NIM Sonderpublikation Corona

Was deutsche Unternehmen aus der Krise lernen

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Wie hat die Corona-Krise Marktentscheidungen beeinflusst und wie wird sie die Zukunft von Unternehmen verändern? Das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) wirft zur Beantwortung dieser Fragen in einer Sonderpublikation mit dem Titel „Corona – Aus der Krise lernen“ einen Blick auf vergangene, aktuelle und künftige Auswirkungen der Pandemie.
Vieles hat sich in den letzten acht Monaten getan, von der Registrierung der ersten Corona-Fälle in Deutschland über den Lockdown bis hin zu den aktuellen Diskussionen über eine Wiedereröffnung des gesellschaftlichen Lebens und einer möglichen zweiten Welle. In diversen Studien hat sich das NIM einigen dieser Themen gewidmet, um zu erforschen, welche Folgen die Corona-Pandemie auf Marktentscheidungen hatte – und haben wird.

Unternehmen waren größtenteils unvorbereitet

Eine davon wurde im Mai diesen Jahres online unter Führungskräften aus mehr als 200 Fertigungsunternehmen durchgeführt. Diese kamen aus Deutschland, Großbritannien, Italien und den USA und sollten ihre Erfahrungen und Herausforderungen im Kontext der Corona-Krise schildern. In dieser Studie stellten die Forscher fest, dass mehr als die Hälfte der Befragten nicht auf die Pandemie vorbereitet waren. In Deutschland waren lediglich 15 Prozent darauf vorbereitet. Trotzdem steht Deutschland im Ländervergleich positiver da als andere: Während zwei Drittel aller befragten Führungskräfte angaben, negative Auswirkungen durch Corona zu spüren, sagten das in Deutschland nur 54 Prozent. Und lediglich fünf Prozent erwarten hierzulande auch in sechs Monaten noch starke negative Auswirkungen.

Deutschland setzt andere Prioritäten

So viel zum Rückblick. Aber was bleibt nach Corona? Und mit welchen Maßnahmen wollen sich Unternehmen auf künftige Krisen vorbereiten? Hier gibt es zwischen den Ländern unterschiedliche Meinungen. Während man sich in Italien, Großbritannien und den USA in Zukunft vor allem um eine bessere Krisenvorsorge bemühen will, hat unter den deutschen Managern die Reorganisation von Lieferketten oberste Priorität.
EIne Mehrheit der befragten Unternehmen war nicht gut auf die Corona-Krise vorbereitet. In Deutschland liegt dieser Anteil gerade mal bei 15 Prozent.
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EIne Mehrheit der befragten Unternehmen war nicht gut auf die Corona-Krise vorbereitet. In Deutschland liegt dieser Anteil gerade mal bei 15 Prozent.
Auf Platz zwei landet in Deutschland der Aspekt „auf die Krise vorbereitet zu sein“, was Maßnahmen wie die Erstellung von Risikobewertung, Notfallstrategien und Krisenplänen beinhaltet, und an dritter Stelle steht der Erhalt der Liquidität. Damit unterscheidet sich Deutschland erneut von anderen Ländern; in Großbritannien beispielswiese landet die Optimierung der Lieferketten auf Rang drei. In der Studie zeigt sich aber auch: Fast alle der befragten deutschen Manager hatten Antwort auf die Frage, was sich in ihrem Geschäft ändern wird, während jeder fünfte Manager in Italien und den USA und jeder vierte in Großbritannien diese Frage nicht beantworten konnte.


Insgesamt erwarten 31 Prozent aller Befragten, dass die Bedeutung von Mitarbeitergesundheit und Hygiene nach der Krise gestiegen sein wird; 19 Prozent rechnen mit einer Zunahme von Remote Work und Homeoffice und 13 Prozent mit einer beschleunigten Digitalisierung des Geschäftsbetriebs. 16 Prozent hatten (noch) keine Antwort auf die Frage nach bleibenden Veränderungen in ihrem Unternehmen.

Diese Herausforderungen erwarten Unternehmen künftig

Die Corona-Krise und deren Nachwirkungen werden unweigerlich eine der großen Zukunftsherausforderungen für Unternehmen sein. Wo Führungskräfte konkret Schwierigkeiten erwarten, zeigt eine bisher noch unveröffentlichte Studie des NIM, in der 400 hochrangige Führungskräfte aus den USA, Italien, Frankreich, Spanien, den Niederlanden und Deutschland telefonisch zu Wort kamen. Die häufigste Antwort auf eine offene Frage nach den bestimmenden Themen für die nächsten fünf bis zehn Jahre war der technologische Fortschritt und die Schwierigkeit, neue Technologien frühzeitig gewinnbringend zu nutzen.
Eine Verbesserung der Krisenreaktionsfähigkeit halten 35 Prozent der Befragten für eine wichtige Maßnahme, um Unternehmen in Krisen widerstandsfähiger zu machen.
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Eine Verbesserung der Krisenreaktionsfähigkeit halten 35 Prozent der Befragten für eine wichtige Maßnahme, um Unternehmen in Krisen widerstandsfähiger zu machen.
Des Weiteren erwarten 68 Prozent der Befragten, dass neue Vorschriften und Compliance-Anforderungen starke oder außergewöhnlich starke Auswirkungen auf ihre Märkte haben werden. Ebenso viele sagen, eine Veränderung im Konsumentenverhalten wird sie herausfordern, und 61 Prozent sehen starke oder außergewöhnlich starke Auswirkungen durch eine Intensivierung des Preiswettbewerbs auf sie zukommen. Auch neue Technologien, die die Art verändern, wie Konsumenten Kaufentscheidungen treffen – darunter digitale Assistenten – werden von knapp 60 Prozent der Befragten als wichtige Herausforderung empfunden. Diese erwarteten Entwicklungen können nicht isoliert von der Corona-Krise betrachtet werden. Vielmehr, so das Fazit der Forscher, dürfte diese wie in vielen anderen Bereichen als Katalysator wirken.

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