker

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Viele junge Menschen haben keinen Festnetzanschluss mehr
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Viele junge Menschen haben keinen Festnetzanschluss mehr
In einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Altmaier tritt der ADM dafür ein, dass bei der Neufassung der E-Privacy-Verordnung die Telefonanbieter die Erlaubnis bekommen, Erhebungsinstituten mitzuteilen, welchem Bundesland eine bestimmte Mobilfunknummer zugeordnet werden kann.

Die E-Privacy-Verordnung sollte ursprünglich gemeinsam mit der DSGVO im Jahr 2018 in Kraft treten. Sie regelt die Nutzung elektronischer Kommunikationsdienste innerhalb der Europäischen Union. Jetzt startet zumindest der sogenannte „Trilog“. Darin sollen sich die Europäische Kommission, das Europäischem Parlament und der Rat der Europäischen Union über die finale E-Privacy-Verordnung einigen.


Daher sieht der Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute ADM noch eine Chance, alle geplanten Regelungen noch einmal auf den Prüfstand zu stellen und die Brancheninteressen zu vertreten.

In einem Brief erklärt der Verband Bundeswirtschaftsminister Altmaier - der Deutschland im EU-Rat vertritt - das Problem: Bei repräsentativen telefonischen Umfragen müssen in der Stichprobe sowohl Festnetz- als auch Mobilfunk-Anschlüsse berücksichtigt werden. Während Festnetzanschlüsse eine ortsbezogene Vorwahl besitzen. Ist eine Verortung der Mobilfunk-Anschlüsse nicht möglich. Will man etwa eine Umfrage im Saarland machen und deren Bewohner befragen, muss man entsprechend des Bevölkerungsanteils von 1 Prozent an der Gesamtbevölkerung 100 Leute mit Mobilfunkanschluss anrufen, um statistisch gesehen nur auf einen Saarländer zu treffen. Diese Vorgehensweise ist nicht nur ineffizient, sondern stört auch unnötigerweise zahlreiche potenzielle Teilnehmer.
„Viele, vor allem jüngere Menschen, sind überhaupt nur noch mobil zu erreichen. Wenn wir weiterhin verlässliche Ergebnisse aus Befragungen als Grundlage für gesellschaftliche Entscheidungen verwenden wollen, muss die E-Privacy-Verordnung entsprechend angepasst werden! “
Bernd Wachter, Vorstandsvorsitzender des ADM
Der aktuelle Entwurf der E-Privacy-Verordnung kenne zwar ein „Forschungsprivileg“, dies laufe jedoch für die skizzierte Problematik ins Leere, da die Telefonprovider den Instituten keine personenbezogenen Daten zur Verfügung stellen dürfen, sondern nur anonymisierte bzw. pseudonymisierte.

Die Branche will auch gar nicht wissen, wem der Anschluss gehört, sondern lediglich welchem Bundesland er zuzuordnen ist. Es wäre recht simpel: Man könnte zum Zeitpunkt X – vorzugsweise in der Nacht - diese Information erheben und weitergeben.

Durch eine entsprechende Modifizierung des Verordnungsentwurfs könnte den Providern erlaubt werden, den Instituten mitzuteilen, ob die Telefonnummern der Mobilfunkstichprobe in das Zielgebiet der Befragung gehört oder nicht. Dies ist aus Sicht des ADM in datenschutzkonformer Weise möglich. Allein die Information „ja oder nein“ ist für die Institute relevant.

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