Nachhaltigkeitstrend boomt

Wie Unternehmen gesellschaftliche Veränderungen sinnvoll nutzen können

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Das Bonner Marktforschungsinstitut Infas 360, das zum infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft gehört, veranstaltete vergangene Woche die Geomarketing Kompetenztage erstmals online. Im Dezember 2018 übernahm Infas 360 das Geomarketing-Beratungsunternehmen Lutum+Tappert. Gemeinsam präsentierten sie unter dem Motto „Change the Mapping“ derzeitige gesellschaftliche Veränderungen und wie Unternehmen auf diese sinnvoll reagieren können.
Daniel Bornemann (Simon Kucher & Partner) und Julia Kroth (Infas 360) sprachen in der ersten Hälfte des Vormittags über das Thema Nachhaltigkeit. Während Bornemann sich auf die Monitarisierung in der Verpackungsindustrie konzentrierte, stellte Kroth verschiedene Nachhaltigkeitstypen dar, die Infas 360 mit Hilfe von Befragungen und der Verknüpfung mit ihrer Datenbank analysierte.


Nachhaltigkeit ist bereits seit vielen Jahren ein Top-Thema in der Papier- und Verpackungsindustrie, wie Bornemann erklärt. Getrieben werde der Trend jedoch hauptsächlich von den Kunden, nicht von der Industrie. Der Grund: Beim Einkauf habe es keine Zahlungsbereitschaft für nachhaltige Verpackungen gegeben. Seit rund zwei Jahren sind in der Branche jedoch Änderungen zu spüren. Für nachhaltige Verpackungen gäbe in diesem Jahr eine höhere Zahlungsbereitschaft als im Vorjahr. 52 Prozent der befragten Unternehmen in der Verpackungsindustrie geben an, eine nachhaltige Strategie zu haben. Die Industrie selbst wird also als treibende Kraft stärker werden, sagt Bornemann. Der Marketingexperte rät: Unternehmen brauchen ein abgestuftes Angebot. Von gar nicht nachhaltigen, günstigen Verpackungen bis hin zu 100 Prozent recycelbaren, teureren Materialien. Somit hat der Handel eine Auswahl und Unternehmen können verschiedene Märkte bedienen. Die Covid-19-Pandemie habe den Trend zur Nachhaltigkeit auffallend verstärkt, wie aus einer aktuellen Studie hervorgeht. Bornemann betont, dass der Druck auf die Industrie erheblich steigt.

42 Prozent der befragten Deutschen identifizieren sich als nachhaltig, wie aus den Befragungen von Infas 360 hervorgeht. Mehrmals jährlich befragt das Marktforschungsunternehmen jeweils rund 10.000 Personen zu verschiedenen Schwerpunktthemen. Neben Konsum- und persönlichen Bedürfnissen wurden hierbei zum Thema Nachhaltigkeit unter anderem auch die Bereitschaft höhere Preise für nachhaltige Produkte zu zahlen abgefragt. Die Ergebnisse wurden im Anschluss mit der Infas CASA Datenbank verknüpft. Julia Kroth, Consultant Research & Analytics bei Infas 360, präsentiert fünf daraus entstandene Nachhaltigkeitstypen. Aufgrund der angegeben Daten konnte das Unternehmen eine sogenannte statistische Zwillingssuche durchführen. „Somit ist für jedes adressierte Gebäude klar, welcher Nachhaltigkeitstyp dort wahrscheinlich wohnt“, so Kroth. Für Marketingaktivitäten oder auch Wahlkampagnen bringe dies einen deutlichen Mehrwert: Inhalte könnten lokal auf die jeweiligen Nachhaltigkeitstypen angepasst werden.


Im Laufe des Tages wurden in weiteren Online-Vorträgen unter anderem die Themen "Online/Offline-Handel", "Klimawandel" und "Mapping-Plattformen" präsentiert.
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