Nach der Übernahme durch YouGov

Lüthi: "Die Marke LINK bleibt bestehen"

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Benedikt Lüthi
© youGov
Benedikt Lüthi
Im September hatte das führende Schweizer Marktforschungsinstitut LINK noch seinen 40 Geburtstag gefeiert, im Dezember wurde mitgeteilt, dass es für 26,4 Millionen Schweizer Franken an das britische Unternehmen YouGov verkauft wird. LINK-CEO Benedikt Lüthi will das Schweizer Unternehmen (laut YouGov: 23 Millionen CHF Umsatz und 2 Millionen Gewinn) weiterführen und zusätzlich die Geschicke von YouGov in der Region DACH lenken. Im Interview mit planung&analyse beantwortet er erste Fragen zu dem Deal.
Das Schweizer LINK Institut hat gerade seinen 40. Geburtstag gefeiert und sein Leistungsportfolio vorgestellt. Warum wurde es jetzt verkauft? Der Verkauf von LINK an YouGov bildet den erfolgreichen Abschluss eines sorgfältigen Selektionsprozesses für eine Nachfolge unserer ehemaligen Aktionäre. Nach der Neuausrichtung der LINK und Jahren ertragsorientierten Wachstums unter neuer operativer Führung haben die Gesellschafter beschlossen, die Unternehmensverantwortung gesamthaft an einen neuen Eigentümer zu übergeben. Dabei waren die massgebenden Ziele, die unternehmerisch orientierte Führung weiterzuführen, den Charakter der LINK als selbstständiges Unternehmen mit eigenem Leistungsangebot zu wahren und gleichzeitig langfristige Entwicklungsperspektiven zu sichern. Mit YouGov haben wir einen Käufer gefunden, der all diese Punkte erfüllt und in der Schweiz Fuss fassen will. Es ergeben sich also viele Synergien durch dieses Geschäft, unter anderem auch die Chance für die LINK, die YouGov-Datenprodukte im Schweizer Markt zu vertreiben. Die Marke LINK bleibt auch über ihr 40-jähriges Jubiläum hinaus bestehen. Das LINK-Leistungsportfolio bleibt bestehen und wird ergänzt. Unsere Kunden werden unsere Leistungen auch in Zukunft in der Art und Weise erhalten, wie Sie es gewohnt sind.

Sie sagen, die ehemaligen Eigentümer hätten aus Altersgründen nach einer Nachfolge gesucht. Gibt es keine Erben und gab es unter den Eignern keine Stimmen, die den größten Schweizer Marktforscher als unabhängiges Institut erhalten wollten? Nein, es gab keine internen Lösungen innerhalb des Aktionariats. Deshalb haben sich unsere Aktionäre das Ziel gesetzt, einen passenden neuen Eigentümer zu finden, welcher die langfristige (Weiter-)Entwicklung der LINK in ihrem Sinn vorantreibt. In Gesprächen mit YouGov haben wir schnell gemerkt, dass wir dieselben Ziele verfolgen und diese somit gemeinsam sehr gut erreichen können.

Wie kam der Kontakt mit dem Käufer YouGov zustande? Zwischen YouGov und der LINK gab es in der Vergangenheit bereits Kooperationsgespräche. Wie oben bereits ausgeführt, haben sowohl YouGov als auch LINK dabei rasch gemerkt, dass aufgrund der gemeinsamen Zielsetzungen, vertiefte Diskussionen über eine gemeinsame Marktbearbeitung in der Schweiz Sinn machen.

Sie demonstrieren als Geschäftsführung Geschlossenheit bei der Verkündung des Verkaufs. Aber passen die beiden Unternehmen wirklich gut zusammen? Auf der einen Seite YouGov als stark auf Skalierung und Datenanalyse konzentriertes Online-Befragungs-Institut und dann LINK als Full-Service-Anbieter mit qualitativer Forschung, einem hochwertigen Online-Panel aber auch großen CATI-Kapazitäten und mit dem Zweig Sozialforschung. Was bedeutet die Übernahme für diese Assets von LINK? Auch wir als LINK sehen die Zukunft der Marktforschung verbunden mit einer Entwicklung in Richtung von Datenprodukten und Skalierungen. Das Bedürfnis hiernach haben wir auch von unseren Kundinnen und Kunden vernommen und entsprechend darauf reagiert, beispielsweise mit dem Datenprodukt Swiss Brand Observer oder der Lizenzpartnerschaft mit quantilope für den Schweizer Markt. Wir sind froh, durch die Verschmelzung mit YouGov diese Kundenbedürfnisse nun noch stärker bedienen zu können. YouGov ist in der Tat bekannt für seine herausragenden Datenprodukte, wir dürfen aber nicht vergessen, dass nach wie vor der grösste Teil des Ertrages durch klassische Marktforschungsdienstleistungen erbracht wird.

Das LINK Onlinepanel ist eines der wenigen Panel weltweit welches aktiv rekrutiert wird. Für einige Kunden in der Schweiz ist das ein enormer Mehrwert, weshalb wir an dieser Rekrutierungsform festhalten. Gleichzeitig können wir neben dem LINK Onlinepanel künftig in der Schweiz aber auch noch das weltweite YouGov-Panel anbieten, was unseren Kund/innen einen zusätzlichen Vorteil bringt.

Beide Parteien, sowohl LINK als auch YouGov, sind sich bewusst, wie wichtig unser CATI-Angebot, bzw. der mixed-mode Ansatz für unsere Dienstleistungserbringung und für die Erfüllung unserer Verträge sind. Selbstverständlich bleiben diese sehr wichtigen Assets erhalten und werden betrieben wie bisher.

Mit dem gerade erst gelaunchten Schweizer Markenmonitor von LINK und dem Brandindex von YouGov gibt es künftig zwei Marken-Tracking-Instrumente. Macht das noch Sinn? Beide Produkte tracken ähnliche Kennwerte – die Markenwahrnehmung im Generellen –, bedienen jedoch unterschiedliche Zielgruppen. Der YouGov BrandIndex bedient vorwiegend internationale Unternehmen, die entsprechend auch die Wahrnehmung ihrer Marken durch internationale Konsumentinnen und Konsumenten ermitteln möchten. Der Swiss Brand Observer hingegen bedient Unternehmen, deren Marken am Schweizer Markt aktiv sind und die ein Monitoring ihrer Markenwahrnehmung in der Schweiz machen möchten. Vor diesem Hintergrund macht es absolut Sinn, beide Tools weiterzuführen, da sich Fokus und Zielgruppe unterscheiden.

YouGov hat LINK quasi aus der Portokasse bezahlt. Der Kaufpreis ist nicht höher als der Jahresumsatz von LINK. Haben Sie sich nicht ein wenig zu billig verkauft? Wir sind der Meinung, dass die Transaktion einen fairen Wert für die ehemaligen Aktionäre darstellt; ich kann Ihnen versichern, dass sie mit der Transaktion sehr zufrieden sind. Der Kaufpreis entspricht auf Grundlage einer im Rahmen der Due-Diligence-Prüfung durchgeführten umfassenden Bewertung den Branchenstandards, und der gezahlte Gewinnmultiplikator steht im Einklang mit vergleichbaren Transaktionen innerhalb der Branche. Wir freuen uns sehr über dieses Geschäft, da unsere beiden Unternehmen viele Gemeinsamkeiten haben, sowohl in Bezug auf unsere unternehmerischen Ziele, unsere innovativen Unternehmenskulturen als auch auf unsere höchsten Forschungsstandards.

In der Pressemitteilung steht, es bleibe alles beim Alten. Das ist sicherlich eine Übergangslösung. Gibt es einen Zeithorizont, wann der Name LINK aus der Marktforschungs-Landschaft verschwunden sein wird? Wir führen zwei Unternehmen zusammen, inklusive vieler bislang unterschiedlicher Prozesse und Abläufe, und möchten daraus resultierende Synergien nutzen. Deshalb wird sicherlich nicht alles komplett beim Alten bleiben. Uns ist wichtig, den jeweiligen Markenwert intelligent zu nutzen, was bedeutet, dass je nach Bedarf die Zugehörigkeit zu YouGov betont wird oder die Marke LINK. Eine Namensänderung ist derzeit jedoch nicht in Sicht.
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