Nürnberg Institut für Marktentscheidungen e.V.

Ex-GfK-Verein zeigt Strategiewechsel beim ersten D-Day

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Nach der Umbenennung von GfK Verein in Nürnberg Institut für Marktentscheidungen zeigt die neue Führungsspitze des NIM erstmals auf einer Tagung, wie sie sich den Wandel des altehrwürdigen Vereins vorstellt: fast alles neu, aber nicht zum Selbstzweck.

Das Wort Marktforschung fiel kaum an diesem ersten D-Day. D steht für Decisions und zwar für Market Decisions. Denn Marktentscheidungen sind das Wesentliche, wie der Präsident des NIM, Manfred Scheske, den Tag einleitet: „Marktentscheidungen sind die Energie von Unternehmen und Märkten, sie treiben Veränderungen und Fortschritt.“
Manfred Scheske, Präsident des NIM, erläuterte die Hintergründe zum neuen Namen
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Manfred Scheske, Präsident des NIM, erläuterte die Hintergründe zum neuen Namen
Solche Marktentscheidungen werden auf beiden Seiten der Märkte getroffen, bei den Unternehmen und den Konsumenten. Während das Gros der Unternehmen zentrale Entscheidung trifft, sind Konsumenten eher ein Beispiel für eine Basisdemokratie, sie entscheiden dezentral, häufig nicht rational. „Das macht Marktdynamik aus“, so Scheske und sagt: „Es ist unsere Aufgabe, Marktentscheidungen zu erforschen, zu verstehen und zu antizipieren.“ Und deswegen heiße der Verein jetzt auch „Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) und nicht mehr GfK Verein. Und dies, das war Scheske wichtig, sei durchaus kein sperriger Name, wie die Wirtschaftswoche kürzlich schrieb, sondern „wohlüberlegt“.

Erster NIM Market Decisions Day

Diesen Strategiewechsel der Öffentlichkeit bekanntzugeben und mit Leben zu füllen, war die Aufgabe, die sich der Verein für diesen Tag gestellt hatte und es ist gut gelungen, den Neuanfang zu verdeutlichen. Angefangen bei der Location. Nicht die weitläufigen Nürnberger Messehallen, sondern das Poolhouse, welches etwas verwinkelt und atmosphärisch hipper daherkommt. Das neue Führungsteam, Manfred Scheske als Präsident und Andreas Neus als Geschäftsführer, haben sich selbst im Programm eingebracht und der neue Name leuchtet von der Wand, steht auf T-Shirts und prangt auf Bannern. Die Entscheidung für einen Namenswechsel war nicht ganz freiwillig. Die Besitzverhältnisse für das Logo GfK waren in den vergangenen Jahrzehnten nie richtig geklärt und so wurde im vergangenen Jahr vereinbart, dass der Verein auf Name und Logo verzichtet. Freilich erhielt er im Gegenzug zehn Millionen Euro. Geld, welches er gut gebrauchen kann, denn die bisherige Finanzierung, die Dividende der GfK SE, ist momentan versiegt und es ist noch nicht klar, wann sie wieder sprudeln wird.
Andreas Neus und Manfred Scheske führen den neuen Verein
© GfK Verein
Andreas Neus und Manfred Scheske führen den neuen Verein
Die Distanzierung zwischen GfK SE und NIM war augenfällig auf dem Konferenztag. Mutete die Tagung vor zwei Jahren und die Jahre davor noch wie ein Betriebsfest der GfK an, waren jetzt lediglich einzelne Vertreter zugegen. Der Verein muss und will sein eigenes Ding machen und bleibt dennoch „Gründer und Ankeraktionär der GfK SE“, wie es in der Unterzeile des Logos heißt.

Alpha-Tiere treffen Fehlentscheidungen

Solche Überlegungen spielten aber keine Rolle an diesem ersten D-Day in Nürnberg. Der Ex-Berufspilot Peter Brandl machte sehr anschaulich deutlich, welche Konsequenzen Entscheidungen haben können und dass Alpha-Tiere, die meinen, sie könnten alleine richtig entscheiden, eher Fehler machen – dramatische Fehler, die bei Piloten Menschenleben kosten können. In der Wirtschaft sind es eher Arbeitsplätze, aber auch dies kann dramatisch sein. Brandl sieht die Sache ganz einfach. Es gebe drei zentrale Fragen: Aufgrund welcher Daten treffen wir Entscheidungen? Welche Informationen braucht man? Was, wenn die Informationen falsch sind?


Marius Luedicke, Professor an der Cass Business School der University of London, informierte über den neuesten Forschungsstand bezüglich der Herausforderungen, die Menschen bei der Konfrontation mit Künstlicher Intelligenz erleben und welchen Einfluss die Kultur dabei hat.

Denis Burghardt, Gründer und CEO des Nuss-Produzenten KERNenergie berichtete von den vielen wegweisenden Entscheidungen, die ein Unternehmer beim Aufbau treffen muss.


NIM-Geschäftsführer Andreas Neus steigt in die Geschichte der Entscheidungen ein und zeigt die Notwendigkeit von Forschung auf dem Gebiet auf. Was Kunden wollen, wie sie entscheiden ist vielfältigen Einflüssen ausgesetzt. Gefährlich kann es werden, wenn man als Unternehmer nicht in der Lage ist, den vorhanden Rahmen – das Mindset – zu verlassen und in neuen Bahnen zu denken. Die Forschung dazu wird mithin immer anspruchsvoller und muss selbstverständlich moderne Instrumente nutzen.

Was machen die Forscher im NIM?

In mehreren Sessions wurde daher gezeigt, was der Verein eigentlich macht. Denn sowohl das Team als auch der Arbeitsauftrag beim NIM sind gleich geblieben: Es geht um Grundlagenforschung. So wurde in vier Kleingruppen gezeigt, woran die Forscher arbeiten. Entscheidungsfindung im Market Decision Lab, das nicht nur in Nürnberg, sondern auch in Pretoria und Peking eine Vertretung hat. Hier geht es um das Management in einer Welt der Künstlichen Intelligenz etwa mit Alexa und mit künstlich erzeugter Sprache, die emotional und täuschend echt daher kommt.

„Do not please the boss, please the customer“

Schluss- und Höhepunkt der Veranstaltung war der Vortrag von Erich Harsch, CEO von dm-Drogerie-Markt. Er gilt als Vertreter eines anderen, neuen Unternehmertums, der nicht alles kontrollieren und verordnen will, sondern auf Eigenverantwortung bei seinen Mitarbeitern setzt. „Das Top-Down-Denken gibt es nicht bei dm“, sagt er. „Do not please the boss, please the customer“ sei die Philosophie im Unternehmen. Harsch macht deutlich, wie sich diese Haltung, sowohl in Zeiten des ökonomischen Höhenflugs – etwa nach der Insolvenz des Drogeriemarktbetreibers Schlecker – aber auch in konsolidierten Zeiten auszahlt. Ein Schlüssel für den Erfolg sei auch die frühe Beschäftigung mit neuen Techniken und Digitalisierung. Er beschreibt die Unternehmensentscheidungen von der ersten Scannerkasse, die Gründer Götz Werner bereits 1979 einführte, bis zur Versorgung aller Mitarbeiter in den Outlets mit Smartphones. „Bei digitalen Projekten haben wir nie eine Kosten-Nutzen-Rechnung gemacht, sondern wir wollten das Mögliche übernehmen, weil es sich langfristig auszahlt.“

So hat dieser erste D-Day eindrucksvoll gezeigt, wie es in Zukunft beim Verein in Nürnberg weitergeht. Die Stoßrichtung, mehr auf eine Metaebene zu gehen und die Entscheidungen im Markt insgesamt zu betrachten, scheint den momentanen Marktveränderungen gerecht zu werden. Wir sind gespannt, ob sich die ambitionierten Ziele realisieren lassen.
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